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Tägliche Kopfschmerzen: Meistens ist es Migräne

28.05.2002


Wenn Patienten täglich oder fast täglich unter Kopfschmerzen leiden, ist eine genaue Diagnostik durch einen Kopfschmerz-Experten von entscheidender Bedeutung. Denn häufiger als bislang angenommen, handelt es sich dabei um chronische Migräne. Dies hat Konsequenzen für die Behandlung, betonen Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) im Informationsdienst Kopfschmerz-News.


Zahlreiche Studien in verschiedenen Ländern belegen, dass etwa vier bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung an chronischen täglichen Kopfschmerzen leiden. Bislang gingen Experten davon aus, dass es sich bei der Mehrzahl dieser Fälle um chronische Spannungskopfschmerzen handelt. Neuere epidemiologische Untersuchungen - zuletzt etwa von Wissenschaftlern in Taiwan - liefern indes nun ein anderes Bild.

Die chinesischen Forscher befragten 3377 zufällig ausgewählte Bürger der Taiwanesischen Hauptstadt Taipei. Patienten, die öfter als drei Tage pro Woche Kopfschmerzen hatten, wurden von einem Arzt telefonisch interviewt. Resultat: 4,3 Prozent der Frauen und 1,9 Prozent der Männer berichteten über chronische Kopfschmerzen. Sie hatten an mehr als 15 Tagen pro Monat und länger als vier Stunden pro Tag Kopfweh.


Ein Drittel der Betroffenen nahm deshalb häufig oder sogar täglich Schmerzmittel. Dieser Fehlgebrauch von Analgetika ist nach Meinung der DMKG-Experten zumindest eine (Mit-)Ursache der Chronifizierung.

Mehr als die Hälfte der Patienten, 55 Prozent, hatte eine so genannte Transformierte Migräne: Dabei handelt es sich um einen meist pochend-pulsierenden Schmerz, oft im ganzen Kopf. Hinzu kommen Attacken mit stärkeren Schmerzen, begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Unter dem eher dumpf-drückenden chronischen Spannungskopfschmerz litten hingegen 44 Prozent der Befragten.

"Dieses Ergebnis zeigt", kommentieren DMKG-Experten, "dass Patienten, die täglich oder fast täglich unter Kopfschmerzen leiden von einem Kopfschmerzspezialisten untersucht werden sollten." Denn die möglichen Kopfschmerzarten - Migräne, Spannungskopfschmerz oder Medikamenten-bedingter Kopfschmerz - müssen unterschiedlich behandelt werden. Bei chronischen Kopfschmerzen spielen vor allem spezifische vorbeugende Behandlungsstrategien eine entscheidende Rolle, um Häufigkeit und Stärke der Schmerzen zu reduzieren.

Wichtig und sinnvoll sind bei allen Kopfschmerzen nicht-medikamentöse Verfahren, etwa Entspannungsmethoden und Strategien zur Stress- und Schmerzbewältigung. Auch leichte Ausdauersportarten, drei Mal 30 Minuten pro Woche, sind in vielen Fällen hilfreich.

Darüber hinaus werden jedoch zur Migräneprophylaxe bestimmte Betablocker (Metoprolol; Propanolol) eingesetzt. Ebenso die Substanz Flunarizin, die zur Gruppe der Kalzium-Antagonisten gehört. Es gibt auch noch verschiedene weitere Substanzen, die Ärzte als Mittel der zweiten Wahl verordnen können.

Bei Spannungskopfschmerzen helfen demgegenüber bestimmte Antidepressiva, die in die Schmerzverarbeitung eingreifen. Bei einem Medikamenten-induzierten Kopfschmerz ist zunächst eine Entzugsbehandlung nötig, um die ursprüngliche Kopfschmerzart zu diagnostizieren. Erst dann kann der Arzt eine spezifische Behandlung oder Prophylaxe einleiten.


Umfangreiche Informationen für Patienten und Ärzte sowie eine Liste von Mitgliedern der Deutschen Kopfschmerzgesellschaft - nach Postleitzahlen geordnet - gibt es auf der Homepage der DMKG .

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de/

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