Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Chip soll Diagnose bei chronischer Lebererkrankung „Morbus Wilson“ verbessern

18.02.2008
BMBF fördert Forschungsprojekt von UKM und dem Biotechnologie-Unternehmen Carpegen mit rund einer Million Euro

Sicher, schnell und Kosten sparend: So kann in naher Zukunft das neue Diagnoseverfahren zur chronischen Lebererkrankung „Morbus Wilson“ aussehen. Ermöglichen soll das neue Diagnoseverfahren ein weltweit einmaliger Gen-Chip aus Münster. Die Entwicklung dieses Gen-Chips ist das Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojektes des Universitätsklinikums Münster (UKM) und dem Münsteraner Biotechnologie-Unternehmen Carpegen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Verbundprojekt mit rund einer Million Euro.

„In drei Jahren wollen wir einen Prototyp des Chips vorstellen“, blickt Prof. Dr. Hartmut Schmidt, Leiter der experimentellen UKM-Transplantationshepatologie (Lebertransplantationen), auf die kommenden Aufgaben. Der Gen-Chip soll die Diagnose der Erkrankung qualitativ enorm verbessern und vereinfachen. Damit sollen auch die Kosten für die bislang sehr aufwändigen Diagnoseverfahren in Zukunft gesenkt werden. „Bislang ist die Diagnostik sehr zeitintensiv, es müssen Proben der Leber mit der Gefahr z. B. einer Blutung entnommen werden und zahlreiche Tests durchgeführt werden. Mit dem Chip wird zukünftig eine Blutprobe ausreichen. Anhand dieser Blutprobe wird dann eine genetische Analyse durchgeführt“, erklärt Schmidt das Verfahren. Auch weitgehende „Patienten-Screenings“ seien dann möglich, so der UKM-Mediziner.

Basis für das Diagnoseverfahren per Gen-Chip ist die weltweite größte Gen-Datenbank zum Morbus Wilson, die beim UKM geführt wird. Diese Datenbank wird die „Informationsgrundlage“ für den Gen-Chip. Technisch betrachtet werden bei dem Vorgang die aus einem Blutstropfen gewonnenen und als für die Erkrankung verantwortlich bekannten Abschnitte des Erbgutes gezielt vermehrt und untersucht. Dabei kommen innovative Verfahren wie „Spotting-“ und „Hybridisierungs-technologie“ zum Einsatz. Als Ergebnis entsteht auf der Oberfläche des Gen-Chips ein Farbmuster, das eine exakte und sichere Diagnose und somit ein gezieltes Therapieverfahren ermöglicht.

Schmidt: „Morbus Wilson ist eine seltene chronische Lebererkrankung, die leicht übersehen werden kann. Erkennt man sie aber früh und rechtzeitig, ist eine Therapie und Heilung möglich und die Betroffenen können ein nahezu normales Leben führen. Wird die Erkrankung dagegen erst spät erkannt, sind die Überlebenschancen sehr gering.“ Bei der Wilson-Krankheit wird das Kupfer im Körper der Erkrankten nicht vollständig ausgeschieden, sondern verbleibt im Organismus. Ursache der Erkrankung ist eine Gen-Mutation. Diese kann in verschiedenster Form auftreten, was die bisherige Diagnose zusätzlich erschwert. Durch die UKM-Datenbank zu Morbus Wilson wird jedoch eine zielgenaue Suche ermöglicht.

Projektpartner des UKM bei der technischen Entwicklung des Gen-Chips ist das Münsteraner Biotechnologie-Unternehmen Carpegen. Das Unternehmen entwickelt und vermarktet seit 2001 Diagnostik-Tests für Infektionserkrankungen. „Durch die Kooperation mit dem UKM bei der Entwicklung des Gen-Chips betritt Carpegen ein weiteres klinisches Arbeitsfeld“, erklärt Carpegen-Geschäftsführerin Dr. Antje Rötger.

Prof. Schmidt sieht in der Kooperation zwischen dem UKM und dem Biotechnologie-Unternehmen auch ein gelungenes Beispiel, wie „Wissenschaft und Wirtschaft am Technologie-Standort Münster gemeinsam neue Produkte entwickeln können. Die Förderung durch das BMBF eröffnet uns dafür eine hervorragende Grundlage.“

Und auf dieser Grundlage soll nun in drei Jahren der Prototyp des Gen-Chips entstehen. Für den Leberexperten Schmidt sind es nicht nur an Morbus Wilson erkrankte Menschen, die von der geplanten Technologie zukünftig profitieren könnten: „Wenn der Chip funktioniert, könnten weitere Chipvarianten auch für die Diagnose anderer Krankheiten genutzt werden. Denn das technische Verfahren auf dem Chip bleibt identisch.“

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: Biotechnologie Carpegen Gen-Chip Lebererkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Schlüsselmolekül des Alterns entdeckt

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Vorhersage von Kristallisationsprozessen soll bessere Kunststoff-Bauteile möglich machen

20.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics