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Induratio penis plastica - unbekannte Erkrankung führt zur Penisverkrümmung

13.12.2000


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»Induratio »Penis »Penisverkrümmung
Kongressbericht zum Symposium "Penisverkrümmung"
der Urologischen Universitätsklinik Tübingen
Ursachen weiterhin unklar, Therapie wenig zufriedenstellend
Symposium am Universitätsklinikum Tübingen versuchte
Licht ins Dunkel zu bringen

Ein Symposium zum Thema Penisverkrümmung fand an der Urologischen Universitätsklinik Tübingen (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. Karl-Horst Bichler) am ersten Dezemberwochenende statt. Experten diskutierten zwei Tage lang über Ursachen, Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung, die Mediziner und Wissenschaftler gleichermaßen noch immer vor ein Rätsel stellt. Das Symposium eröffnete durch einen interdisziplinären Ansatz neue Perspektiven bei der Lösung der medizinischen Probleme. Referenten verschiedener biomedizinischer Disziplinen, angefangen bei Biochemikern, Pathologen, Klinikern bis hin zu niedergelassenen Urologen, trugen ihre neusten Erkenntnisse vor.

Die Penisverkrümmung, in der medizinischen Fachsprache Induratio Penis Plastica (IPP) oder auch nach ihrem Erstbeschreiber Peyronie-Krankheit, genannt, ist seit über 250 Jahren bekannt. Obwohl sie eine der am häufigsten beschriebenen urologischen Erkrankungen ist, weiß man über sie nur sehr wenig. Etwa 1% der Männer im Alter von 45-60 Jahren erkranken an ihr. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um weiße Männer, Afroamerikaner erkranken nur selten, Orientalen oder Asiaten nie.

Bei der Penisverkrümmung treten eine oder mehrere Verhärtungen, die sogenannten Plaques, ausgelöst durch Bindegewebswucherungen, im Bereich der Schwellkörper auf. Diese Plaques sind für eine Verkrümmung des Penis verantwortlich, die vor allem bei der Erektion erhebliche Schmerzen verursachen kann. Die Folgen sind ein gestörtes Sexualleben bis hin zur Impotenz. Die Ursachen dieser Erkrankung sind bis heute nicht klar. Im Laufe der Jahrhunderte wurde immer wieder behauptet, eine Penisverkrümmung stehe im Zusammenhang mit einem exzessiven Sexualleben. Als mögliche Ursachen vermuten die Experten heutzutage jedoch Entzündungen, feinste Verletzungen, hormonelle Veränderungen oder eine Stoffwechselstörung bestimmter Proteine.


Eine Penisverkrümmung tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf
Die Penisverkrümmung tritt oft in Verbindung mit anderen Krankheiten auf. Bei ungefähr 30% der betroffenen Männer kommt es zusätzlich zu einer bindegewebigen Narbenbildung um die Fingersehnenscheiden der Handinnenflächen, dem Morbus Dupuytren. Ob umgekehrt auch beim Morbus Dupuytren vermehrt eine Penisverkrümmung auftritt, ist leider nicht bekannt. Weitere, oft in Kombination mit der Penisverkrümmung auftretende Erkrankungen sind Zuckerkrankheit und Lebererkrankungen.

Unberechenbarer Verlauf der Erkrankung
Die Penisverkrümmung kann mit und ohne Behandlungen fortschreiten, zum Stillstand kommen oder sich zurückbilden. Gerade dieser unberechenbare Verlauf ist für die Beurteilung der richtigen Behandlungsform äußerst problematisch. Eine Operation wird nur als letzte Behandlungsmöglichkeit in Erwägung gezogen, wenn Medikamente oder die Zeit keine Besserung bewirkt haben. Insbesondere wenn die Erkrankung länger als 6 Monate dauert, die Krümmung die Funktion des Penis einschränkt und die Plaques sich verhärten, sollte operiert werden. Die Teilnehmer der Veranstaltung waren sich in der Diskussion einig, dass, egal welche Behandlungsform durchgeführt wird, nur die Symptome behandelt werden können und eine Heilung gegenwärtig nicht möglich ist.

Kann die Molekularbiologie das Problem lösen ?
Einen vielversprechenden Ansatzpunkt zur Verbesserung der Behandlungserfolge wird in der modernen Molekularbiologie und Humangenetik gesehen. Denn erst wenn die eigentlichen molekularen Ursachen für die Erkrankung bekannt seien, können wirksame Behandlungsstrategien, zumindest für die Frühphase der Erkrankung gefunden werden, so der einhellige Tenor der Teilnehmer. Vermutlich entsteht die Penisverkrümmung durch eine Bindegewebsvermehrung, die über eine Vernarbung des Gewebes im Penis zu Verknöcherungen führen kann. Diese haben im Durchschnitt je nach Erkrankungsstadium eine Größe zwischen 0,6 bis 6 cm.
Warum dies geschieht, ist erst in Ansätzen geklärt. Bestimmte Wachstumsfaktoren und Hemmstoffe könnten krankhaft in den komplexen Ablauf der Bindegewebsvermehrung eingreifen und so verantwortlich sein für die Anhäufung von Proteinteilen. Die Tübinger Arbeitsgruppe (Bichler/Lahme) stellte heraus, dass es sich bei der Entstehung der Penisverkrümmung um einen Prozess mit sehr vielen Einflussfaktoren handelt, von denen erst einige wenige erforscht worden sind.
Medikamente können aber erst dann entwickelt werden, wenn diese biochemischen Vorgänge detaillierter bekannt seien. Dafür sei eine intensivere Erforschung dieser Prozesse unabdingbare Voraussetzung. Bis zur Marktreife eines Medikamentes wird es aber noch viele Jahre dauern.

Unterschiedliche Behandlungsmethoden kontrovers diskutiert
Die Medizin ist im Moment noch nicht in der Lage, die Ursache der Penisverkrümmung zu therapieren. Daher kann es nur das Ziel des behandelnden Urologen sein, die auftretenden Symptome zu lindern. Dies beginnt mit einer medikamentösen Behandlung. Hilft diese nicht, kann eine extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) oder eine Strahlentherapie eingesetzt werden. Als letzter Ausweg bleibt eine chirurgische Operation.

Alle auf dem Symposium vorgestellten Behandlungsformen hatten mit demselben Problem zu kämpfen: Es gibt nur wenige Untersuchungen, die die Wirksamkeit der jeweiligen Therapie wissenschaftlich untermauern können. Zwar wurden weltweit zahlreiche Studien zu den verschiedenen Behandlungsformen durchgeführt, jedoch erfüllen diese oft nicht die notwendigen wissenschaftlichen Kriterien, um eine allgemeingültige Aussage treffen zu können. So sprach Prof. Weidner, Universität Giessen, von einer geradezu "erbärmlichen Studienlage". Die meisten medikamentösen Behandlungen der Penisverkrümmung blieben ohne Erfolg. Dies konnte auch Prof. Drawz von der Universität Rostock bestätigen. Einschränkend konstatierte er aber, dass man dem Patienten in seiner Not irgend etwas geben müsse.

Als weitere Behandlungsform wurde die Strahlentherapie vorgestellt. Nach Einschätzung der Strahlentherapeuten ist diese Therapie zur Linderung der Schmerzen durchaus geeignet. Obwohl auch hier nur Erfahrungen aus einigen Krankenhäusern vorliegen und wissenschaftlich gesicherte Untersuchungen fehlen, kann eine Bestrahlung zur beschleunigten Linderung der Schmerzen im Einzelfall empfohlen werden. Ein Vorteil des Verfahrens liegt in den geringen Nebenwirkungen. Auch zur ESWT liegen nur wenige wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse vor. Dieses Verfahren wird normalerweise zur Zertrümmerung von Steinen in der Galle eingesetzt. Bei der Behandlung der Penisverkrümmung in Kliniken hat es sich bewährt, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen die Schmerzen bei der Erkrankung zu verringern, doch auch dieses Verfahren kann nur die Symptome lindern.

Eine Operation, so die Tübinger Arbeitsgruppe um Bichler und Lahme, stellt die letzte Möglichkeit der Behandlung dar. Sie wird nur eingesetzt, wenn der Patient starke Schmerzen oder eine extreme Verkrümmung hat. Ein chirurgischer Eingriff sollte allerdings nur dann erfolgen, wenn alle vorher genannten Behandlungsformen nicht zum Erfolg führen konnten bzw. die Erkrankung nicht von allein zurückgegangen ist. Besonders wichtig sei dabei, so Prof. Strohmaier, Coburg, eine ausführliche Aufklärung des Patienten. Eine Operation könne zahlreiche unerwünschte Komplikationen mit sich bringen. Neben Impotenz kann eine Penisverkürzung oder eine Sensibilitätsverminderung eintreten. Auch könne eine Operation nicht den Normalzustand herbeiführen, so Strohmaier weiter. Kontrovers wurde diskutiert, ob bei einer Operation die Verkrümmung auslösende Verhärtung am Penis nur eingeschnitten, ganz oder teilweise entfernt werden sollte. Das fehlende Gewebe kann sowohl durch körpereigene (z. B. Haut, Venen) oder, wie Oberarzt Dr. Sven Lahme, Tübingen, vorstellte, durch ein Kollagenvlies ersetzt werden. Der Einsatz von Kollagenvlies erlaubt, so Dr. Lahme, eine Verkürzung der Operationszeit und stellt eine neue Variante in der Versorgung der Patienten mit Induratio penis plastica dar, die aufgrund der guten Ergebnisse empfohlen werden kann. Obwohl die einzelnen Operations-Verfahren lebhaft diskutiert wurden, wurde deutlich, dass es bei der Penisverkrümmung die beste Operations-Methode nicht gibt. Welche der zahlreichen Operationsmethoden letztendlich eingesetzt werden, ist abhängig von den persönlichen Erfahrungen des jeweiligen Operateurs.

Alle Teilnehmer des Symposiums waren sich darin einig, dass es noch lange dauern wird, ehe sich die Penisverkrümmung ursächlich heilen lassen wird. Besonders wichtig sei, so Prof. Bichler, Universitätsklinikum Tübingen, in seinem Schlusswort, die Grundlagenforschung in diesem Gebiet voranzutreiben, um die molekularbiologischen Ursachen der Behandlung zu ergründen. Erst dann sei die Entwicklung einer medikamentösen Behandlung möglich, die nicht nur die Symptome bekämpft.

Ansprechpartner für nähere Informationen:
Universitätsklinikum Tübingen
Urologische Klinik
Dr. med. Sven Lahme
Oberarzt der Klinik für Urologie
Hoppe-Seyler-Straße 3
D-72086 Tübingen
Tel. 0 70 71-29-8 66 13
Fax 0 70 71-29-50 92
E-Mail: sven.lahme@med.uni-tuebingen.de

- Entsprechendes Bildmaterial kann direkt bei Dr. Sven Lahme angefordert werden -

Dr. Ellen Katz | idw

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