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"Leitlinienprogramm Onkologie" unterzeichnet

18.01.2008
Am 17. Januar 2008 haben in Berlin - in Anwesenheit der Staatssekretärin im BMG Frau Marion Caspers-Merk - die Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Krebshilfe (DKH)eine Vereinbarung unterzeichnet, um die Voraussetzungen für die Erstellung und Einführung von onkologischen Leitlinien in Deutschland zu verbessern.

Der Präsident der AWMF, Prof. Dr. med. Albrecht Encke, erläuterte die Bedeutung dieses Programms aus Sicht der AWMF: Auf Anregung des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (SVR) haben die wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften in der AWMF schon 1995 mit der Entwicklung wissenschaftlich begründeter ("Evidenz"-basierter) Leitlinien begonnen.

Nach Auffassung der AWMF und der Partner dieser Vereinbarung - Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Krebshilfe - sind Leitlinien systematisch entwickelte Aussagen, die den gegenwärtigen Erkenntnisstand wiedergeben und dem behandelnden Arzt und seinem Patienten die Entscheidungsfindung für eine angemessene Behandlung in einer spezifischen Krankheitssituation erleichtern. Leitlinien sind somit Orientierungshilfen für Ärzte und Patienten und Kerninstrumente der Qualitätssicherung.

Von der Rechtsprechung werden sie als Hilfe für die Feststellung des "Medizinischen Standards" (jeweiliger Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis und Erprobung in der Praxis) mit herangezogen, haben aber im Einzelfall keine haftungsrechtlichen Implikationen.

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Die medizinischen Fachgesellschaften haben in wenigen Jahren (1996 - 2002) mit großem Engagement über 1.000 Leitlinien erstellt. Die AWMF hat begleitend auf Basis der "Evidenz"-basierten Medizin (EbM) und einer strukturierten Konsensfindung ein methodisches Regelwerk entwickelt, das bei sachgemäßer Anwendung zu hochwertigen Leitlinien führt.

Dieses Regelwerk ist Grundlage des gemeinsamen "Leitlinienprogramms Onkologie" von AWMF, DKG und DKH. Die Entwicklung mit systematischer "Evidenz"-Basierung und klinischer Bewertung der wissenschaftlichen Belege ("Evidenzen") durch eine strukturierte Konsensfindung sowie die laufende Fortschreibung sind Aufgaben der medizinischen Wissenschaft, konkret der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Verbreitung, Implementierung und externe Evaluation von Leitlinien im ärztlichen Alltag sind darüber hinaus ein gemeinsames Anliegen und bezüglich onkologischer Leitlinien eine besondere Aufgabe für die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe ("Was kommt beim Patienten an?").

Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen die Leitlinienentwicklung Aufgabe zentraler Einrichtungen ist, verfolgt die AWMF eine dezentrale Strategie, die die Initiative bei den Fachgesellschaften belässt, die mit dem persönlichen, ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder die Entwicklung, Anwendung, Bewertung und Fortschreibung der Leitlinien tragen ("aus der Praxis - für die Praxis"). Dieses Vorgehen hat sich als vorteilhaft erwiesen für die Akzeptanz, Implementierung und Verankerung der Leitlinien in der Qualitätssicherung und wird auch international anerkannt. Die AWMF koordiniert die Leitlinienarbeit der Fachgesellschaften u. a. durch das strukturierte Anmeldeverfahren, das insbesondere der Gewährleistung der notwendigen Interdisziplinarität dient, und durch die methodische Beratung und Moderation der Leitliniengruppen, die in der Regel interdisziplinär, berufsgruppenübergreifend und mit Vertretern der Patienten zusammengesetzt sind. Die Aus- und Fortbildung von Leitlinienberatern und Leitlinienbeauftragten in Fachgesellschaften ist integraler Bestandteil dieser Vereinbarung für das gemeinsame "Leitlinienprogramm Onkologie" von AWMF, DKG und DKH.

Die Gewährleistung der Interdisziplinarität und die zeitnahe Aktualisierung sind für Leitlinien in der Onkologie essentiell, da einerseits die Behandlung von Tumorerkrankungen in der Regel ein multimodales Therapieprinzip ("Stahl, Strahl und Chemotherapie") erfordert, andererseits die Neueinführung von Substanzen und medikamentösen Therapieschemata sehr schnell geschieht, und die betroffenen Patienten durch ihre lebensbedrohliche Erkrankung psychologisch besonders belastet sind. Darüber hinaus ist eine Vernetzung der Leitlinien mit weiteren Maßnahmen zur Qualitätsförderung in der Onkologie notwendig (z.B. Zertifizierung von Zentren, Dokumentation durch klinische Krebsregister).

Die AWMF begrüßt deshalb ausdrücklich die Chance, durch die enge Kooperation mit DKG und DKH zum Wohl der Patienten die Voraussetzungen für die Erstellung und Einführung von onkologischen Leitlinien in Deutschland zu verbessern.

Wolfgang Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.awmf-leitlinien.de

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