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Psychosomatische Medizin hilft bei Krebs und Herzinfarkt

21.01.2008
Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen ist neuer Direktor der Abteilung Psychomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Göttingen

Professor Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Facharzt für Innere Medizin und für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Experte für Psycho-Kardiologie, ist seit September 2007 neuer Direktor der Abteilung Psychosomati-sche Medizin und Psychotherapie im Zentrum Psychosoziale Medizin an der Uni-versitätsmedizin Göttingen.

Professor Herrmann-Lingen übernahm die Leitung der Göttinger Abteilung in der Nachfolge von Prof. Dr. Ulrich Rüger. Dieser ist Ende August 2007 nach 21-jähriger Amtszeit als Direktor der Abteilung in den Ruhestand gegangen.

Christoph Herrmann-Lingen, 1958 in Unna/Westfalen geboren, hat in Berlin und Göttingen Humanmedizin studiert. 1990 wurde er in Göttingen promoviert und erlangte 1993 die Facharztanerkennung für Innere Medizin. Von 1994 bis 2005 war Herrmann-Lingen weiter am Universitätsklinikum Göttingen unter anderem als Oberarzt in der Abteilung (damals: Abt. Psychosomatik und Psychotherapie) tätig, deren Leitung er nun übernommen hat. 1997 erwarb er die Zusatzqualifikation für "Psychotherapie". Ein Jahr später habilitierte er sich für "Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" und wurde weitere zwei Jahre später Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Im Oktober 2004 nahm er den Ruf auf die damals deutschlandweit einzigartige Göttinger Professur für Psychokardiologie an. Zum Mai 2005 ging Herrmann-Lingen an das Klinikum der Philipps-Universität Marburg und war dort bis zu seiner Berufung nach Göttingen Professor und Leiter der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

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"Vielen körperlich kranken Menschen mit Herzerkrankungen oder Krebs kann die psychosomatische Medizin zusätzlich helfen. Denn sehr oft sind die Erkrankungen des Körpers mit psycho-sozialen Risikofaktoren verbunden oder die körperliche Erkrankung führt zu Angst und Depression", sagt Professor Herrmann-Lingen. Die Zusammenhänge zwischen Seele ("Psyche") und Körper besonders für die Behandlung von körperlichen Krankheiten zu nutzen und zu fördern, ist dem neuen Direktor der Abt. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ein großes Anliegen. "Wir sollten auch die großen Volkskrankheiten ganzheitlich verstehen und behandeln - warum sie entstehen und wie sie verlaufen", sagt Herrmann-Lingen.

Von diesem Weg, der Körper und Seele bei einer Krankheit gleichermaßen berücksichtigt, sollen Patienten, die im Universitätsklinikum Göttingen wegen körperlicher oder psychischer Erkrankungen behandelt werden, schon bald profitieren. "Wir wollen Behandlungskonzepte für Patienten mit körperlichen Erkrankungen entwickeln, die auch die psychischen und Verhaltensfaktoren berücksichtigen. Auch für "traditionelle" Psychotherapiepatienten möchten wir die Behandlung er-weitern. Körperliche Vorgänge und deren Behandlungsmöglichkeiten sollten bei diesen Patienten ebenfalls berücksichtigt werden", sagt Herrmann-Lingen. Im Alltag findet am Göttinger Universitätsklinikum die Zusammenarbeit zwischen den Medizinern der Seele und des Körpers bereits statt: Psycho-Kardiologen arbeiten mit den Ärzten im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen zusammen. Psycho-Onkologen unterstützen die Ärzte der Abteilung Hämatologie und Onkologie "konsiliarisch". Herz- und Krebspatienten können so ganzheitlich betreut werden. "Diese Zusammenarbeit wollen wir weiter ausbauen", sagt Herrmann-Lingen.

Für die künftige ambulante und stationäre Versorgung durch die Psychosoma-tische Medizin gibt es Pläne: Patienten mit körperlichen Erkrankungen, die von psychischen Begleitsymptomen wie Angst oder Depression geplagt werden, sollen ein ambulantes und ein stationäres Angebot zur Behandlung bekommen. In der Planung ist auch eine neue internistisch-psychosomatische Station. Sie soll insbe-sondere älteren Menschen mit körperlichen Begleiterkrankungen eine psychoso-matisch-psychotherapeutische Behandlung anbieten. Für schwer kranke Patienten mit psychosomatischen und psychoneurotischen Störungsbildern soll ein schnell-greifendes ambulantes Angebot geschaffen werden. "Wir wollen insbesondere den Menschen ein Angebot machen, die den benötigten Psychotherapieplatz bei niedergelassenen Kollegen gar nicht oder erst nach mehrmonatiger Wartezeit erhalten", sagt Hermann-Lingen.

Bisherige Versorgungsangebote der Psychosomatischen Medizin bleiben erhal-ten: Die Psychotherapiestation sowie die Spezialambulanz für Angstpatienten set-zen ihre Arbeit fort. Für weibliche Jugendliche und junge Erwachsene mit Bulimia nervosa und atypischer Bulimia nervosa vermittelt die Ambulanz für Essstörungen im Rahmen einer Studie ein gezieltes Behandlungsangebot und untersucht dieses auf seine Wirksamkeit.

Forschungsschwerpunkte liegen ebenfalls in den Bereichen Psycho-Onkologie und Psycho-Kardiologie. In Kooperation mit dem Brustzentrum Regio in Marburg wird in Göttingen untersucht, wie wirksam psychoonkologische Behandlungsangebote für die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen sind. Das Projekt wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert, die Ergebnisse kommen zukünftig auch Göttinger KrebspatientInnen zugute. Eine enge Kooperation soll auf diesem Gebiet mit der Göttinger Onkologie und der Palliativmedizin aufgebaut werden. "Außerdem sind zwei Behandlungsstudien beantragt, die sich mit Herzpatienten befassen", sagt Herrmann-Lingen: "Wir würden gerne Patienten mit Herzinsuffizienz helfen, eigenverantwortlicher mit ihrer Erkrankung zu leben. Und wir möchten depressiven Patienten mit koronarer Herzkrankheit ein gestuftes Psychotherapieangebot machen."

In der Grundlagenforschung will sich die Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie künftig im Bereich der molekularen Psychosomatik etablieren. Untersucht werden soll u.a., wie sich frühkindliche Lebenserfahrungen auf der Ebene der Genexpression langfristig im Organismus auswirken, wie etwa die Stressregulationssysteme durch frühe Beziehungserfahrungen geprägt werden. Herrmann-Lingen: "So wollen wir besser verstehen lernen, wie Herz-Seele-Wechselwirkungen auf zellulärer und molekularer Basis ablaufen."

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen,
Abt. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Telefon 0551 / 39-6707
E-mail: cherrma@gwdg.de
Von-Siebold-Straße 5, 37075 Göttingen

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de/

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