Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei krankhafter Fettleibigkeit kann eine Magenverkleinerung lebensrettend sein

14.12.2007
Bei krankhafter Fettleibigkeit kann eine Magenverkleinerung lebensrettend sein Forscherteam unter der Beteiligung der Universität Witten/Herdecke bewertet in der aktuellen "Lancet"-Ausgabe die Wirksamkeit von Adipositas-Chirurgie
Chirurgische Eingriffe bei krankhafter Fettleibigkeit führen nicht nur zu einer starken Gewichtsreduzierung, sie können auch die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich erhöhen. Zu diesem Schluss kommen Dr. Michael Korenkov von der Universität Mainz und Dr. Stefan Sauerland von der Universität Witten/Herdecke nach der Auswertung neuester Studien zur so genannten Adipositas-Chirurgie. Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist ein Zusammenhang zwischen Operationen, etwa einer Magenverkleinerung, und einer geringeren Sterblichkeit nun erstmals eindeutig belegbar.

Detaillierte Ergebnisse veröffentlichen Korenkov und Sauerland in der aktuellen Ausgabe der international renommierten Fachzeitschrift "The Lancet", die morgen erscheint.

Krankhafte Fettleibigkeit kann nicht nur als ein ästhetisches Problem angesehen werden. Sie führt in vielen Fällen auch zu schweren Folgekrankheiten. Aus Übergewicht und Fettsucht resultieren beispielsweise Diabetes, Herzinfarkte, Krebs, Atemwegserkrankungen und Arthrose. Die neuesten Studien zeigen, dass Adipositas-Operationen die Sterblichkeitsrate um 30 bis 40 Prozent verringern können. Zwei Arten von Operationen lassen sich unterscheiden: Entweder wird mit einem Magenband der Magen so abgeschnürt, dass die Nahrungsaufnahme erschwert ist. Oder es wird im Magen-Darm-Trakt eine "Kurzschluss"-Verbindung ("Bypass") erzeugt, mit der Folge, dass die Nahrung zwar verspeist aber nicht voll vom Körper verwertet werden kann.

Wahrscheinlich wirkt die Adipositas-Chirurgie nicht allein über die Reduktion der aufgenommenen Kalorien. Allem Anschein nach kommt es durch die Operation auch zu einer dauerhaften Hormonfreisetzung aus dem Magen-Darm-Trakt mit einem günstigen Effekt auf den gesamten Stoffwechsel.

"Wir halten Adipositas-Chirurgie nur dann für sinnvoll, wenn die Fettleibigkeit krankhafte Ausmaße hat", betonen indes die Mediziner und Lancet-Autoren Michael Korenkov und Stefan Sauerland. Da die Eingriffe mit gewissen Risiken verbunden sind, empfehlen sie, Kliniken mit ausreichender Erfahrung und fachübergreifender Betreuung auszuwählen. Die Sterblichkeit in Zentren mit großem Patientenaufkommen sei geringer als bei Kliniken mit nur wenigen Operationen im Jahr.

Üblicherweise wird der Körpermasse-Index (Body-Mass-Index, BMI) verwendet, um Übergewicht von Fettsucht abzugrenzen. Der BMI errechnet sich durch Körpergewicht geteilt durch Körpergröße und nochmal geteilt durch Körpergröße (Körpergewicht in kg / Körpergröße² in m²). Erst bei einem BMI über 35 wird üblicherweise die Indikation für eine operative Magenverkleinerung gestellt. Meist übernehmen die Krankenkassen nach Einzelfallprüfung die Kosten der Operation. Allein in den USA hat sich die Zahl solcher Operationen in den vergangenen fünf Jahren verfünffacht.

Um zu erfassen, wie sehr sich auch die Lebensqualität der Betroffenen nach einer Operation verbessert, führt die Universität Witten/Herdecke (UWH) derzeit eine europaweite Patientenbefragung durch. Die Studie wird in einem Netzwerk chirurgischer Forscher (CHIR-Net) realisiert, in dem die Universitäten Witten/Herdecke und Köln gemeinsam aktiv sind. Erste Ergebnisse belegen jetzt, dass eine Operation sich nicht nur für den Patienten, sondern auch aus Sicht der Krankenkassen lohnt: "Es gibt nun endlich gute Daten, dass die Adipositas-Chirurgie bei krankhafter Fettleibigkeit insgesamt effektiver ist als eine nichtoperative Therapie", so Dr. Stefan Sauerland vom Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM) der Universität Witten/Herdecke.

Korenkov M, Sauerland S: Clinical update: Bariatric surgery. Lancet 2007; Vol. 370 (Heft 9604)

Kontakt:
PD Dr. Stefan Sauerland, Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM), 0221/98957-19, stefan.sauerland@ifom-uni-wh.de

Dr. Stefan Sauerland | Uni Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Berichte zu: Adipositas-Chirurgie BMI Fettleibigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie