Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien mit Bakterien bekämpfen: Probiotika mildern Beschwerden bei Reizdarmsyndrom

13.09.2011
Etwa jeder fünfte Deutsche leidet an einem Reizdarmsyndrom (RDS): Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum verbunden mit Durchfällen oder Verstopfung.

Experten gehen davon aus, dass eine gestörte Darmflora das RDS begünstigt. Sie erhoffen sich von ihren Erkenntnissen neue therapeutische Ansätze.

Insbesondere die Behandlung mit Probiotika, also Mikroorganismen wie etwa Milchsäurebakterien, werden nach aktuellen Studien zunehmend empfohlen, so die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Auf der Fachtagung „Viszeralmedizin 2011“ vom 14. bis 17. September 2011 in Leipzig diskutieren Mediziner den aktuellen Wissensstand.

Das Reizdarmsyndrom ist eine chronische Funktionsstörung des Verdauungstraktes. Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall schränken die Lebensqualität von Menschen mit RDS erheblich ein. „Wir vermuten, dass die Zusammensetzung der Bakterien im Darm ein entscheidender Faktor für die Entstehung des Reizdarmsyndroms ist“, erläutert Professor Dr. med. Stephan C. Bischoff, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin in Stuttgart. Der Darm beherbergt zehnmal mehr Mikroben, als der gesamte menschliche Körper Zellen hat – insgesamt sind es 1,5 Kilogramm.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese vielfältige Darmflora bei RDS-Patienten anders zusammengesetzt ist als bei Gesunden: Einzelne Bakterienarten kommen seltener, andere Arten häufiger vor. „Diese Unterschiede sind vermutlich ein Schlüssel zu einer geeigneten Therapie“, vermutet auch Professor Dr. med. Peter Malfertheiner, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), aus Magdeburg.

Bereits seit zehn Jahren behandeln Ärzte RDS-Patienten mit Probiotika – dies sind mit lebensfähigen Mikroorganismen angereicherte Nahrungs- und Arzneimittel. Probiotika bestehen aus verschiedenen Bakterienstämmen wie Bifidobakterien, Lactobazillus-Stämmen oder Streptococcus faecalis. Sie sollen ausgleichend auf die Darmflora wirken. Doch bisher fehlten Studien, die deren Wirksamkeit belegen. „In den vergangenen fünf Jahren hat die Forschung jedoch weitestgehend gezeigt, dass die Behandlung mit Probiotika Therapieerfolge mit sich bringt“, sagt Professor Bischoff, der auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Ernährungsmedizin der DGVS ist. Welche Bakterien die Darmflora bei einem Reizdarmsyndrom am günstigsten beeinflussen, ist jedoch weiterhin ungeklärt.

In einer S3-Leitlinie haben die DGVS und die Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) Informationen zur Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms zusammengetragen. Ärzte können sich darin über den aktuellen Wissensstand informieren und ihren Patienten eine zielgerichtete Behandlung gewährleisten. Im Rahmen der Fachtagung „Viszeralmedizin 2011“ diskutieren Ärzte und Wissenschaftler den Einsatz von Probiotika als Alternative zu herkömmlichen Medikamenten und den weiteren Forschungsbedarf auf diesem Gebiet.

Information: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der DGVS und der DGNM.

Terminhinweis:
Pressekonferenz anlässlich der Viszeralmedizin 2011
Termin: Donnerstag 15. September 2011, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Vortragsraum 10
Programm:
++Aktuelle Studie: Leberzellkrebs kombiniert behandeln mittels Bildgebung, Bestrahlung und neuesten Medikamenten

Professor Dr. med. Jens Ricke, Magdeburg

++„Gute und böse Untermieter“ im Darm: Wie die Darmflora unsere Gesundheit beeinflusst

Professor Dr. med. Stefan Schreiber, Kiel

++Adipositaschirurgie – wirksamer therapeutischer Ansatz bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus?

Professor Dr. med. Rudolf Weiner, Frankfurt/Main

++Magen- und Darmkrebs: Neue medikamentöse Therapien und endoskopische Techniken
PD Dr. med. Markus Möhler, Mainz
Und:
Professor Dr. med. Helmut Messmann, Augsburg
++Schlüssellochchirurgie im Bauchraum: Minimalisierung der Zugangswege für interventionelle Eingriffe im Abdomen

Professor Dr. med. Georg Kähler, Mannheim

Termine Kongress-Sitzungen:

Sitzung: Viszerale Hypersensitivität – immer noch der Clou beim Reizdarmsyndrom?
Termin: Donnerstag, 15. September 2011, 11.45 bis 12.00 Uhr
Ort: Saal Werner Creutzfeldt
Sitzung: Postinfektiöses Reizdarmsyndrom bei Kindern nach Salmonelleninfektion? Bevölkerungsrepräsentative Daten aus der KiGGS-Studie
Termin: Donnerstag, 15. September 2011, 15.18 bis 15.36 Uhr
Ort: Mehrzweckfläche 4
Sitzung: Ernährungstherapie in speziellen Szenarien (u.a. bei Reizdarmsyndrom)
Termin: Donnerstag, 15. September 2011, 17.00 bis 18.15 Uhr
Ort: Mehrzweckfläche 1
17.45 bis 18.00: CED (S. C. Bischoff, Stuttgart)
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Viszeralmedizin 2011
Anna Voormann
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
schoner@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgvs.de
http://www.viszeralmedizin.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten