Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum zu viel Salz den Blutdruck erhöht

17.12.2007
Wissenschaftler des Heidelberger Instituts für Pharmakologie entdecken zwei Signalwege als grundlegenden Mechanismus / Publikation in "Nature Medicine"

Viel Salz im Essen kann zu hohem Blutdruck führen. Einen Mechanismus der krankmachenden Wirkung haben Wissenschaftler des Instituts für Pharmakologie der Universität Heidelberg jetzt im Tiermodell entdeckt: Salz fördert die Bildung bestimmter Botenstoffe in der Muskulatur von Blutgefäßen, die die Muskelzellen zur Kontraktion bringen. Durch den erhöhten Widerstand in den Blutgefäßen erhöht sich der Blutdruck.

Die Heidelberger Wissenschaftler unter Leitung von Professor Dr. Stefan Offermanns, Direktor des Heidelberger Instituts für Pharmakologie, sehen hier einen neuen Ansatzpunkt für die Behandlung des Bluthochdrucks (Hypertonie), die Vorteile gegenüber den herkömmlichen Arzneimitteln hätte: Sie schützt vor zu hohem Blutdruck, birgt aber nicht das Risiko einer überschießenden Blutdrucksenkung, wie bei herkömmlichen Medikamenten.

Jeder vierte hat hohen Blutdruck / Zu viel Salz in Fertigprodukten

... mehr zu:
»Blutdruck »Hypertonie

Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung leidet an zu hohem Blutdruck, einem der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Eine wesentliche Ursache der Hypertonie, die erhöhte Salzzufuhr, hat in den letzten Jahrzehnten weiter zugenommen. In den Industrieländern nimmt jeder Erwachsene zwischen 5 und 10 g Kochsalz pro Tag zu sich, wobei 80 Prozent dieser Salzmengen den Nahrungsmitteln schon während der industriellen Verarbeitung zugesetzt werden.

"Wie der Körper akut auf die Einnahme großer Salzmengen reagiert, ist bekannt", erklärt Professor Offermanns. Um möglichst viel Salz und Wasser über die Nieren auszuscheiden, wird der Blutdruck erhöht. Auf welchem Mechanismus die Erhöhung des Gefäßwiderstands beruht, war bislang jedoch nicht klar. Die Heidelberger Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass verschiedene gefäßkontrahierende Mediatoren, also Botenstoffe, dafür verantwortlich sind: Sie beeinflussen über so genannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren die Gefäßmuskulatur.

Kein hoher Blutdruck bei genetisch veränderten "Knockout-Mäusen" trotz erhöhter Salzzufuhr

Im Modellversuch an der Maus konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die gefäßverengenden Mediatoren über Rezeptoren auf den Gefäßmuskelzellen zwei parallele Signalwege aktivieren. Einer der beiden Signalwege wird durch die G Proteine Gq/G11 vermittelt und führt zu einer höheren Calcium Konzentration in der Gefäßmuskelzelle; der andere Signalweg wird durch die G Proteine G12 und G13 vermittelt und führt zur Aktivierung des Proteins Rho.

In genetischen Mausmodellen ("Knockout-Mäusen") wurde je einer der beiden Signalwege in der Gefäßmuskulatur gezielt ausgeschaltet. Bei Blockade des Gq/G11-Signalwegs nahm der Basisblutdruck der Tiere deutlich ab, und die Tiere entwickelten nach vermehrter Salzgabe keine Hypertonie. Wurde hingegen der zweite, durch G12/G13 vermittelte Signalweg blockiert, so blieb zwar der normale Blutdruck unverändert, aber auch diese Tiere entwickelten keinen nennenswerten Bluthochdruck bei salzreicher Ernährung.

"Diese Befunde zeigen, dass der Gq/G11-vermittelte Signalweg sowohl für die Aufrechterhaltung des normalen Blutdrucks als auch für die Entwicklung einer salzabhängigen Hypertonie erforderlich ist", erklärt Professor Offermanns. Dagegen spiele der G12/G13-vermittelte Signalweg interessanterweise keine Rolle bei der Aufrechterhaltung des normalen Blutdrucks, sei aber unabdingbar für die Entwicklung einer salzinduzierten Hypertonie. Die Entschlüsselung dieses differenzierten Mechanismus soll nun als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Medikamente genutzt werden.

Literatur:

Wirth, A., Benyó, Z., Lukasova, M., Leutgeb, B., Wettschureck, N., Gorbey, S., ?rsy, P., Horváth, B., Maser-Gluth, C., Greiner, E., Lemmer, B., Schütz, G., Gutkind, S., Offermanns, S. G12/G13-LARG-mediated signalling in vascular smooth muscle is required for salt-induced hypertension. Nat. Med. (advance online publication)

Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Offermanns
Institut für Pharmakologie
Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 366
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 54 8246/7
E-mail: Stefan.Offermanns@urz.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.pharmakologie.uni-hd.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=15presse

Weitere Berichte zu: Blutdruck Hypertonie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften