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Tiefe Hirnstimulation verbessert das Gedächtnis

30.01.2008
Hoffnung auf neuen Behandlungsansatz gegen Alzheimer

Die elektrische Stimulation von tief im Inneren des Gehirns liegenden Bereichen könnte das Gedächtnis verbessern. Ärzte des Toronto Western Hospital erkannten das zufällig als sie versuchten, einen krankhaft fettsüchtigen Patienten mittels tiefer Hirnstimulation zu behandeln. Die Stimulation führte dazu, dass der Mann lebhafte Erinnerungen an längst vergangene Ereignisse hatte. Die in den Annals of Neurology veröffentlichte Studie könnte einen Weg ebnen, mit diesem Ansatz Krankheiten wie Alzheimer zu behandeln.

Der leitende Wissenschaftler Andres Lozano betonte, dass dieser Einzelfall völlig unerwartet eingetreten sei. "Wir haben aber sofort erkannt, dass das wichtig ist. Wir sind von diesem Ansatz ausreichend überzeugt, um weiterzuforschen." Das Team hatte versucht, einem 50-jährigen fettsüchtigen Mann zu helfen, der an Typ-2-Diabetes und Schlafstörungen litt. Der Patient sprach weder auf Diäten, Medikamente noch auf psychologische Unterstützung an. Einen Eingriff am Magen lehnte er ab. Die tiefe Hirnstimulation erwies sich trotz ihrem experimentellen Charakter als die beste Alternative.

Ein Einfluss auf den Appetit wurde zwar in Tests mit Tieren nachgewiesen. Groß angelegte Tests zur Behandlung von stark übergewichtigen Menschen wurden bisher aber nicht durchgeführt. Erste Behandlungsversuche bei Parkinson, chronischen Schmerzen, starken Kopfschmerzen und auch bei Depressionen wurden bereits mit einigem Erfolg durchgeführt. Das Verfahren beruht auf der Implantierung von Elektroden in das Gehirn. In diesem Fall wurden sie im Hypothalamus platziert, der den Appetit kontrollieren soll.

Als die Elektroden mit elektrischen Impulsen stimuliert wurden, hatte der Patient Deja-vu-Erlebnisse. Er vermeinte plötzlich mit Freunden in einem Park zu sein. Er fühlte sich deutlich jünger, glaubte rund 20 Jahre alt zu sein. Seine damalige Freundin war ebenfalls da. Sich selbst erlebte der Mann als Beobachter, der die Szenen in Farbe sehen konnte. Bei stärkerer Stimulation wurden auch die Details in der Szene lebendiger.

Nach dem Eingriff erholte sich der Patient zwei Monate lang. Als die Elektroden später erneut stimuliert wurden, erlebte er einen ähnlichen Effekt. Nach drei Wochen konstanter Stimulation schnitt er bei Gedächtnis-Tests deutlich besser ab als vor der Behandlung. Ein Jahr später waren die Testergebnisse besser, wenn die Elektroden stimuliert wurden. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler laut BBC an einer Pilotstudie mit sechs Alzheimer-Patienten.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uhn.ca/TWH
http://www3.interscience.wiley.com/journal/76507645/home

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