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WHO setzt auf traditionelle Heilmethoden

17.05.2002


Globale Strategie für alternative Medizin gestartet

Die Weltgesundheitsorganisation WHO wird sich in Zukunft vermehrt mit traditionellen Heilmethoden beschäftigen. Das erklärte die UNO Organisation in einer Aussendung. Einer der Gründe liege darin, dass in einem Großteil der Länder der Welt in erster Linie auf traditionelle Methoden zurückgegriffen wird. Mit der Schaffung von einheitlichen Rahmenbedingungen wird die WHO auf diese Thematik reagieren, um die Methoden zu verbessern, zu sichern und einen einheitlichen Standard zu gewährleisten.

"80 Prozent der Bevölkerung Afrikas werden nach traditionellen Heilmethoden behandelt", so Ebrahim Samba, WHO-Regional-Direktor für Afrika. Daher sei es dringend notwendig, die Sicherheit, Effizienz, Qualität und Standardisierung der traditionellen Methoden zu gewährleisten. Das diene der Bewahrung des kulturellen Erbes und der Sicherung des traditionellen Wissens, so Samba. "Dieses Wissen muss institutionalisiert werden und in die lokalen Gesundheitssysteme einfließen", meint der WHO-Spezialist. Auch in den Ländern der industrialisierten Staaten wird der Trend zu komplementären Methoden zu greifen immer größer. 77 Prozent der Franzosen haben zumindest einmal komplementär-medizinische Behandlungen erhalten. In Deutschland wenden 77 Prozent der Schmerzkliniken Akupunktur an und in Großbritannien geben die Menschen 2,3 Mrd. Dollar jährlich für alternative Heilmethoden aus.

Die größten Probleme ergeben sich aus der falschen Anwendung von traditionellen Therapien: die chinesische Pflanze Ma Huang wird in China zur Beseitigung von Atemproblemen verschrieben, in den USA wurde die Pflanze als Diät-Hilfe verkauft. In der Langzeitanwendung führte dies zum Tod von mehr als einem Dutzend Menschen. Solche Beispiele sind zahlreich. "Traditionelle oder Komplementär-Medizin ist ein Opfer von unkritischen Enthusiasten und uninformierten Skeptikern", so Yashuhiro Suzuki, WHO-Executive Director for Health Technology and Pharmazeuticals. "Mit der neuen Strategie sollen die wirklichen Potenziale für die Gesundheit genauer erforscht und die Risiken von ungeprüften oder falsch angewendeten Heilmitteln eingeschränkt werden", so Suzuki.

In China, Nord- und Südkorea und Vietnam ist die traditionelle Medizin in der westlichen Schulmedizin integriert. In anderen Ländern der Dritten Welt, in denen der Zugang zur Schulmedizin nicht möglich ist, überwiegen noch weiterhin traditionelle Heilmethoden das tägliche Bild. Hier gelte es die Fähigkeiten und Möglichkeiten des traditionellen Wissens wissenschaftlich zu evaluieren, so die WHO.

Der Weltmarkt für komplementär-medizinische Methoden wird von der WHO auf 60 Mrd. Dollar pro Jahr geschätzt. Ein Viertel der heute verwendeten modernen Medikamente basiert auf Pflanzen, die zunächst traditionell verwendet wurden. Nach Angaben der WHO gebe es noch eine Vielzahl von traditionellen Heilmitteln, die ein weites Wirkungsspektrum aufweisen. Eine davon ist die chinesische Pflanze Artemisia annua, die in Asien seit fast 2.000 Jahren verwendet wird. Der Wirkstoff soll nach neuesten Forschungserkenntnissen eines der effektivsten Anti-Malaria Präparate sein. Dies könnte 800.000 Menschenleben pro Jahr das Leben retten.

Wolfgang Weitlaner | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.who.org/

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