Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Therapieverfahren zur gewebeschonenden Behandlung des Prostatakarzinoms

18.12.2007
Radiologen des Frankfurter Universitätsklinikums belegen erstmals in klinischer Studie Sicherheit und Effektivität eines neuen Verfahrens zur lokalen Kontrolle des Prostatakarzinoms: Die MR-gestützte Galvanotherapie ist eine sichere Methode zur gezielten Tumorbehandlung

Erstmals konnten Radiologen belegen, dass die mittels Magnetresonanztomografie (MR) gesteuerte Galvanotherapie zur elektrisch-physikalischen Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms sicher durchführbar ist und effektiv zur lokalen Kontrolle des Prostatakarzinoms beiträgt. Gleichzeitig führt diese Behandlung zu einer Reduktion des prostataspezifischen Antigens (PSA).

Dieses Antigen ist ein spezifischer Tumormarker mit Bedeutung für die Verlaufskontrolle eines Tumors. Die Ergebnisse dieser prospektiven Phase-III-Studie zu einem neuen Therapieansatz in der Tumorbehandlung des Prostatakarzinoms wurde von Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (IDIR) am Frankfurter Universitätsklinikum, in der Dezember-Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift Radiology veröffentlicht.* "In unserer Studie konnten wir belegen, dass dieser neue Therapieansatz eine sichere Methode zur gezielten Bekämpfung des Prostatakarzinoms darstellt. Wir können mit diesem Verfahren das betroffene Organ in seiner Funktion erhalten und gesundes Gewebe im Vergleich zu herkömmlichen Methoden gezielter vor einer Schädigung bewahren", erklärt Vogl. "Diese Therapie ist eine vielversprechende Option in der Behandlung von Prostatakrebs", so Vogl weiter.

Das Verfahren hat das Frankfurter Team um Prof. Vogl gemeinschaftlich mit Dr. med. Heinz P. Mayer vom Regensburger Kompetenzzentrum für nicht operative, minimal invasive Tumortherapie entwickelt. An der Studie war neben den Teams aus Frankfurt und Regensburg auch die Abteilung für Radiologie der Medical University of South Carolina (USA) beteiligt.

Reduktion der Tumorgröße um durchschnittlich 41 Prozent

Prof. Vogl und sein Ärzteteam haben für diese Evaluation insgesamt 44 Patienten mit histologisch nachgewiesenem Prostatakarzinom mit der Galvano-Therapie im Zeitraum von Februar 2005 bis August 2006 behandelt. Das durchschnittliche Alter der behandelten Patienten betrug 63.1 Jahre. Sie alle vertrugen die MR-gesteuerte Galvanotherapie ohne schwerere Nebenwirkungen oder Komplikationen. Es kam bei sechs Patienten zu Problemen beim Harnlassen, jedoch waren diese ohne weitere ärztliche Intervention reversibel. Fünf Patienten berichteten über ein vorübergehendes Taubheitsgefühl eines Beins. Die Tumorgröße konnte im Schnitt von 1.90 cm³ auf 1.12 cm³ reduziert werden, was einer Größenreduktion um durchschnittlich 41 Prozent entspricht. Die Kontrolluntersuchung zwölf Monate nach der Behandlung zeigte folgende Resultate: Ein Patient wies einen vollständigen Tumorrückgang auf, ein partieller Tumorrückgang war bei 18 Patienten festzustellen. Bei 23 Patienten war der Krankheitszustand stabil. Zwei Patienten wiesen ein progressives Größenwachstum auf. Metastasen waren bei keinem Patienten nachweisbar.

Die Behandlung erfolgte im Kontext dieser Studie drei Mal in Intervallen von einer Woche, während dieser Behandlungsphase wurde dem Tumor Gleichstrom in einer Gesamtmenge von maximal 350 Coulombs zugeführt. Die Messung des prostataspezifischen Antigens (PSA) und des Tumorvolumens erfolgte drei, sechs und zwölf Monate nach der Behandlung. Das neue Verfahren eignet sich laut Studie besonders für Tumore mit einem Durchmesser von maximal 8 cm, da bis zu dieser Größe die Datenlage bei soliden Tumoren viel versprechend ist. Ferner sei für den Mediziner Vorsicht geboten, wenn sich das Tumorgewebe in der Nähe von Hauptschlagadern und Nerven befindet.

Risikoarme Tumorbehandlung: MR-gesteuert, lokalanästhetisch und minimal-invasiv

Die Galvanotherapie ist eine physikalisch-elektrische Methode. Mittels positiv und negativ geladener Elektroden wird Gleichstrom in den Tumor eingebracht. Dem Patienten werden hierfür unter örtlicher Betäubung zwei Platin-Elektroden durch die Gesäßmuskulatur (transgluteal) über eine Punktionsnadel in den rechten und linken Prostataanteil eingebracht, ohne dabei Darm und Blase zu verletzen. Dies ermöglicht vor allem die Steuerung des Vorgangs mittels Magnetresonanztomografie. Die Elektroden haben direkten Kontakt zum Tumor des Patienten.

Das Verfahren zielt auf die elektrophysikalischen Eigenschaften der Zellen des Tumorgewebes. In den Tumorzellen sind im Gegensatz zu gesunden Zellen die Ionenkonzentrationen sehr viel höher, was einen geringeren Widerstand und dadurch eine Autofokussierung des Stromes auf das erkrankte Gewebe zur Folge hat. Durch diesen Mechanismus ist es möglich, dass gesundes Gewebe geschont wird und das Organ als Ganzes erhalten werden kann. Die eingebrachten positiv und negativ geladenen Elektroden verursachen im Gewebe massive Ionenwanderungen. Durch diese Veränderungen werden die Tumore in ihrem Wachstum gehemmt, es kommt im Bereich der Elektroden zur Bildung von Nekrosen mit einem Durchmesser von bis zu 3 cm oder zum lokalen Verschluss von Arterien und Venen, was zu einer schlechteren Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen führt. Die Kosten für die Anwendung dieser Therapie schätzt Prof. Vogl niedriger ein als bei Vergleichstherapien. Vogl rechnet damit, dass das Verfahren nach seiner Zulassung auch von den Gesetzlichen Krankenkassen getragen wird.

* Thomas J. Vogl, Heinz P. Mayer, Stefan Zangos, J. Bayne Selby Jr., Hanns Ackermann, Florian B. Mayer, Prostate Cancer: MR-Imaging-guided Galvanotherapy - Technical Development and First Clinical Results, in: Radiology: Vol. 245: Number 3-December 2007

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Thomas Vogl
Direktor des Institutes für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Klinikum der J. W. Goethe Universität Frankfurt / M.
Fon (069) 63 01 - 72 77
Fax (069) 63 01 - 72 59
E-Mail t.vogl@em.uni-frankfurt.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau