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Klinische Demographie

08.11.2000


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Weniger Entbindungen, mehr Kreislaufmorbidität
Prospektive Demographie in der Klinik

Wirtschaftlichkeitsüberlegungen werden künftig in den deutschen Krankenhäusern eine noch größere Rolle spielen als bisher. Zu diesem Schluss kommt eine am 2. November 2000 publizierte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, verfasst von DIW-Mitarbeiterin Dr. Erika Schulz in Kooperation mit Prof. Dr. Reiner Leidl, Leiter der Abteilung Gesundheitsökonomie der Universität Ulm, und dessen Mitarbeiter Dr. Hans-Helmut König. »Auswirkungen der demographischen Alterung auf den Versorgungsbedarf im Krankenhausbereich« heißt der Titel der Studie. Mit Hilfe eines neu konzipierten demographischen Prognosemodells und aktueller Daten zur Krankenhausversorgung wurde die Entwicklung der Krankenhausfälle und der Krankenhauspflegetage für den Zeitraum bis 2020 (zum Teil auch bis 2050) beschrieben. Gegenüber früheren Modellrechnungen wurde dabei insbesondere die deutlich steigende Lebenserwartung spezifisch berücksichtigt.

Betrachtet man ausschließlich den Einfluss der demographischen Entwicklungen auf den gesamten Bedarf an künftiger Krankenhausversorgung, so steigt dieser bis 2010 um 12% und bis 2020 nochmals um weitere 10% an. Dabei sind erhebliche Veränderungen in der Zusammensetzung der Patientenschaft zu erwarten. So ist bei Krankenhausaufenthalten in Zusammenhang mit Schwangerschaft, Entbindung und perinatalen Erkrankungen bis 2020 mit Rückgängen von über 20% zu rechnen, bei den Krankheiten des Kreislaufsystems hingegen mit einem Anstieg um fast 44%. Im selben Zeitraum wird in der Altersgruppe über 75 Jahre ein demographisch bedingtes Wachstum des Versorgungsbedarfs beim Oberschenkelhalsbruch um 63%, beim Diabetes um 69%, bei organischen Psychosen um 74% sowie bei Schlaganfall und Herzinsuffizienz um je 77% erwartet. Die Krankenhauslandschaft in Deutschland muss sich somit auf eine zunächst eher moderate Steigerung des Gesamtbedarfs, zugleich aber auch auf einen erheblichen Strukturwandel einstellen.

Zu den demographischen Entwicklungen addiert sich in der Realität noch der medizinisch-technische Fortschritt. Dieser hat historisch noch stärker zu Veränderungen in der Krankenhausversorgung beigetragen als die Alterszusammensetzung der Patientenschaften. Er hatte einerseits Rückgänge der Verweildauer zur Folge, welche die Krankenhäuser entlasteten, hat andererseits aber durch neue Diagnose- und Behandlungsverfahren zu erheblichen Steigerungen der Nachfrage geführt. Auch für die Zukunft rechnen die Fachleute mit einem medizintechnisch motivierten Anstieg des Versorgungsbedarfs.

Peter Pietschmann | idw

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