Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Waschen, schützen, pflegen

11.01.2008
Hautärzte des Universitätsklinikums Jena entwickeln Bewertungsstandards für beruflichen Hautschutz

Es trifft Friseure, Bäcker und Köche ebenso wie Beschäftigte im Gesundheitswesen oder der Metallverarbeitung: Wer beruflich häufig mit Chemikalien und Wasser in Berührung kommt, dem drohen Hauterkrankungen.

"Besonders gefährdet sind die Hände", weiß Dr. Sibylle Schliemann vom Universitätsklinikum Jena. Die Leiterin der Allergie-Abteilung der Jenaer Hautklinik hat täglich mit Patienten zu tun, die infolge ihrer Berufsausübung an Handekzemen leiden.

Wer seine Gesundheit im Beruf nicht riskieren will, muss sich folglich schützen. Auf dem Markt gibt es dafür speziell für den Beruf geeignete Hautschutzprodukte. Doch welche Produkte den besten Schutz versprechen, lässt sich nicht einfach beurteilen. "Bislang gibt es für diese Kosmetika keine einheitlichen Prüfkriterien, nach denen wir eine solche Aussage treffen könnten", bedauert Dr. Schliemann. Das bedeute für die Betroffenen häufig eine lange Phase des Ausprobierens, bis ein geeignetes Produkt gefunden ist. Das soll sich nun ändern. Gemeinsam mit Kollegen der Unis in Osnabrück, Erlangen-Nürnberg und Heidelberg haben die Jenaer Dermatologen federführend ein Forschungsprojekt gestartet. In Zusammenarbeit mit den gewerblichen Berufsgenossenschaften wollen sie einen Bewertungsstandard entwickeln, der die Wirksamkeit von Hautschutzprodukten nach objektiven Kriterien misst. Das Projekt wird in den kommenden zweieinhalb Jahren durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV e. V.) gefördert.

Dabei entwickeln die Projektpartner ein Testsystem, mit dem sich die Schutzwirkung bestimmter Pflegesubstanzen reproduzierbar messen lässt. "Dazu wird nach einem definierten Protokoll auf einem Hautareal am Unterarm oder Rücken das Schutzprodukt aufgetragen und die Haut anschließend mit verschiedenen Substanzen aus dem beruflichen Umfeld konfrontiert", erläutert Dr. Schliemann. Anhand der auftretenden Hautreaktionen wie Rötung, Trockenheit und Erholungszeit wird das Irritationspotenzial ermittelt. Auf diese Weise, so die Dermatologin, lassen sich prinzipiell alle Hautschutzprodukte und verschiedene berufliche Irritantien testen und so für die jeweilige berufliche Situation das am besten geeignete Hautschutzmittel finden.

Langfristig gehe es darum, ein solches Testverfahren nicht nur an Hautkliniken zu etablieren sondern vor allem auch den Herstellern von Hautpflegeprodukten zur Verfügung zu stellen. "Wichtig sind vergleichbare Angaben auf der Tube oder der Dose, die es dem Patienten wie dem Hautarzt erleichtern, sich über die Einsatzgebiete zu informieren", so Schliemann.

Ein ähnliches Ziel verfolgen die Dermatologen der Jenaer Universitäts-Hautklinik mit einem zweiten, parallel angelaufenen Projekt. "Nicht nur Pflegeprodukte sondern auch Reinigungsmittel werden bisher nicht einheitlich getestet", macht Prof. Dr. Peter Elsner, Direktor der Hautklinik, deutlich. Ob Autolackierer oder Maler, Krankenschwestern oder Angestellte, die im Supermarkt an der Fleischtheke arbeiten, sie alle müssen sich bei ihrer Berufsausübung häufig die Hände reinigen. Doch wie lassen sich Schmutz und Schadstoffe von der Haut entfernen, ohne ihr zu schaden? Die Palette von verfügbaren beruflichen Hautreinigungsmitteln ist groß. "Dabei ist nicht automatisch gut, was effektiv und schnell reinigt", so Prof. Elsner. Vielmehr müsse die Reinigung möglichst mild und hautschonend sein, andernfalls drohen Hautaustrocknung und Irritation.

Im Verbund mit Kollegen der Kliniken in Osnabrück und Heidelberg entwickeln die Jenaer Dermatologen nun ein Prüfverfahren, das erstmals eine standardisierte Nutzen-Risiko-Analyse der auf dem Markt befindlichen Hautreinigungsmittel ermöglicht. "Dabei wird die Reinigungseffektivität dem Irritationspotenzial gegenübergestellt", erläutert Prof. Elsner. Auf diese Weise lassen sich die Reinigungsmittel hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Unbedenklichkeit kategorisieren und vergleichen. Das Projekt, das ebenfalls von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e. V. gefördert wird, läuft zweieinhalb Jahre.

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Elsner, Dr. Sibylle Schliemann
Hautklinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erfurter Straße 35, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 937350, 937301
E-Mail: Peter.Elsner[at]med.uni-jena.de,
Sibylle.Schliemann[at]med.uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Hautklinik Unfallversicherung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Antibiotikaresistenz – schneller und zuverlässiger Nachweis
14.05.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics