Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Pille gegen Leukämie

06.02.2008
Neue Substanzen revolutionieren die Krebsbehandlung / Dazu Eröffnungsvortrag am 17. Februar 2008 zum Tag der Gesundheitsforschung am Uniklinikum Jena

Für die Onkologie hat das 21. Jahrhundert viel versprechend begonnen: Seit dem Ende der 1990er Jahre trägt die jahrzehntelange Forschung erste sichtbare Früchte in Form einer ganzen Reihe neuer, wirksamer Substanzen. Antikörper wie Herceptin gehören genauso dazu wie die sogenannten Tyrosinkinasehemmer. Beide Wirkstoffgruppen greifen den Krebs auf der molekularen Ebene an - ein sehr wirksames, aber auch begrenztes Verfahren. Die einzelnen Substanzen entfalten ihre Wirksamkeit nur bei ganz bestimmten, eng umgrenzten Tumorgruppen.

Hier wirken sie aber umso effektvoller: "Die sogenannten Tyrosinkinasehemmer haben die Behandlung der chronisch-myeloischen Leukämie in den vergangenen Jahren faktisch revolutioniert", erklärt dazu Prof. Dr. Klaus Höffken, Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Jena (UKJ). "Früher war die Knochenmarktransplantation die Therapie unserer Wahl", so der Onkologe weiter. "Heute steht uns für die gleiche Erkrankung eine Pille zur Verfügung, mit der sich diese Form der Leukämie in Schach halten lässt." Damit würde aus einer früher todbringenden Krankheit jetzt eine chronische Erkrankung, mit der sich leben lässt. Höffken: "Transplantationen sind jetzt nur noch den Hochrisikofällen vorbehalten. Ein enormer Fortschritt, der für viele unserer Patienten große Hoffnungen bedeutet."

Möglich wird dies durch einen neuen Ansatz in der Krebsbekämpfung, der die Tumoren innerhalb der Zellstrukturen angreift. Die sogenannten Tyrosinkinasehemmer blockieren die Signalübermittlungen in den Krebszellen und hemmen so das Wachstum der Tumoren. Allerdings müssen dazu die Zell-Schaltstellen so exakt getroffen werden, dass die neuen Substanzen jeweils ganz spezifisch auf bestimmte Krebsarten zugeschnitten und auch nur hochspezifisch einsetzbar sind. "In den letzten zwei Jahren sind solche Tumorhemmer aber auch für Leberzellkrebs und Nierenzellkrebs entwickelt und zugelassen worden", erklärt Dr. Lars-Olof Mügge, Oberarzt in der Jenaer Onkologie. Und auch bei Hirntumoren gäbe es nun erste Ansätze, die die Medikamente bisher ausbremsende Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und die Wirkstoffe bis in die Tumorzellen vordringen zu lassen, so der Onkologe Mügge. Mit den neuen Wirkstoffen lasse sich der Krebs zwar noch nicht heilen, aber die Lebensspanne der Betroffenen würde verlängert, während gleichzeitig eine gute Lebensqualität erhalten werden kann.

"Mit diesen neuen Substanzen gibt es erstmals seit vielen Jahren in der Krebsforschung die realistische Hoffnung, die Krankheit auch bei bisher schwer behandelbaren Tumoren beeinflussen zu können", resümiert Prof. Höffken. Diese Hoffnung machenden Entwicklungen wird der ehemalige Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft Prof. Klaus Höffken auch in seinem Eröffnungsvortrag "Krebsversorgung gestern - heute - morgen" am 17. Februar 2008 zum Tag der Gesundheitsforschung am Uniklinikum Jena vorstellen. Weitere Vorträge werden auch über die neuen Entwicklungen in der Leukämiebehandlung und die Einsatzmöglichkeiten der neuen Substanzen bei anderen Tumorerkrankungen informieren.

Tag der Gesundheitsforschung, Universitätsklinikum Jena-Lobeda
17. Februar 2008, 10:00 Uhr, Hörsaal 2
"Krebsversorgung gestern - heute - morgen", Eröffnungsvortrag Prof. Klaus Höffken
Weitere Vorträge dazu:
13.00 Uhr, Hörsaal 2
"Stammzelltransplantation - neue Möglichkeiten in der Leukämietherapie"
13.30 Uhr, Hörsaal 2
"Klare Fragen - klare Antworten? Studien in der klinischen Forschung"
14.30 Uhr, Hörsaal 1
"Tumorbiologie verstehen - neue molekulare Therapien für Patienten mit Nierentumoren"
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Klaus Höffken
Dirktor der Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/9324201
E-Mail: klaus.hoeffken[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de

Weitere Berichte zu: Gesundheitsforschung Leukämie Tyrosinkinasehemmer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie