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Das erste Interdisziplinäre Allergiezentrum im süddeutschen Raum

13.02.2008
Klinikum der Universität München bündelt Expertenwissen im Kampf gegen Allergien

Beim einzelnen Patienten manifestiert sich „eine Allergie“ nicht selten an verschiedenen Orten. Das interdisziplinäre Allergiezentrum verfolgt zwei Ziele. Zum einen die organbezogene Spezialisierung der Medizin durch übergreifende Zusammenarbeit zugunsten des Patienten aufzuheben, zum anderen Allergiekrankheiten interdisziplinär zu erforschen, um neue Lösungsansätze für die Therapie zu finden. Für Patienten wird zudem eine zentrale Telefonnummer als Anlaufstelle für Betroffene eingerichtet.

Das neue Interdisziplinäre Allergiezentrum wird getragen von:

- Prof. Dr. Dennis Nowak, Direktor Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin zusammen mit PD Dr. Peter Angerer und Dr. Uta Ochmann

- Prof. Dr. Matthias Griese, Leiter pädiatrische Pneumologie und Mukoviszidose-Zentrum der Kinderklinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital zusammen mit Prof. Dr. Erika von Mutius (Allergieambulanz)

- Prof. Dr. Bernhard Przybilla, leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie zusammen mit PD Dr. Franziska Ruëff

- PD Dr. Matthias Kramer, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

- Prof. Dr. Rudolf Maria Huber, Leiter der Pneumologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik Innenstadt zusammen mit Dr. Fernando Gamarra und Dr. Diana Stratakis

- Prof. Dr. Jürgen Behr, Leiter des Schwerpunktes Pneumologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, Großhadern

Die bisher erarbeiteten Forschungsergebnisse und Methoden sowie die Kooperation bei der studentischen Ausbildung und Weiterbildung der Assistenzärzte manifestieren sich nun im Interdisziplinären Allergiezentrum.

Die Zahl der Allergiepatienten hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht, aber die Ursachen dafür sind bisher nur ansatzweise bekannt. So ist davon auszugehen, daß bei mindestens 30% der Bevölkerung eine Allergiekrankheit besteht.

Der Begriff Allergie bezeichnet eine von der Norm abweichende Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems auf an sich meist harmlose Substanzen der Umwelt. Die manchmal dramatische Ausmaße annehmenden Krankheitserscheinungen können an vielen Organsystemen auftreten, vor allem Hau und Schleimhäute (z.B. von Nase, Darm, Bronchien) sind als Kontaktflächen zur Umwelt als Einfallstor der Substanzen besonders häufig betroffen. Die daraus resultierende „unsichtbare Behinderung“, die durch das Vermeiden des Kontakts mit dem Auslöser von Beschwerden zu ausgeprägten Beeinträchtigungen im privaten wie beruflichen Leben führen kann, darf angesichts der hohen prozentualen Verbreitung und auch der daraus entstehenden volkswirtschaftlichen Folgen nicht verharmlost werden.

Versorgung allergiekranker Patienten am Klinikum

In den sechs durch das Interdisziplinäre Allergiezentrum repräsentierten Kliniken wurden bisher jährlich etwa 10.000 allergiekranke Patienten behandelt. Schwerpunkte sind dabei etwa:

- Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin: 650 Patienten mit Atemwegs-, Kontakt- oder Nahrungsmittelallergien

- Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital: 1.100 Patienten mit Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Ekzemen und Nahrungsmittelallergien

- Dermatologische und Allergologische Klinik: 4.800 Patienten mit Kontaktallergien, Anaphylaxie auf Insektengift, Nahrungsmittel oder Arzneimittel, Urtikaria, Ekzemen, Neurodermitis, Heuschnupfen, Implantatunverträglichkeiten

- Hals-Nasen-Ohrenheilkunde: 750 Patienten mit allergischer Rhinitis und Erkrankung der Nasennebenhöhlen, Rhinoconjunctivitis allergica, oralem Allergiesyndrom, Samter-Trias, Durchführung von Chonchtotmien bei Vergrößerung der Nasenschwellkörper

- Pneumologie, Medizinische Klinik Innenstadt: 2.900 Patienten mit Asthma bronchiale, Allergiekrankheit bei Mukoviszidose und weiteren allergischen Lungenerkrankungen

- Pneumoloige, Medizinische Klinik I: 1500 Patienten mit Asthma bronchiale, exogene allergische Alveolitis, berufsbezogene Atemwegsallergien

Für die Diagnostik stehen alle modernen Verfahren zur Verfügung, vom Hauttest über Labormethoden zur Untersuchung von Körperflüssigkeiten und Immunzellen bis hin zu Provokationstests an verschiedenen Organen. Therapeutisch verfügt das Interdisziplinäre Allergiezentrum über alle aktuellen Methoden zum Management von Allergiekrankheiten. In jeweils alle zwei Wochen stattfindenden Fallkonferenzen beraten zudem die Experten der beteiligten Kliniken fachübergreifend über die bestmögliche Versorgung der Patienten, unabhängig davon, an welchem Standort oder in welcher Klinik der Betroffene behandelt wird. Damit können unter anderem Doppeluntersuchungen vermieden sowie Behandlungsabläufe beschleunigt werden.

Von neuen Erkenntnissen profitieren nicht nur die Patienten direkt, auch die niedergelassenen Fachärzte werden mit einbezogen und über Fortschritte informiert. Damit soll das Wissen der Experten am Interdisziplinären Allergiezentrum auch in der Fläche verbreitet werden.

Forschungsschwerpunkte

Die sechs Einrichtungen bringen die Forschungsergebnisse aus ihrer Disziplin in die Diagnostik und Therapie des Interdisziplinären Allergieamzentrums ein. Dazu gehören Epidemiologie von Risikofaktoren für allergische Erkrankungen, Expositionsstudien, Allergogenetik, Untersuchungen zu obstruktiven bronchialen Erkrankungen, zur zystischen Fibrose und zur allergischen bronchopulmonalen Aspergillose, die Erforschung chronischer entzündlicher nasaler Erkrankungen, die Pathophysiologie von atopischem Ekzem, die Ätiopathogenese der Implantatüberempfindlichkeit sowie Forschungen zu Insektengift- und Nahrungsmittelallergie und zur Mastozytose.

Struktur des Interdisziplinären Allergiezentrums

Die Einrichtungen des Zentrums befinden sich am Campus Großhadern und am Campus Innenstadt in den oben genannten Kliniken. Die Versorgung der Patienten ist etabliert und trotz der räumlichen Entfernungen eingespielt. Es wird angestrebt, mittelfristig eine zentrale Einheit mit dem Angebot aller Leistungen der Patientenversorgung zu schaffen und Einrichtungen der wissenschaftlichen Forschung anzuschließen. Schon jetzt können Patienten unter der neuen zentralen Rufnummer 089 / 5160 – 6160 des interdisziplinären Allergiezentrums anrufen, wenn Sie bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner Hilfe benötigen. Im Internet bietet das neue virtuelle Allergiezentrum ebenfalls Informationen für Betroffene an unter http://allergiezentrum.klinikum.uni-muenchen.de.

Klinikum der Universität München

Im Klinikum der Universität München (LMU) werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 81.000 Patienten stationär, 12.000 teilstationär und 370.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2006 mehr als 58 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Kressirer, Philipp | klinikum der universität münchen
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de
http://allergiezentrum.klinikum.uni-muenchen.de

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