Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Prüfstand: Bakteriengift gegen chronischen Spannungskopfschmerz

28.09.2000


... mehr zu:
»Bakteriengift »DMKG
Regensburg) Ob das Bakteriengift Botulinum-Toxin chronische Spannungskopfschmerzen lindern kann, überprüfen Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) im Rahmen klinischer Studien,
die jetzt in Essen, Kiel und München angelaufen sind.

Der Schmerz drückt dumpf im ganzen Schädel oder legt sich wie eine stählernes Band um die Stirn: In Deutschland leiden zwei bis drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung, also zwischen 1,3 bis zwei Millionen Menschen, unter chronischem Spannungskopfschmerz - die Betroffenen haben ihre Beschwerden täglich oder fast täglich.

"Diese Kopfschmerzform", erklärt Professor Andreas Straube, Neurologe am Münchener Universitätsklinikum Großhadern, "ist auch heute noch ein therapeutisches Problem". Der Grund: Wodurch diese Kopfschmerzform verursacht wird, ist noch nicht endgültig geklärt. Experten vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen. Muskelverspannungen im Kopf- und Gesichtsbereich spielen eine Rolle sowie eine erniedrigte Schmerzschwelle im Zentralnervensystem. Diese führt dazu, dass selbst leichte Reize bereits als schmerzhaft empfunden werden. Auch Erbfaktoren scheinen beteiligt zu sein.

"Ein chronischer Spannungskopfschmerz darf jedoch nicht mit Schmerzmitteln behandelt werden", warnt Dr. Volker Pfaffenrath, Vizepräsident der DMKG. "Denn wenn Kopfschmerzpatienten an mehr als zehn Tagen pro Monat Schmerzmittel einnehmen, droht die Gefahr eines sogenannten Medikamenten-induzierten Kopfschmerzes", betont Professor Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel. Darum empfiehlt die DMKG nicht-medikamentöse Maßnahmen, etwa die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Stressbewältigungstraining oder Biofeed-back sowie eine vorbeugende Behandlung mit bestimmten Antidepressiva, die die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass eine Injektion des Bakteriengiftes Botulinum-Toxin A in die betroffene Muskulatur die Beschwerden für cirka drei Monate lindern kann. In geringen Dosierungen setzen Ärzte schon seit Jahren den Wirkstoff ein, um bestimmte Erkrankungen wie etwa einen Schiefhals zu bekämpfen. Die Substanz führt zu einer Hemmung übermäßiger Muskelanspannung und hat einen direkten Effekt auf schmerzleitende Nervenfasern.

Auf die Idee, diesen Wirkstoff bei Spannungskopfschmerzen einzusetzen, kamen die Experten aufgrund von Zufallsbeobachtungen. So registrierten beispielsweise Schönheitschirurgen, die das Mittel gegen tiefe Mimikfalten einsetzten, dass bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen die Beschwerden binnen weniger Tage bis Wochen besser wurden.
Dieser Effekt steht nun in Deutschland sowie international auf dem Prüfstand der klinischen Forschung: "Zur Zeit läuft eine große wissenschaftliche Studie in Essen, Kiel und München, bei der die Wirkung des Bakteriengiftes mit einer Scheinbehandlung verglichen wird", erklärt Professor Hans-Christoph Diener von der Universität Essen. Eine weitere bundesweite Studie startet Ende des Jahres. Geprüft wird die Wirkung einer einmaligen Injektion in die Stirnmuskulatur. "Bei diesen Erprobungen geht es unter anderem darum, Injektionsorte und Dosierungen zu etablieren", erklärt Andreas Straube, der Leiter einer weiteren Studie, die Ende diesen Jahres starten wird. Denn ein etabliertes Therapieverfahren ist diese Behandlung noch nicht.

Wenn Patienten an einer Teilnahme interessiert sind, erhalten sie weitere Informationen bei:
Prof. Dr. H.C. Diener
Universitätsklinikum Essen, Neurologische Klinik und Poliklinik
(An dieser Klinik ist die Patientenrekrutierung jedoch bereits abgeschlossen)
Hufelandstraße 55, 45122 Essen
Tel.: 0201-723-2460/61, Fax: 0201-723-5901

Prof. Dr. Hartmut Göbel
Schmerzklinik Kiel
Heikendorfer Weg 9 - 27, 24149 Kiel
Tel.: 0431- 2009-90; Fax: 0431-20099-99

Dr. Volker Pfaffenrath
Arzt für Neurologie
Leopoldstr. 59, 80802 München
Tel.: 089-389977-0, Fax: 089-389977-22

Prof. Dr. Andreas Straube (Leiter der Studie, die Ende des Jahres startet)
Neurologische Klinik, Klinikum Großhadern
Marchioninistraße 15, 81377 München
Tel.: 089-7095-3901, Fax: 089-7095-3677

Diese Meldung ist mit Quellenangabe "Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft" frei.

Pressestelle:
Barbara Ritzert, ProScientia GmbH, Andechser Weg 17,
82343 Pöcking, Tel.: (08157) 93 97-0, Fax: (08157) 93 97-97
E-Mail: proscientia@t-online.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Bakteriengift DMKG

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften