Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutlich besserer Erfolg bei künstlicher Befruchtung

06.02.2008
Eine neue Methode könnte zukünftig manchen ungewollt kinderlosen Paaren helfen.

Das mikroskopische Verfahren verbessert die Erfolgsrate einer so genannten "ICSI" (intracytoplasmatischen Spermieninjektion) deutlich. Das haben Wissenschaftler der Universität Bonn zusammen mit Kollegen aus China und Industriepartnern in einer Studie mit 124 Frauen herausgefunden.

Bislang geht nur für jedes dritte Paar, das sich zu einer ICSI entscheidet, der Kinderwunsch in Erfüllung. In der Studie führte die künstliche Befruchtungsmethode doppelt so häufig zum Erfolg. Die Forscher haben ihre Daten nun in der Zeitschrift Reproductive BioMedicine veröffentlicht (Online-Ausgabe unter http://www.rbmonline.com/Article/3161).

Eine ICSI ist für viele Paare der letzte Versuch, doch noch ein Kind zu bekommen. "Die Methode empfiehlt sich, wenn der Mann zu wenig Samenzellen produziert", erläutert der Bonner Reproduktionsbiologe Dr. Markus Montag. Aus dem Hodengewebe können die Ärzte meist noch einzelne funktionstüchtige Spermien gewinnen, die sie dann in die Eizelle einspritzen. Die Partnerin muss vor einer ICSI Hormonpräparate zu sich nehmen. Sie bewirken, dass in den Eierstöcken mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen - normalerweise ist es nur eine pro Monat.

... mehr zu:
»Befruchtung »Eihülle »Eizelle »ICSI

"In jede dieser Zellen injizieren wir ein Spermium", erklärt Montag. "Dann dauert es gut 26 Stunden, bis die Zellkerne von Ei- und Samenzelle verschmelzen und ein Embryo entsteht. In dieser Zeitspanne müssen wir uns entscheiden, welche der befruchteten Eizellen wir in die Gebärmutter einsetzen." Denn das deutsche Embryonenschutzgesetz erlaubt es, maximal drei befruchtete Eizellen pro Versuch zu implantieren. "Wir beschränken uns sogar nur auf zwei, um die Geburt von Drillingen auszuschließen", erklärt Montag. Bei Mehrlingsschwangerschaften erhöht sich das Risiko für Aborte und Fehlbildungen.

Wahl der "besten" Eizellen

Welche der befruchteten Zellen die Mediziner letztlich implantieren, blieb bislang meist dem Zufall überlassen. Doch heute weiß man, dass nicht alle Eizellen dieselbe Qualität haben. Mit einem speziellen Verfahren können die Bonner Forscher die zwei geeignetsten Kandidaten aussuchen. "Wir betrachten dazu die Eihülle unter dem Polarisationsmikroskop", erläutert Dr. Montag. "Sie erscheint dort als leuchtend orange-roter Ring. Je heller dieser Ring ist und je gleichmäßiger er leuchtet, desto höher die Chance, dass daraus ein Kind entsteht." Grund: Die Eihülle scheint immer dann eine besonders gleichmäßige Struktur zu haben, wenn die Zelle bei ihrer Reifung gute Bedingungen angetroffen hat.

Normalerweise führt jede dritte ICSI zum Erfolg. Setzten die Mediziner in ihrer Studie jedoch zwei "gute" Eizellen in die Gebärmutter zurück, stieg diese Quote bei über 50 Prozent. Bei einer "guten" und einer "schlechten" Eizelle lag die Erfolgsrate immer noch bei 40 Prozent, bei zwei "schlechten" nur bei 20 Prozent. "Allerdings sind 'gute' Eizellen rar", betont der Reproduktionsbiologe. "Nur bei zwei von zehn Zellen ist die Eihülle kräftig und gleichmäßig orange gefärbt."

Unter natürlichen Bedingungen erfolgt die Befruchtung im Eileiter. Danach beginnt sich die Eizelle zu teilen, während Kontraktionen des Eileiters sie zur Gebärmutter befördern. Knapp 2-3 Tage dauert diese Reise; bei der Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut am Tag 6 nach der Befruchtung besteht das werdende Kind aus mehreren hundert Zellen. Während der gesamten Wanderung schützt die Eihülle den Embryo.

Das Bonner Team um Dr. Markus Montag und Professor Dr. Hans van der Ven hat inzwischen zusammen mit der Firma Octax Microscience eine Software entwickelt, die das Mikroskop-Bild objektiv analysiert und die geeignetsten Zellen vorschlägt. "So lässt sich das Verfahren problemlos und ohne großen Aufwand in die klinische Routine implementieren", sagt der Biologe.

Kontakt:
PD Dr. Markus Montag
Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie & Reproduktionsmedizin, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-15449
E-Mail: Markus.Montag@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.rbmonline.com/Article/3161

Weitere Berichte zu: Befruchtung Eihülle Eizelle ICSI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Der Mensch besitzt dreimal mehr braunes Körperfett
01.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Zellen passen sich ultraschnell an die Schwerelosigkeit an
28.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher ahmen molekulares Gedränge nach

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen Bedingungen nun erstmals in künstlichen Vesikeln naturgetreu simulieren. Die Erkenntnisse helfen der Weiterentwicklung von Nanoreaktoren und künstlichen Organellen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Small».

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen...

Im Focus: Researchers Imitate Molecular Crowding in Cells

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to simulate these confined natural conditions in artificial vesicles for the first time. As reported in the academic journal Small, the results are offering better insight into the development of nanoreactors and artificial organelles.

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to...

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CeBIT 2017: Automatisiertes Fahren: Sicheres Navigieren im Baustellenbereich

01.03.2017 | CeBIT 2017

Hybrid-Speicher mit Marktpotenzial: Batterie-Produktion goes Industrie 4.0

01.03.2017 | Energie und Elektrotechnik