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Defekter Chloridkanal löst Nierensteine aus

16.11.2000


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»Chloridkanal »Mutation »Nierenstein
UKE-Wissenschaftler entschlüsselten den Krankheits-Mechanismus einer vererbten Nierenkrankheit

Eine seltene vererbte Nierenkrankheit, die Dent’sche Erkrankung, wird ausgelöst durch eine Mutation im Erbgut, Ursache der Symptome ist ein defekter Chloridkanal. Diese wichtige Erkenntnis der Grundlagenforschung veröffentlicht heute die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Dr. Thomas Jentsch, Zentrum für Molekulare Neurobiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) im renommierten Wissenschaftsmagazin "nature". Damit fanden die Forscher nicht nur die Ursache einer seltenen Erkrankung. Sie konnten auch nachweisen, dass Chloridkanäle eine wichtige Rolle im Zellstoffwechsel spielen.

Die Dent’sche Erkrankung wird über das X-Chromosom vererbt und geht einher mit einer vermehrten Eiweiß- und Kalziumausscheidung über den Urin. Dadurch entstehen Nierensteine, Nierenverkalkung und schließlich Nierenversagen. Wie Mutationen in einem Chloridkanal zu diesen Symptomen führen, war bislang weitgehend unklar. 1998 hatte die Arbeitsgruppe um Professor Jentsch einen ersten Schritt zur Aufklärung der Krankheitsursache getan, indem sie zeigte, dass ClC-5 Chloridkanäle in den Nierenkanälchen vorkommen. Bereits 1996 hatten die UKE-Wissenschaftler mit Professor Dr. Raj Thakker (London) nachgewiesen, dass Mutationen im Genort ClC-5 die Erbkrankheit die Dent’sche Erkrankung verursachen.

In ihrer Veröffentlichung präsentieren die Forscher nun ein Maus-Modell, in dem der ClC-5 Chloridkanal ausgeschaltet ist. Sie zeigen, dass diese Mäuse einen Zellfunktionsdefekt in den Nierenkanälchen haben; die Aufnahme von großen Molekülen und Partikeln in die Zelle durch so genannte Endosomen ist nicht mehr möglich. Diese "Verdauungsbläschen" können nicht mehr richtig angesäuert werden, weil der fehlende Chloridkanal den Säuretransport behindert. Gleichzeitig ist die Aufnahme von Hormonen unterbrochen, weil auch sie normalerweise über die Endosomen aufgenommen werden. Dadurch kommt es zu Konzentrations-Veränderungen dieser Hormone, die den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel im Körper beeinflussen. So lässt sich auch die Mehrausscheidung von Phosphat im Mausmodell erklären, die auch bei Patienten auftritt, die an der Dent’schen Erkrankung leiden.

Weitere Fragen beantwortet gern Professor Jentsch, Telefon (040) 428 03 - 47 41 oder per E-Mail jentsch@uke.uni-hamburg.de

Auf Wunsch senden wir Ihnen gern ein Foto von Professor Jentsch per E-Mail zu.

Dr. Marion Schafft | idw

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