Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auslöser für Diabetes Typ 2 identifiziert

12.02.2013
Wie es zur Insulinresistenz kommt, konnte nun ein Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 am Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), im Rahmen einer Langzeitstudie für die Entstehung von Diabetes Mellitus Typ 2 entschlüsseln.
Die in „Nature Medicine“ veröffentlichten Ergebnisse belegen, dass das Eiweiß RANKL einen wesentlichen Anteil zur Entstehung der Insulinresistenz in der Leber beiträgt. Interessanterweise ist RANKL eigentlich für seine Rolle im Skelettsystem bekannt, wobei es hier im Wesentlichen zum Knochenabbau beiträgt.

Die neuen Erkenntnisse versprechen eine Entwicklung neuer Ansätze zur Vorbeugung und Behandlung der Erkrankung, die sich schnell in die klinische Praxis übertragen lassen.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer Überzuckerung des Blutes kommt. Beim Altersdiabetes (Diabetes Typ 2) besteht im Unterschied zum Insulinmangeldiabetes des Jugendlichen, eine Resistenz des Körpers gegenüber dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin.
Dies wird zwar von der Bauchspeicheldrüse von Patienten mit Altersdiabetes in Übermaßen ausgeschüttet, verliert aber seine blutzuckersenkende Wirkung auf die Organe. Es entsteht die sogenannte Insulinresistenz. Langfristig schädigt der erhöhte Blutzuckergehalt Blutgefäße und Nerven. Folgekrankheiten sind unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche und Netzhautschäden.

Innerhalb der Langzeitstudie wurde die Konzentration des Eiweißes RANKL im Blut von rund 1000 Patienten gemessen. „Bei dieser Untersuchung zeigte sich, dass Personen mit hohem RANKL-Spiegel, unabhängig von Geschlecht und Alter, ein deutlich erhöhtes Risiko aufwiesen, Diabetes Mellitus Typ 2 zu entwickeln“, fasst Prof. Dr. Schett zusammen. Bei der so genannten Bruneck-Studie handelt es sich um eine seit über 20 Jahren durchgeführte Langzeitbeobachtung gesunder Einwohner der Stadt Bruneck in Südtirol, die auf die Erforschung der Ursachen von Herzinfarkt und Schlaganfall, Diabetes, Osteoporose und Erkrankungen des Nervensys­tems abzielt. Initiiert wurde diese Studie von Professor Johann Willeit und Professor Stefan Kiechl von der Medizinischen Universität Innsbruck sowie Professor Siegfried Oberhollenzer vom Krankenhaus Bruneck.

Die Mechanismen und Wege, wie RANKL zum Auftreten von Insulinresistenz und Diabetes führt, konnten durch eine zusätzliche mehrjährige Laborarbeit aufgeklärt werden, an denen Professor Stefan Wirtz von der Medizinischen Klinik 1 (Direktor: Prof. Markus Neurath), Dr. Jürgen Wittmann von der Molekularen Immunologie der Medizinischen Klink 3 (Leiter: Prof. Hans Martin Jäck) der FAU sowie Professor Herbert Tilg von der Medizinischen Universität Innsbruck beteiligt waren. Hierfür wurde die RANKL-Aktivierung in der Leber spezifisch gehemmt und dadurch eine Normalisierung des Blutzuckerspiegels erreicht. „Die Laboruntersuchungen bestätigen, dass das Eiweiß RANKL, welches eigentlich für die Entstehung von Osteoporose verantwortlich ist, auch ein zentraler Schalthebel für die Entstehung von Diabetes ist“, sagt Prof. Schett. Damit zeigt sich, dass unser Skelettsystem einen wesentlichen Einfluss auf den Blutzuckerstoffwechsel ausübt und beide Organe eng miteinander kommunizieren.

Seit kurzem ist bekannt, dass das weitläufig eingesetzte Diabetesmittel Metformin die Aktivität von RANKL beeinflusst. Jetzt gilt es, spezifische Medikamente gegen RANKL zur Behandlung der Zuckerkrankheit zu entwickeln und zu testen. Die Hemmung von RANKL wird heute bereits erfolgreich zur Therapie von Osteoporose eingesetzt, was einen wesentlichen Startvorteil in der Entwicklung einer neuen Behandlung für Diabetes bietet. „Dieser Umstand könnte ermöglichen, dass die Hemmung von RANKL zur Vorbeugung oder Therapie des Diabetes Mellitus Typ 2 schon in wenigen Jahren Realität sein könnte“, zeigen sich die Forscher zuversichtlich.

Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Georg Schett
Tel.: 09131/85-39133 bzw. 39131
georg.schett@uk-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie