Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auswirkungen geringer Strahlenbelastung auf die Gesundheit

02.04.2009
Welche Auswirkungen einer geringen Strahlenbelastung auf die Gesundheit der Arbeiter des Kernenergiesektors bzw. der restlichen Bevölkerung können während einer ärztlichen Untersuchung (Röntgen, Scannen) festgestellt werden?

Diese Frage hat sich das französische CEA (Zentrum für Atomenergie) gestellt.

Etwa 90 französische und ausländische Forscher (Physiker, Molekularbiologen und Mathematiker), 28 Post-Doktoranden und 53 Doktoranden von 36 Laboratorien aus 11 Ländern haben zwischen 2004 - 2008 im Rahmen des Programms Risc-Rad (Radiosensitivity of Individuals and Susceptibility to Cancer Induced by Ionizing Radiations) auf die Beantwortung dieser Frage hingearbeitet.

Das Projekt verfügte über eine finanzielle Unterstützung von 30 Millionen Euro, davon 10 Millionen Euro von der Europaischen Union (6. EU - Forschungsrahmenprogramm / "EURATOM"). Die festgelegte Obergrenze für Arbeiter des Kernenergiesektors liegt bei 20 mSv pro Jahr. Zum Vergleich: ein Flug von Paris nach New York und zurück belastet den Fluggast mit 0,06 mSv, eine komplette Dentalaufnahme schlägt mit 0,006 mSv zu Buche und ein Scannen des Bauches mit 12 mSv.

Eines der Hauptziele der im Rahmen des Projekts Risc-Rad durchgeführten Untersuchungen bestand darin, neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Auswirkungen geringer Mengen an radioaktiver Strahlungen zu gewinnen, um die einschlägigen Strahlenschutznormen - insbesondere unter dem Gesichtspunkt eventueller krebsauslösender Effekte - genauer zu erfassen.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen sind:

 Das Verhältnis Dosis - Auswirkung bezüglich der biologischen zellularen Prozesse kann verschiedene Formen haben.

 Die Strahlungen können indirekte Auswirkungen haben, die gegenüber den direkten Effekten auf das genetische Erbgut bei der Krebserzeugung eine geringere Rolle spielen können.

 Die genetischen Prädispositionen beeinflussen das Risiko an Krebs zu erkranken.

"Die Auswirkung ist vergleichbar mit der der Sonne", so Laure Sabatier, Leiterin des Labors fur Onkologie und Strahlenbiologie des CEA und Projektkoordinator. "Einige Leute reagieren empfindlicher auf sie als andere."

Eine weitere wichtige Schlussfolgerung: die bei geringer Strahlenbelastung auftretenden Auswirkungen können sich von denen, die bei starker Strahlenbelastung beobachtet wurden, stark unterscheiden.

Risc-Rad merkt des Weiteren an, dass bei jeder Strahlenbelastung sowohl positive als auch negative zellulare Antworten auftreten. Im günstigen Fall wird ein Schutzmechanismus gegen die Krebserzeugung ausgelöst.

Im entgegengesetzten Fall begünstigt die Strahlenbelastung die Tumorentstehung. Das interessanteste und innovativste Ergebnis dieser Untersuchung betrifft jedoch die indirekten Auswirkungen der Strahlung.

Bisher wurde davon ausgegangen, dass die beim Röntgen verursachten DNSSchädigungen in den bestrahlten Zellen die Konsequenz der Bestrahlung wären. Dennoch können auch unbestrahlte Organe aufgrund der Behandlung anderer Körperregionen Schädigungen aufweisen, da die Zellen über Moleküle miteinander kommunizieren, die während der Bestrahlung erzeugt werden. Von deutscher Seite waren an dem Projekt Risc-Rad das Deutsche Forschungszentrum fur Gesundheit und Umwelt ( Helmholtz-Zentrum München) und das Universitatsklinikum Freiburg beteiligt.

Quellen:

- "L'impact sanitaire des faibles doses d'irradiation" - http://www.lefigaro.fr/sante/2009/03/06/01004- 20090306ARTFIG00368-l-impact-sanitaire-des-faibles-doses-d-irradiation-.php - 06.03.2009

- Website CEA : "Le projet Risc-Rad" - http://www-dsv.cea.fr/toute-l-actualite/presse/enjeux-de-laradiobiologie- un-contexte-europeen/le-projet-risc-rad Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

Wissenschaft-Frankreich (Nummer 160 vom 01.04.09)
Französische Botschaften in Deutschland und Österreich
Kostenloses Abonnement durch E-Mail an: sciencetech@botschaft-frankreich.de

| Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/allemand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie