Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gute Nachrichten vom bösen Hautkrebs

25.07.2000


Schwarzer Hautkrebs wird zunehmend früher erkannt. Darum hat die Mehrzahl der Patienten inzwischen sehr gute Heilungschancen. Darüber hinaus erspart eine gezielte Untersuchung des Wächterlymphknotens vielen
Patienten belastende Operationen. Dies berichten Experten auf der 17. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München.

Die Bemühungen der Dermatologen, die Früherkennung des schwarzen Hautkrebses zu verbessern, tragen Früchte: Die meisten Melanome werden inzwischen im Frühstadium diagnostiziert. "Heute beträgt die Tumordicke im Schnitt 0,75 Millimeter", berichtet Professor Matthias Volkenandt von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU München. Vor zwanzig Jahren lag die Tumordicke hingegen im Mittel noch bei 1,5 Millimetern. "Die überwältigende Mehrheit der Patienten mit dünnen Tumoren können durch die Entfernung des Tumors geheilt werden, sie haben eine extrem gute Prognose, weitaus besser als vielfach angenommen", so der Hautarzt weiter. Die Lebenserwartung der Betroffenen unterscheidet sich statistisch nicht von jener der Allgemeinbevölkerung. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Pro Jahr registriert das Münchener Tumorzentrum 14 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. "Vor 30 Jahren waren Melanome deutlich seltener", weiß Volkenandt, selbst wenn es aus dieser Zeit keine zuverlässigen statistischen Daten gibt.

UV-Strahlung und Sonnenbrände sind die bekannten Risikofaktoren des schwarzen Hautkrebses. "Entscheidend ist jedoch nicht die kumulative UV-Dosis", so der Münchener Dermatologe", sondern vor allem Sonnenbrände spielen eine Rolle, insbesondere auf nicht lichtgewöhnter Haut, etwa am Rücken." Diese Zusammenhänge beobachten die Spezialisten auch bei den Patienten. Volkenandt: "Die meisten Melanome bilden sich inzwischen auf dem Rücken, das Verteilungsmuster verschiebt sich."

Die Dermatologen können die Dicke eines Melanoms heute sehr genau durch eine Untersuchung mit hochfrequentem Ultraschall bestimmen. Dies ist für die Operationsplanung wichtig, da sich der Sicherheitsabstand, mit dem der Tumor entfernt wird, an dessen Dicke orientiert.

Die eigentliche Todesursache bei Melanompatienten ist in der Regel nicht der Primärtumor, der stets entfernt werden kann, sondern dessen Metastasen in anderen Organen, etwa in Lunge und/oder Gehirn. Da die Geschwulst zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits einzelne Tochterzellen über die Lymphbahnen abgesiedelt haben kann, entfernten die Ärzte früher aus Sicherheitsgründen alle Lymphknoten in der Nähe des Tumors. Doch dies ist ein belastender Eingriff mit einer relativ hohen Komplikationsrate: Nach der Operation leiden zwischen 20 und 40 Prozent der Patienten unter schmerzhaften Lymphödemen.

Die Untersuchung des Wächterlymphknotens erspart belastende Operationen

Um die Zahl dieser Eingriffe zu reduzieren, erproben die Ärzte an der Dermatologischen Klinik seit einigen Jahren ein neues Verfahren: Den Patienten wird nur noch ein einziger Lymphknoten bei einem kleinen Eingriff entnommen, der sogenannte "Wächter-Lymphknoten". Dieser wird vor der Operation durch eine nuklearmedizinische Untersuchung mit schwach radioaktiven Substanzen aufgespürt und markiert. Im Labor untersuchen die Ärzte dann mit verschiedenen Methoden, ob dieser Wächter-Lymphknoten - im Fachjargon "Sentinel-Lymphknoten" genannt - von Krebszellen befallen ist. Nur in diesem Fall werden die übrigen Lymphknoten entfernt. Allen anderen Patienten bleibt dieser Eingriff erspart.

Bislang haben die Münchener Dermatologen die neue Strategie bei über 300 Patienten eingesetzt. Bei jedem Fünften entdeckten sie Tumorzellen. Dann wurden die Lymphknoten entfernt. Die übrigen 80 Prozent der Patienten konnten ihre Lymphknoten behalten. Neueste Untersuchungen belegen, dass diese Patienten eine sehr gute Prognose haben. "Nur bei sieben Prozent der Betroffenen haben wir ein Fortschreiten der Erkrankung beobachtet", erklärt Volkenandt. "Damit können wir der Mehrheit der Melanompatienten ausgedehnte operative Eingriffe ersparen." Vor allem ist die gute Prognose für die betroffenen Patienten psychologisch sehr entlastend.
In der Nachsorge hat sich die Ultraschall-Untersuchung der Lymphknoten bewährt. Bei 30 Prozent der Patienten mit Metastasen werden diese zuerst durch diese Untersuchung entdeckt, lange bevor sie klinisch oder durch ein Computertomogramm nachweisbar sind.

Interferon verhindert die Bildung von Fernmetastasen

Patienten mit einem dickeren Melanom profitieren nach der Operation von einer adjuvanten Behandlung mit Interferon-alpha. Allerdings ist die optimale Dosis noch unklar, ebenso die Dauer der Therapie. Darum wird die Behandlung zur Zeit in klinischen Studien geprüft.

Unverändert schlecht ist hingegen die Prognose, wenn Fernmetastasen in anderen Organen auftreten. "Dann ist eine Heilung nur noch in Ausnahmefällen möglich", erklärt Volkenandt. Gleichwohl gibt es auch hier Versuche, Lebensdauer und Lebensqualität der Patienten zu verbessern: Hirnmetastasen werden inzwischen stereotaktisch bestrahlt. Ebenso wird ein Krebsmittel eingesetzt, das die Blut-Hirnschranke überwindet.

Immunologische Strategien, etwa mit Tumorvakzinen, stecken indes noch in den Kinderschuhen.

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Matthias Volkenandt
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
der Ludwig-Maximilians-Universität München
Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Tel.: 089-5160-6225/6325/6353
Fax: 089-5160-6226

Pressestelle: Barbara Ritzert; ProScientia GmbH, Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
Tel.: 08157/93 97-0; Fax: 08157/93 97-97; e-mail: proscientia@t-online.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert |

Weitere Berichte zu: Dermatologie Hautkrebs Lymphknoten Melanom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise