Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Horchen statt röntgen

17.01.2008
Vibration Response Imaging als schonende Alternative zum Röntgen - keine Strahlenbelastung - bewegte Bilder der Atmung - Von der Intensivmedizin bis zur Kinderheilkunde einsetzbar

Viele Patienten, die ihre Lunge röntgen lassen sollen, fragen besorgt, ob die Strahlenbelastung denn wirklich sein muss - selbst, wenn Sie ihre Gesundheit durch langjähriges Rauchen bisher kaum geschont haben.

Eine mögliche Alternative zur Röntgenuntersuchung der Lunge stellen Dr. Torsten Born und Prof. Dr. Thomas Otto Friedrich Wagner in der neuen Ausgabe von "Forschung Frankfurt" vor. Das Vibration Response Imaging, das derzeit in der Abteilung Pneumologie/Allergologie des Frankfurter Universitätsklinikums erprobt wird, setzt die während der Atmung im Bronchialsystem der Lunge entstehenden Schwingungen in bewegte Bilder um. Da sich krankhafte Veränderungen der Lunge in mangelnder beziehungsweise verzögerter Belüftung betroffener Lungenareale widerspiegeln, lassen sich mit der neuen Untersuchungsmethode Rückschlüsse auf Lungenentzündungen, verschluckte Gegenstände, Tumoren oder Wasseransammlungen ziehen.

Das Verfahren ermöglicht nicht nur, verschiedene Stadien der Krankheitsentwicklung zu verfolgen, sondern macht auch eine dynamische Analyse der Daten möglich, so dass man der Lunge und den Bronchien beim Atmen zuschauen kann. So lassen sich Aufnahmen mehrerer Atemzyklen (in der Regel vier) machen, während die konventionelle Röntgendiagnostik nur eine statische Aufnahme der Lunge als Momentsituation wiedergibt. 40 hochempfindliche piezoelektrische Sensoren werden in zwei Reihen am Rücken des Patienten angebracht. Die Signale werden an einen Prozessor weitergeleitet, der die gewünschten Signale verstärkt, das Rauschen herausfiltert und die analogen Daten in digitale Daten umwandelt. Vom Prozessor gelangen die Daten dann auf einen PC, der daraus ein bewegtes Graustufenbild erstellt.

... mehr zu:
»Intensivmedizin »Lunge

Einen wichtigen Einsatzschwerpunkt stellt die Intensivmedizin dar: So verschlechtert sich der Zustand eines maschinell beatmeten Patienten, wenn man ihn von der Intensivstation zur Röntgenabteilung transportieren muss. Die neuartige diagnostische Methode lässt eine Untersuchung am Krankenbett zu. So kann nicht nur der Krankheitsverlauf beobachtet, sondern auch die Steuerung und Kontrolle von maschinell beatmeten Patienten optimiert werden. Ähnliche Vorteile bietet die Methode bei schwer kranken und bettlägerigen Patienten, bei denen Lungenfunktionsprüfungen oder Röntgenaufnahmen nicht ausgeführt werden können.

Im ambulanten Bereich stellt die Vibration Response Imaging-Technologie vor allem in der Kinderheilkunde eine einfache und effektive Untersuchungsmöglichkeit dar. Mögliche Lungenerkrankungen wie Lungenentzündungen lassen sich schnell, nicht belastend und effektiv darstellen, so dass ein frühzeitiger Therapiebeginn möglich ist. Ein weiteres, bei Kindern häufiger auftretendes Problem, ist das versehentliche "Einatmen" von Fremdkörpern in die Bronchien. Eine eindeutige Diagnose erbrachte bisher häufig nur eine Lungenspiegelung in Vollnarkose, da zum Beispiel aus Plastik bestehende, kleinere Spielzeuge oder Schulmaterialien mittels Röntgenverfahren nicht oder nur indirekt darstellbar sind. Auch hier bietet das Vibration Response Imaging ein einfaches und effektives Verfahren, schnell und sicher eine Diagnose zu stellen.

Prof. Wagner lernte das Verfahren, das auf die Idee eines israelischen Kinderarztes (Igal Kushnir, MD) zurück geht, bei einem Zusammentreffen mit ihm auf dem Europäischen Pneumologenkongress vor rund 3,5 Jahren kennen. Der bekannte Lungenspezialist setzte sich dafür ein, die Methode an deutschen Kliniken zu erproben, die jeweils auf einen anderen Aspekt der Lungenheilkunde spezialisiert sind. Während sich die Frankfurter Klinik auf die Lungenfunktions-diagnostik bei Patienten mit Lungenkarzinomen konzentriert, wird das Verfahren in der Medizinischen Hochschule Hannover an Patienten nach einer Lungentransplantation erprobt, in Fürth an Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung und in der Thoraxklinik Heidelberg an Patienten mit endoskopisch eingelegten Stents, die zur besseren Belüftung der Bronchien oder der Luftröhre dienen. Weitere Kooperationen existieren mit einer Klinik in den USA und neuerdings auch Frankreich und Japan.

Soeben erschienen: Wissenschaftsmagazin
Forschung Frankfurt 3/2007
Kostenlos anfordern:
steier@pvw.uni-frankfurt.de
Nähere Information:
Dr. Torsten Born, Medizinische Klinik I, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt, Telefon 069/6301-6336, -6340, E-Mail: Torsten.Born@kgu.de.

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.muk.uni-frankfurt.de/Publikationen/FFFM/2007/index.html

Weitere Berichte zu: Intensivmedizin Lunge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE