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Babys brauchen Eisen

04.11.2010
Der Kinder- und Jugendarzt erkennt einen Eisenmangel schnell: Die Unterseite des Unterlids, die Mundschleimhäute und die Haut unter den Fingernägeln sind normalerweise gut durchblutet. Liegt eine Anämie (Blutarmut) vor, sind diese Bereiche dagegen auffallend blass. Die häufigste Form der Blutarmut im Kindesalter ist durch einen Mangel am lebensnotwendigen Spurenelements Eisen bedingt.

Eisenmangel ist die weltweit am weitesten verbreitete Mangelkrankheit. In armen Ländern leidet praktisch jedes zweite Kind unter vier Jahren an einer Eisenmangelanämie.

Aber auch bei uns haben schätzungsweise drei Prozent aller Kinder vor allem zwischen dem sechsten und 36. Lebensmonat auffällige Blutwerte: Der Gehalt des Blutfarbstoffs (die so genannte Hämoglobin-Konzentration oder Hb-Wert) im Blut liegt bei ihnen deutlich unterhalb des Normbereichs.

Die Stiftung Kindergesundheit beantwortet zehn wichtige Fragen zu einem wichtigen Mineral:

Wozu wird Eisen benötigt?
Eisen ist ein wesentlicher Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und des Muskelfarbstoffs Myoglobin. Die mit Hämoglobin gefüllten roten Blutkörperchen (Erythrozyten) versorgen die Körperzellen mit Sauerstoff, der für die Energiegewinnung benötigt wird. Myoglobin dient als Speicher für den Sauerstoff. Auch viele Enzyme brauchen Eisen.
Was sind die Ursachen einer Anämie?
Die Zahl der genau erforschten Formen der Blutarmut wird auf weit über 200 geschätzt. Am häufigsten kommt es zur Eisenmangelanämie, wenn die Nahrung des Babys zu wenig Eisen enthält. Nur in seltenen Fällen liegt der Grund in ernsthafteren Störungen – zum Beispiel in einer Magen-Darm-Blutung, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn, einer Leukämie oder einer angeborenen Störung.
Blass im Gesicht, weil Eisen fehlt?
Die Gesichtsfarbe allein sagt noch gar nichts über den Gesundheitszustand des Kindes aus. Am bleichen Aussehen ist meistens eine harmlose, verminderte Hautdurchblutung oder eine geringere Durchsichtigkeit der Oberhaut schuld. Tatsächlich blutarme Babys sind meist appetitlos und gedeihen schlecht. Ihre Muskeln sind schlaff, manchmal sind Leber und Milz vergrößert. Häufig bleibt aber auch eine Blutarmut längere Zeit unerkannt und wird erst bei einer Blutuntersuchung entdeckt. Eine endgültige Diagnose der Blutarmut liefert nur die Untersuchung des Blutes (Blutbild). Jungen sind viel häufiger als Mädchen von einer Eisenmangelanämie betroffen.
Welche Kinder sind gefährdet?
Normalgewichtige Babys kommen mit gut gefüllten Eisenspeichern zur Welt. Die Eisenvorräte, die sie von der Mutter mitbekommen, reichen bei reifen Neugeborenen für etwa sechs Monate. Zu früh geborene Kinder, Zwillinge und Drillinge sind dagegen bei ungenügender Eisenversorgung besonders gefährdet. Ihre Eisenvorräte sind schon nach zwei Monaten erschöpft. Dabei brauchen gerade sie viel mehr Eisen als normal geborene Babys, denn sie wachsen im ersten Lebensjahr erheblich schneller.
Welche Folgen sind möglich?
Bei blutarmen Kindern ist die Widerstandskraft gegen Infektionen vermindert. Sie geraten dadurch häufig in einen regelrechten Teufelskreis: Der Eisenmangel führt zu Blutarmut, die Blutarmut begünstigt Infektionen, und Infektionen können den Eisenmangel verstärken.
Wo kommt Eisen reichlich vor?
Die wichtigsten Eisenlieferanten sind tierische Lebensmittel, vor allem mageres Fleisch, Fisch, Wurst oder Eigelb. Aber auch in pflanzlichen Lebensmitteln ist Eisen enthalten, allerdings vorwiegend in der schlechter verwertbaren dreiwertigen Form. Als eisenreich gelten die verschiedenen Getreidesorten, besonders Hirse und Haferflocken, Gemüse, Hülsenfrüchte und Bierhefe.
Brauchen Babys wirklich Fleisch?
Nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sollten Babys schon mit Beginn des fünften Monats, aber spätestens mit dem Beginn des siebten Lebensmonats den ersten Brei gefüttert bekommen. Als erste Beikost eignet sich besonders gut ein Brei aus Gemüse, Kartoffeln und püriertem Fleisch. Fleisch liefert vor allen anderen eisenreichen Lebensmitteln das meiste Eisen. Aus dem Myoglobin der Fleischmuskeln wird nämlich das Eisen besonders gut resorbiert. Außerdem verbessert Fleisch in der Mahlzeit des Kindes die schlechte Ausnutzung von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.
Enthält die Muttermilch nicht genug Eisen?
Zwar ist die Muttermilch relativ arm an Eisen - sie enthält nur 0,2 bis 0,4 mg pro Liter – gleichzeitig ist aber auch der Eisenbedarf eines reifgeborenen Babys im ersten Halbjahr noch relativ niedrig. Danach wird es aber eng, der Bedarf des Kindes muss durch weitere Eisenquellen gedeckt werden. Stillen bleibt nach wie vor empfehlenswert! Nach dem sechsten Monat braucht ein Baby aber mehr als nur Muttermilch. Langes ausschließliches Stillen stellt ein Risiko für die Versorgung mit Eisen dar, wenn das Kind keine eisenreiche Beikost bekommt. Ein erhöhtes Risiko besteht bei ausschließlichem Stillen für mehr als sechs Monaten und bei mehr als fünf Stillmahlzeiten pro Tag mit acht Monaten. Deshalb wird nach dem ersten Halbjahr eine zusätzliche Eisenzufuhr zum Stillen empfohlen.
Und wenn das Baby mit Fläschchen ernährt wird?
Die Säuglingsnahrungen enthalten zwischen zwei und acht Milligramm Eisen pro Liter. Jenseits von sechs Monaten wird der Eisenbedarf des Babys damit nicht mehr aus der Säuglingsnahrung allein gedeckt. Das Eisen muss also mit Beikost zugeführt werden. Professor Koletzko, Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit: „Bei normalgewichtigen Kindern, die mit gefüllten Eisenspeichern zur Welt kommen, sind zusätzliche Eisengaben wenig sinnvoll. Sie könnten bei Babys mit guten Eisenreserven sogar nachteilig sein: In Studien wurde bei Kindern, die zusätzliche Eisengaben bekamen, eine Verzögerung des Längenwachstums festgestellt. Das war jedoch nur bei der Zugabe von Eisenpräparaten der Fall, nicht bei eisenhaltiger Beikost“.
Kann man Babys auch vegetarisch ernähren?
Fleischlose Ernährung wird immer beliebter: In Deutschland geben in Umfragen sieben bis zehn Prozent der Erwachsenen an, sich vegetarisch zu ernähren. Mütter und Väter, die auch ihr Kind aus ökologischen oder weltanschaulichen Gründen grundsätzlich fleischfrei ernähren wollen, sollten folgende Empfehlungen der Stiftung Kindergesundheit beachten: Weil der Organismus des Babys das Eisen aus pflanzlicher Nahrung nur schlecht ausnutzen kann, wird gleichzeitig Vitamin C benötigt. Zum Beispiel in Form von Orangen- oder Apfelsaft, Kartoffeln, Obst- und Gemüsesalaten oder Paprika. Durch die Kombination mit Vitamin C wird die Aufnahme des Eisens aus den pflanzlichen Lebensmitteln erheblich verbessert (siehe nachfolgendes Rezept). Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt außerdem: Kinder sollten im ersten Lebensjahr keine Trinkmilch als Getränk bekommen und auch bei der Zubereitung von Beikost sollten nur kleine Mengen von Kuhmilch verwendet werden.
Vorbeugen ist besser als heilen.
Deshalb setzt sich die Stiftung Kindergesundheit, unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital München, für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

Hildegard Debertin | idw
Weitere Informationen:
http://www.kindergesundheit.de

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