Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Borreliose nach Zeckenstich: Erneute Antibiotikatherapie bei unspezifischen Beschwerden wirkungslos

28.05.2002


Leiden Patienten nach einer akuten Lyme-Borreliose chronisch unter eher unspezifischen Beschwerden, ist eine erneute Antibiotikatherapie wirkungslos. Sinnvoll sind in solchen Fällen nur symptomatische Therapiemaßnahmen. Eine prophylaktische Antibiotikabehandlung nach einem Zeckenstich ist ebenfalls nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Das empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift InFo Neurologie & Psychiatrie.


In Deutschland tragen schätzungsweise zehn bis 25 Prozent der Zecken so genannte Borrelien in sich, Bakterien aus der Familie der Schraubenbakterien. Die Erreger können bei einem Zeckenstich übertragen werden. Experten schätzen, dass ungefähr einer von 300 Zeckenstichen zu einer so genannten Lyme-Borreliose führt.

Deren erstes Zeichen ist eine Hautentzündung, die sich ringförmig um den Zeckenstich ausbreitet. Allerdings tritt dieses "Erythema migrans" nur bei etwa der Hälfte der infizierten Patienten auf. Ebenso können grippeähnliche Symptome vorkommen: Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Gelenk- oder Kopfschmerzen. Wird die Infektion zu diesem Zeitpunkt nicht erkannt und mit Antibiotika behandelt, kann sie sich im Körper weiter ausbreiten. Dann können die Borrelien Entzündungen von Herzmuskel, Hirnhaut und Gelenken verursachen. Bei neurologischen Ausfallserscheinungen sprechen Ärzte von einer Neuroborreliose.


Einzelne Patienten entwickeln jedoch - trotz einer Antibiotika-Therapie - eher unspezifische chronische Beschwerden. Sie klagen beispielsweise über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Erschöpfungszustände sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.

US-Forscher haben unlängst in placebokontrollierten Therapiestudien überprüft, ob solche Patienten von einer weiteren dreimonatigen Antibiotikabehandlung profitieren. Resultat: Die Therapie konnte die Beschwerden nicht beeinflussen. Darüber hinaus belegt eine andere Untersuchung, dass die eher unspezifischen Beschwerden nach einer Lyme-Borreliose auch bei Menschen auftreten, die keine Lyme-Borreliose durchgemacht haben. "Diese Untersuchungen zusammengenommen legen nahe", betonen Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, "dass unspezifische Symptome nach einer Lyme-Borreliose symptomatisch und nicht mit Antiobiotika behandelt werden sollten."

Eine Antibiotikabehandlung über zwei bzw. drei Wochen bei akuten oder chronischen Symptomen einer Neuroborreliose ist nach Meinung der deutschen Experten nur dann angezeigt, wenn bei einer Punktion vermehrt weiße Blutkörperchen sowie Antikörper gegen Borrelien im Nervenwasser (Liquor) nachweisbar sind. Demgegenüber ist der Nachweis von Antikörpern im Blut alleine kein Hinweis auf eine bestehende Infektion.

Eine prophylaktische Antibiotika-Behandlung nach einem Zeckenstich zur Vermeidung einer Lyme-Borreliose wird in Deutschland ebenfalls nicht generell empfohlen. "Nur in bestimmten Ausnahmesituationen, etwa bei mehreren Zeckenstichen", betont Professor Hans-Walter Pfister von der Neurologischen Universitätsklinik Großhadern in München, "sollten gestochene Personen eine Antibiotikaprophylaxe erhalten." Diese kann auch sinnvoll sein, wenn die Zecken in einer Region besonders häufig mit Borrelien infiziert sind.
Allerdings sollte man nach einem Zeckenstich darauf achten, ob sich die Haut im Bereich der Stichstelle rötet oder neurologische Störungen wie nächtliche Nervenschmerzen, Lähmungserscheinungen, Kribbeln, Sensibilitätsstörungen - auch noch Wochen nach dem Stich - auftreten. "In solchen Fällen", rät Professor Pfister, "sollte man umgehend einen Arzt konsultieren."


Quelle:
InFo Neurologie & Psychiatrie, Heft 2/2002, Bd. 4, S. 116

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics