Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bedrohliche Aussackung an der Hauptschlagader – Radiologie kann helfen

28.05.2014

Bei drei bis vier Prozent aller Menschen im Rentenalter findet sich an der Hauptschlagader im Bauchraum eine krankhafte Aussackung, ein Aneurysma. Reißt ein solches Aneurysma ein, dann endet das fast immer tödlich. Es muss deswegen rechtzeitig beseitigt werden. Mittlerweile stehen als Alternative zum offenen, bauchchirurgischen Eingriff auch radiologische Verfahren zur Verfügung. Mit ihnen lässt sich die von Aneurysmen ausgehende Gefahr auch ohne Vollnarkose bannen.

Die Hauptschlagader im Bauch (Bauchaorta oder Aorta abdominalis) ist eine der größten Arterien des menschlichen Körpers. Sie hat normalerweise einen Durchmesser von etwa zwei Zentimetern und verfügt über eine dicke, muskulöse Wand, die problemlos einen Blutdruck von über 200 mmHg aushält. In einigen Fällen kommt es allerdings im Alter zu Veränderungen in der Blutgefäßwand. Die Bauchaorta „leiert aus“: Es entsteht eine sackförmige Erweiterung, ein Aneurysma.

Ab fünf Zentimetern wird es kritisch

Im Unterschied zur normalen Bauchaorta besteht bei einem Aneurysma die Gefahr, dass es einreißt – mit fatalen Folgen. Es kommt es zu schweren Blutungen, an denen viele Patienten versterben. „Die Faustregel lautet: Je größer das Aneurysma, umso höher ist die Gefahr, dass es einreißt“, betont Professor Dr. Johannes Lammer von der Medizinischen Universität Wien.

Um Betroffene vor der lebensgefährlichen Ruptur eines Aneurysmas zu schützen, sollten große Aussackungen beseitigt werden. „Eine Behandlung sollte erfolgen, wenn der Durchmesser des Aneurysmas bei Männern mehr als 5,5 Zentimeter und bei Frauen mehr als fünf Zentimeter beträgt“, so Lammer.

Bei einem Aneurysma dieser Größenordnung beträgt die Gefahr, dass es einreißt, etwa 5% pro Jahr. Bei größeren Aneurysmen ist sie noch höher. Lange Zeit war eine offene Operation die einzige Möglichkeit, ein Aneurysma zu entfernen. Doch dieser bauchchirurgische Eingriff in Vollnarkose setzt die Patienten wochenlang außer Gefecht.

„Gerade für ältere Menschen mit Begleiterkrankungen ist die offene Operation eines Aneurysmas zudem sehr komplikationsträchtig“, betont Lammer.

Stent-Therapie: Schonend, und dennoch hoch effektiv

Mittlerweile steht mit der endovaskulären Stent-Therapie auch eine radiologische Therapieoption zur Verfügung. Bei diesem Verfahren wird ein Katheter über die Leiste in die Bauchaorta vorgeschoben. Dort, wo sich das Aneurysma befindet, wird ein rohrförmiges Implantat eingesetzt, ein so genannter Stent-Graft. Dadurch wird die Gefäßaussackung vom Blutfluss abgeschnitten und die Gefahr eines Einrisses der ausgestülpten Gefäßwand ist gebannt. Die Vorteile dieser Therapie liegen auf der Hand: Es sind keine Vollnarkose und keine Eröffnung der Bauchdecke nötig.

Lammer betont, dass zur radiologischen Therapie von Patienten mit Bauchaortenaneurysma mittlerweile drei randomisierte, kontrollierte Studien vorliegen: „Sie zeigen, dass weniger Patienten versterben und weniger Patienten Komplikationen erleiden. Damit können wir heute auch jenen Patienten eine effektive Behandlung anbieten, bei denen ein offener chirurgischer Eingriff nicht in Frage kommt oder die einen solchen Eingriff ablehnen.“

Screening kann gefährdete Patienten identifizieren

Trotz der Vorteile der radiologischen Therapie muss die Entscheidung über die Therapiestrategie bei Patienten mit Bauchaortenaneurysma individuell getroffen werden. So gibt es derzeit noch mehr Langzeiterfahrungen mit der offenen Operation, weil dieses Verfahren schon wesentlich länger praktiziert wird. Auch müssen Patienten, die radiologisch behandelt werden, einmal pro Jahr mit Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie untersucht werden.

„Unabhängig von der Behandlungsmethode müssen wir Patienten mit Bauchaortenaneurysma rechtzeitig erkennen, um lebensgefährliche Verläufe zu vermeiden“, betont Lammer. In einigen Ländern existieren deswegen Screening-Programme, die bei Menschen mit besonders hohem Risiko gezielt nach der Gefäßanomalie suchen.

Florian Schneider | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.drg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ auf der COMPAMED 2017

18.10.2017 | Messenachrichten