Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sport in der Schmerztherapie

26.09.2000


... mehr zu:
»Orthopädie »Schmerztherapie
Sport und regelmäßige Bewegung führen zu einem positiven Körpergefühl und einer ausgeprägten Körperwahrnehmung. Dies ist die Basis für Schmerzanalyse und Schmerzbewältigung. In der Orthopädie veranlassen
Sport und Bewegung die Patienten dazu, den Schmerz selbst und die damit verbundenen körperlichen Funktionen zu hinterfragen und zu analysieren. Bewegung fördert die Wahrnehmungsfähigkeit und eine aktive Haltung dem Schmerz gegenüber. Körperliche Aktivität stellt somit eine Form der Annäherung an den eigenen Körper und das Schmerzgeschehen dar. Zu dieser Erkenntnis gelangt Dr. Jens Kleinert in seiner, an Institut und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie und der Klinik für Orthopädie der Universität zu Köln durchgeführten Untersuchung.

Patienten lernen Schmerzen zu analysieren und zu bewältigen

Eine Bewegungstherapie zur Annäherung an Schmerz und Krankheit sollte nach Ansicht des Kölner Mediziners grundsätzlich in Zusammenarbeit mit Medizinern, Sportwissenschaftlern und Sportpsychologen konzipiert und durchgeführt werden. In der Sporttherapie sollten funktionelle Übungsziele durch wahrnehmungsorientierte Zielsetzungen ergänzt werden.

Patienten mit einem stark körperbezogenen Selbstbild versuchen Schmerz häufig durch Bewegung und Sport zu bewältigen. Der Sport hilft ihnen einerseits bei der Analyse des Schmerzes und andererseits dient er als Therapie gegen oder auch Ablenkung vom Schmerz. Sportler mit ausgeprägtem Körperbewusstsein schätzen die positive Wirkung des Sports auf ihre Schmerzen wesentlich höher ein als weniger sportliche Patienten. Sie sehen den Sport als Möglichkeit, ihren Schmerz näher zu ergründen und positiv auf ihn einzuwirken. Die meisten Patienten teilen jedoch die Auffassung, dass Sport ebenso zum Schmerzauslöser bzw. Schmerzverstärker werden kann. In Bezug auf körperliche Aktivität gilt es, das Risiko und das therapeutische Potential gegeneinander abzuwägen.

Sport allein ist allerdings kein Garant für die Schmerzbewältigung, wichtig ist die Entwicklung einer körperbewussten Einstellung. Sport und Bewegung werden als Möglichkeit zum Aufbau einer besseren Körperwahrnehmung und eines sportorientierten Selbstbildes gesehen. Für die Schmerztherapie erweisen sich daher die Programme als besonders wirksam, in denen Entspannungs- und Bewegungsübungen integriert sind. Dazu gehören Übungen, die zum Beispiel die Förderung von Beweglichkeit und Kraft mit dem Kennen lernen von Körpersignalen und dem Einschätzen der eigenen Belastbarkeit verbinden.

In Bezug auf die Schmerzintensität lassen sich unterschiedliche Bewältigungsmethoden nachweisen. Patienten mit niedriger Schmerzstärke beschäftigen sich mit dem Schmerz in der Regel weniger und verwenden weniger häufig Verhaltensweisen der Spannungs- bzw. Schmerzkontrolle als Patienten mit mittlerer und hoher Schmerzstärke. Bei starken Schmerzen besitzt der Bewertungs- und Interpretationsprozess in der Schmerzbewältigung eine besonders hohe Bedeutung. Fällt die Einschätzung der eigenen Möglichkeiten zur Schmerzbewältigung allerdings gering aus, so wird eher externer Hilfe, in Form von medizinischer und medikamentöser Behandlung vertraut.

Auch verschiedene demographische Faktoren wirken sich auf den Umgang mit Schmerzen aus. So hat ein Vergleich zwischen Arbeitern und Angestellten ergeben, dass Angestellte wesentlich häufiger Entspannungstechniken anwenden, wie helfende Körperhaltungen einzunehmen oder die Muskeln gezielt zu entspannen. Patienten mittleren Alters wenden aufgrund erlernten Verhaltens verstärkt Entspannungstechniken und mentale Übungen an, um den Schmerz zu bewältigen. Wird die vorangegangene Therapieerfahrung berücksichtigt, so lässt sich sagen, dass in vielen Fällen bei steigender Therapieerfahrung die gedankliche Annäherung an den Schmerz und die Fähigkeit zur Schmerzbewältigung ausgeprägter sind. Eine Therapie kann sich demnach in vielen Fällen ausgesprochen positiv auswirken und den Patienten hin zu einer selbst gesteuerten Schmerzbewältigung führen. Umfangreiche therapeutische Erfahrung kann allerdings, wenn sie nicht optimal verläuft, ebenso negative Folgen haben. Sie führt dann zu einem passiven, auf die Hilfe von Ärzten und Medikamenten gestützten Bewältigungsverhalten.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias


Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Jens Kleinert unter der Telefonnummer 0221/4982572, der Fax-Nummer 0221/4982817 und der Email-Adresse Kleinert@hrz.dshs-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web
http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html.

Gabriele Rutzen |

Weitere Berichte zu: Orthopädie Schmerztherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neues Verfahren zur Inprozesskontrolle in der Warmumformung

18.08.2017 | Verfahrenstechnologie

Auf dem Weg zu künstlichem Gewebe- und Organersatz aus dem 3D-Drucker

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten