Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augenleiden stehen Kinderwunsch nicht im Weg

13.06.2012
Augenleiden sollten für Frauen kein Grund sein, sich einen Kinderwunsch nicht zu erfüllen. Eine Schwangerschaft stelle nur selten ein Risiko für die Augen dar, und in der Regel sei auch eine natürliche Geburt ohne Kaiserschnitt möglich, erklärt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Die Fachgesellschaft widerspricht damit auch unter Medizinern verbreiteten Ansichten.

„Bis in die 1970er Jahre hinein wurde Frauen mit Diabetes mellitus zu einem Abbruch der Schwangerschaft geraten, wenn der Augenarzt eine Retinopathie festgestellt hatte“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt. Ärzte befürchteten, dass während der Schwangerschaft die Schäden an der Netzhaut fortschreiten und die Presswehen bei der Geburt Blutungen in den Augen auslösen.

„Die Risiken sind unter regelmäßiger augenärztlichen Betreuung gering und der Kinderwunsch der Frauen kann in aller Regel respektiert werden“, sagt Professor Ohrloff. Auch ein Kaiserschnitt sei diesen Patientinnen heute nicht mehr vorgeschrieben.

Verbreitet sei auch die Ansicht, dass starke Kurzsichtigkeit gegen eine vaginale Entbindung spricht. „Der bei starker Kurzsichtigkeit verlängerte Augapfel erhöht zwar allgemein das Risiko, dass sich in der Netzhaut Risse bilden“, sagt Dr. Friederike Mackensen, augenärztliche Leiterin des Interdisziplinären Uveitiszentrums in Heidelberg. Die Gefahr bestehe aber nicht nur während der Presswehen sondern auch unabhängig von Schwangerschaft und Geburt. Für Kreißende, die sich Sorgen machen, empfiehlt Dr. Mackensen die spontane oder „physiologische“ Presstechnik.

Erhöhter Augeninnendruck als Risiko für grünen Star, das sogenannte Glaukom, schließt eine Schwangerschaft ebenfalls nicht aus. „Stattdessen sinkt der Augeninnendruck in der Regel in dieser Zeit, und bei Frauen mit hohen Werten finden sich Mittel und Wege, die Augen während der Geburt vor Schäden zu bewahren“, erläutert Dr. Mackensen. Auch eine Uveitis, eine schmerzhafte Entzündung der mittleren Augenhaut, bessert sich häufig während der Schwangerschaft. Dieses Phänomen sei vergleichbar mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Multiple Sklerose.

Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch mit Augenleiden empfiehlt die DOG, sich augenärztlich beraten lassen. Zudem sollten sie den Kinderwunsch nicht hinausschieben, da mit dem Alter auch die Risiken für Augenleiden steigen. „Schwangere brauchen sich bei der augenärztlichen Kontrolle keine Sorgen zu machen, dass die zur Untersuchung eingesetzten Augentropfen ihrem Kind schaden“, beruhigt DOG-Pressesprecher Ohrloff. Die meisten Wirkstoffe gelangten nur in sehr geringer Menge in den Kreislauf. Bei Schwangeren würden zudem Mittel verwendet, die sich als unbedenklich für das Ungeborene erwiesen haben.
Literatur:
F. Mackensen. Augenärztliche Behandlung in der Schwangerschaft
Gesundes Gleichgewicht zwischen Behandlung und Sicherheit. Der Ophthalmologe 2012; 109: 219–220

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften