Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die 7 Wahlprüfsteine der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin

21.05.2002


..."Es muss endlich gehandelt werden"...
DGS bittet gesundheits- und drogenpolitische Sprecher der Parteien um Stellungnahme
Presseerklärung vom 20.5.2002


Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. (DGS) stellt allen drogen- und gesundheitspolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen sieben Fragen zu, um zu prüfen, welcher konkreten Schritte sie nach der Bundestagswahl planen.
In der Suchtforschung und -behandlung gibt es längst keinen Dissens mehr darüber, dass Sucht als chronische Krankheit zu verstehen ist und Ärzte darauf mit intensiven Therapiebemühungen reagieren können und müssen. Oberstes Prinzip muss es sein, körperliche Komplikationen und soziale Verelendung zu verhindern ("harm reduction"). Jede Verminderung des Konsums (die auch medikamentös unterstützt werden kann) ist eine Verbesserung. Dies führt auch zu einer Minderung der sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten. "Während die Fachwelt sich um eine Verbesserung der Situation beim Individuum und in der Gesellschaft bemüht, sind große Teile der Politik von einer modernen Sichtweise weit entfernt", erklärte der Vorsitzende der DGS, Dr. Jörg Gölz in Berlin.
Die suchtmedizinische Gesellschaft hat ihre Fragen jeweils mit einer Kurzdarstellung der Notwendigkeiten versehen und wird die Antworten der Parteien als "Wahlprüfsteine" veröffentlichen.

  1. Was werden Sie und Ihre Partei tun für die Gleichbehandlung von Suchtkranken in der Medizin, im behördlichen Alltag, auf dem Arbeitsmarkt und in anderen gesellschaftlichen Bereichen?
    Noch mehr als viele psychisch Kranke werden Suchtpatienten nach wie vor im Versorgungssystem, in der Rechtsprechung und im Alltag benachteiligt. Sind teilweise Patienten 3. Klasse - obwohl Sucht als Krankheit anerkannt ist. Suchtkranke müssen alle Hilfen bekommen die notwendig sind, um ihnen eine normale und gesunde Lebensführung zu ermöglichen. Auch von der sozialen Integration ehemals suchtkranker Menschen sind wir in Deutschland weit entfernt.
  2. Wie wollen Sie und Ihre Partei sich für die Etablierung der anerkannten Maßnahmen zur Schadenbegrenzung (harm reduction) einsetzen?
    Maßnahmen zur Risikominimierung, zur Verringerung der frühzeitigen Sterblichkeit und von Infektionserkrankungen und Sekundärschäden im Sinne von Harm Reduction müssen als Standards im Umgang mit Sucht etabliert werden. Dies ist in erster Linie einer humanen Medizin geschuldet, dient aber zugleich auch der Reduzierung volkswirtschaftlicher Folgekosten. Noch immer aber stehen dem Regelungen sowohl auf Bundes- als auch auf Länderebene entgegen.
  3. Welche Maßnahmen werden Sie und Ihre Partei ergreifen, damit die Prävention von Suchtkrankheiten verbessert und auch finanziell gesichert werden kann?
    Prävention von schädlichen Folgen des Konsums psychotroper Substanzen hat kaum eine materielle Grundlage in Deutschland. Dies wird zwar von allen möglichen politischen Kräften gefordert, aber ihre Finanzierung bleibt ungesichert. Die ökonomische Grundlage von Risikoprävention in großem Umfang muss sicher gestellt werden. Insbesondere jene, die Risiken mitverantworten, müssen auch zur Finanzierung von Vorbeugung herangezogen werden.
  4. Werden Sie und Ihre Partei sich für eine Novellierung des Betäubungsmittelrechtes einsetzen?
    Das Betäubungsmittelrecht muss alle wissenschaftlich effektiv bewiesenen therapeutischen Maßnahmen im Bereich der Substitution unterstützen und ermöglichen. Regelungen, die Therapiefreiheit beschränken, müssen abgeschafft werden.
  5. Werden Sie und Ihre Partei sich für Schadenbegrenzung auch im Strafvollzug einsetzen?
    Harm reduction ist auch im Strafvollzug dringend notwendig. Für Strafgefangene muss es möglich sein, Spritzen zu tauschen oder Ersatzstoffe zu erhalten. Nur die Nutzung dieser und aller anderen Möglichkeiten der modernen Suchttherapie erleichtert eine zügige Reintegration. Entgegen dieser Notwendigkeit werden immer wieder Versuche unternommen, zum Beispiel den Spritzentausch in Gefängnissen zur Vermeidung von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten zu stoppen (Beispiel: Hamburg).
  6. Welche Anstrengungen werden Sie und Ihre Partei unternehmen, dass die Kostenübernahme für suchttherapeutische Leistungen eindeutig geregelt und gesichert ist?
    Therapien, deren Effektivität nachgewiesen ist, müssen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Es kann nicht angehen, dass die Behandlung von Suchtkranken im Dickicht der Zuständigkeiten behindert wird. Die psychosoziale Betreuung etwa gehört als Regelleistung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Finanzierung muss sich nach dem medizinisch Notwendigen und nicht nach ideologischen oder politischen Überlegungen richten.
  7. Welchen Beitrag wollen Sie und Ihre Partei zur Förderung der Suchtforschung und von suchtmedizinischer Qualifikation leisten?
    Nur rund fünf Prozent der weltweiten Suchtforschung findet außerhalb der USA statt. Deutschland gehört zu den Schlusslichtern. Ein verschwindend kleiner Prozentsatz von Mitteln steht für die Erprobung neuer Therapieverfahren zur Verfügung. Nach wie vor gibt es keine Institutionalisierung von entsprechenden Ausbildungs- und Forschungsgängen. Suchtforschung muss sowohl im Bereich der Grundlagenforschung als auch der Versorgungs- und Therapieforschung auch universitär intensiviert werden.



Ansprechpartner:
Dr. Jörg Gölz
Vorsitzender der DGS
Kaiserdamm 24, 14057 Berlin
Tel.: 030/ 883 21 27, Fax: 883 85 75
E-Mail: goelz@snafu.de

Pressekontakt:
MWM-Vermittlung
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96 86, Fax: 803 96 87
E-mail: wmw@mwm-vermittlung.de
http://www.mwm-vermittlung.de

Dipl.Pol. Justin Westhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgsuchtmedizin.de
http://www.mwm-vermittlung.de

Weitere Berichte zu: Betäubungsmittelrecht Suchtforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften