Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Botulismus nach dem Verzehr von Räucherfisch

10.08.2000


... mehr zu:
»Botulismus »Clostridien
Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
und des Robert Koch-Instituts

Botulismus nach dem Verzehr von Räucherfisch

Immer wieder kommt es in Europa zu Infektionen durch Lebensmittel, die mit Keimen von Clostridium botulinum belastet sind. In Nordrhein-Westfalen erkrankten kürzlich drei Personen nach dem Verzehr vakuumverpackter, geräucherter Forellen an Botulismus. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin empfiehlt Herstellern und Verbrauchern, vakuumverpackten Räucherfisch strikt bei Temperaturen von unter 7 Grad Celsius, möglichst sogar unter 3 Grad Celsius aufzubewahren, da die Vermehrung von Clostridien nur so verhindert werden kann. Starke Temperaturerhöhungen bei Transport und Verkauf sind zu vermeiden.

Als Botulismus wird die Erkrankung bezeichnet, die durch das Neurotoxin (ein das Nervengewebe schädigender Stoff) des Bakteriums Clostridium botulinum hervorgerufen wird. Bei einer lebensmittelbedingten Botulismus-Infektion treten 12 bis 36 Stunden nach Aufnahme des Toxins Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung sowie neurologische Symptome auf. Dabei kann es abhängig von der aufgenommenen Toxinmenge zu Mundtrockenheit, Sehstörungen (Doppelbilder, Verschwommensehen, Lichtscheu), Schluckstörungen und einer akut einsetzenden Augenmuskel- sowie schnell fortschreitenden, symmetrisch absteigenden schlaffen Lähmung kommen. Die Patienten sind bei vollem Bewusstsein. Möglichst frühzeitig sollte Botulismus-Antitoxin verabreicht und eine unterstützende intensivmedizinische Behandlung begonnen werden. Eine Übertragung von Clostridium botulinum von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.Clostridien sind im Boden und in küstennahen Gewässern weit verbreitet. Zu Erkrankungsfällen kam es in der Vergangenheit nach dem Verzehr von Gemüsekonserven, Fleisch-, Fisch- und Obsterzeugnissen. Als besonders kritisch gelten hausgemachte Konserven, da die Temperaturen, die beim Einkochen erreicht werden, meist nicht ausreichen, um die Sporen abzutöten. Für 1999 wurden dem Robert Koch-Institut bislang 19 Erkrankungen gemeldet, zwei davon mit tödlichem Ausgang; meldepflichtig sind nach § 3 Bundes-Seuchengesetz Verdachtsfälle auf Botulismus, Erkrankungen und Todesfälle.

Wegen des verbreiteten Vorkommens von Clostridium botulinum kann die natürliche Belastung von Fisch und anderen Lebensmitteln nicht vollständig vermieden werden. Bei Verarbeitung und Lagerung muss deshalb so sorgfältig und hygienisch gearbeitet werden, dass eine Vermehrung der Keime und die Bildung von Toxin verhindert wird. Fisch sollte unmittelbar nach dem Fang ausgenommen und sofort, vor jeder weiteren Verarbeitung, gewaschen werden. So wird die Sporenbelastung vermindert und die Effektivität aller weiteren Konservierungsverfahren erhöht.

Das Botulismusrisiko von frischem Fisch und anderen rohen, unbehandelten Lebensmitteln ist äußerst gering. Bei Anwendung von Konservierungsverfahren wie Salzen, Räuchern oder Marinieren können sich Clostridien aber unter Umständen dann vermehren, wenn die Verfahren ’mild’ angewandt und nur niedrige Salz- und Rauch- bzw. hohe Feuchtigkeitsgehalte erreicht werden. Werden die Produkte zusätzlich vakuumverpackt, kann sich das Risiko weiter erhöhen. Besonders sorgfältig sollte hinsichtlich dieser Konservierungsverfahren auch bei der Eigenherstellung von Räucherwaren vorgegangen werden. Den zuverlässigsten Schutz vor Clostridien bietet bei allen geräucherten Erzeugnissen eine durchgängige Kühlung.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Susanne Glasmacher |

Weitere Berichte zu: Botulismus Clostridien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften