Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Babys erkennen Gefahren im Voraus

25.09.2009
Krabbeln ist Startschuß für bestimmte Ausprägungen der Sehrinde

Sobald Babys mit dem Krabbeln beginnen, lernen sie, auf sie zukommende Gefahren zu erkennen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Trondheim in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Naturwissenschaften. Sie beobachteten, wie Gehirn und Augen von 18 Babys im Alter von fünf, acht und elf Monaten auf herannahende Objekte reagieren.

Dabei zeigte sich, dass das Gehirn erst gegen Ende des ersten Lebensjahres die notwendigen Voraussetzungen entwickelt, um Gefahren differenziert wahrzunehmen. "Die Entwicklung der motorischen Nervenzellen geschieht gleichzeitig mit jener für die visuelle Wahrnehmung", berichtet Studienleiter Ruud van der Weel im pressetext-Interview.

Gegenstände, die direkt auf uns zukommen, erzeugen auf der Retina des Auges ein sich ständig vergrößerndes Bild. Dabei werden nicht bloß Informationen weitergeleitet, sondern auch Stimuli aktiviert, die diese als drohende Gefahr erkennen lassen. Bei Erwachsenen rufen die Stimuli Wellen der Neuronenaktivität in der Sehrinde hervor. Um den Effekt bei Babys zu untersuchen, setzten die Forscher die Babys vor einen großen Bildschirm, der einen sich stets vergrößernden, mehrfarbigen Punkt zeigte, der mit verschiedenen Geschwindigkeiten direkt auf die Babys zukam. Gleichzeitig beobachtete ein Gerät zur Elektroenzephalographie (EEG) mit hoher Sensorendichte die Aktivität des Gehirns, wie auch die Blickrichtung beider Augen aufgezeichnet wurde.

Eine Aktivität in der Sehrinde konnten die Forscher bei allen untersuchten Altersstufen feststellen, wie auch äußere Reaktionen deutlich waren. "Schon kleine Babys blinzelten, pressten die Köpfe zurück oder begannen sogar zu weinen, wobei in diesen Fällen der Versuch natürlich unterbrochen wurde", so van der Weel. Dennoch zeigten sich deutliche Unterschiede nach den Lebensmonaten. "Mit fünf Monaten zeigten die Sehrinden der Babys auf alle Geschwindigkeit des Näherkommens die stärkste Abwehrreaktion, und brauchen dafür länger. Je älter sie sind, desto besser und schneller können sie die Gefahr differenzieren." Schließen könne man auf die Weiterentwicklung neuronaler Netze, die drohende Kollisionen detailliert registrieren lassen. Dieser Vorgang geschieht im Alter von rund acht Monaten, da die Forscher im Gehirn dieser Babys ein Zwischenstadium feststellen konnten.

"Gefahrenerkennung beginnt mit dem Krabbeln", so die Vermutung des norwegischen Forschers. Kinder brauchten diese Fähigkeit somit erst dann, wenn sie ihre Fortbewegung aktiv kontrollieren können. Für die Erziehung bedeute diese Erkenntnis, dass man auf spielerische Weise Babys schon früh mit Bewegungsreizen auseinandersetzen sollte, da dies die Ausbildung neuronale Netzwerke fördere. "Aus Versuchen mit Ratten weiß man, dass die Tiere weitaus schneller bestimmte Gehirnstrukturen entwickeln, wenn sie nach der Geburt in einem Umfeld voller Stimulationen leben, als wenn man sie in einen Käfig einsperrt", berichtet van der Weel.

Link zum Originalartikel:
http://www.springerlink.com/content/82p042342l026p33/?p=123a70d4daeb41a198849e7db5e6eb2c&pi=0

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ntnu.no

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten