Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz bietet neues Therapieverfahren bei AMD an

20.06.2011
Erst wenige Kliniken in Deutschland führen die „epimakuläre Brachytherapie“ durch

Die Universitätsmedizin Mainz bietet als eine der ersten Kliniken in Deutschland ein neuartiges Therapieverfahren zur Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) an. Bei der so genannten epimakulären Brachytherapie wird die Makula – die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut – von innen gezielt bestrahlt und so die Wucherung krankhafter Blutgefäße, die für die Erkrankung verantwortlich sind, dauerhaft verhindert. Die Behandlung erfolgt gemeinsam durch die Augenklinik und die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie.

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in den Industrieländern Hauptursache für Erblindung in der Altergruppe der über 65-Jährigen. In dieser Altersgruppe sind 15 bis 18 Prozent der Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Insgesamt leiden allein in Deutschland rund 3,5 Millionen Menschen an AMD – aufgrund der demographischen Entwicklung ist die Tendenz deutlich steigend. Bei der so genannten „feuchten“ AMD wachsen innerhalb der Makula in kurzer Zeit krankhafte Blutgefäße von der Aderhaut in die Mitte der Netzhaut hinein. Diese neu gebildeten Blutgefäße sind minderwertig und führen immer wieder zu Blutungen, wodurch die Makula unwiederbringlich zerstört wird.

Als Standardtherapie bei der Behandlung der feuchten AMD hat sich in den letzten Jahren die Injektion von so genannten VEGF-Hemmern direkt in den Glaskörperraum des Auges etabliert. Dies sind hochwirksame Medikamente zur Abdichtung der krankhaften, leckenden Blutgefäße. „Alle verfügbaren Studien zeigen allerdings, dass beim derzeitigen Behandlungsschema von durchschnittlich 5 bis 6 Injektionen pro Jahr etwa 50 Prozent der Patienten nicht oder nicht ausreichend auf die Behandlung mit VEGF-Hemmern reagieren“, erläutert PD Dr. Bernhard Stoffelns, Oberarzt und Leiter des Funktionsbereichs Retinologie an der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Für diese Patienten und solche, die an speziellen Subtypen der feuchten AMD leiden und deshalb nicht auf die Standard-Injektionstherapie ansprechen, ist die epimakuläre Brachytherapie eine sehr aussichtsreiche Alternative.“

Bei diesem interdisziplinären augenärztlich-strahlentherapeutischen Verfahren wird die geschädigte Makula lokal und von innen, das bedeutet aus dem Glaskörperraum heraus, bestrahlt. Augenärzte und Strahlentherapeuten führen den 30 bis 40 minütigen Eingriff gemeinsam durch. Dabei wird zunächst der Glasköper des Auges entfent. Anschließend führen die Ärzte eine dünne Kanüle in das betäubte Auge ein. Durch diese Kanüle wird die Strahlenquelle – ein umschlossener Strontium-90-Betastrahler – über eine Fernbedienung in den Glaskörperraum des Auges direkt vor die Makula geschoben. Der Operateur kann nun unter Mikroskopsicht die Strahlenquelle unmittelbar über die AMD-Läsion bringen und diese nach einem festen Strahlenplan etwa vier Minuten lang einmalig und gezielt bestrahlen, bis die Zieldosis von 24 Gray erreicht ist. Die Form der Kanüle ermöglicht es, einen definierten Abstand von 2,6 Millimetern zum Zielgebiet einzuhalten. So wirkt die Strahlung exakt auf das erkrankte Areal unter bestmöglicher Schonung des umliegenden Gewebes.

„Der Vorteil der epimakulären Brachytherapie liegt für den AMD-Patienten zum einen in der dauerhaften Stabilisierung oder Verbesserung seines Sehvermögens, wobei gleichzeitig die häufigen, für den Patienten belastenden Injektionen mit VEGF-Hemmern deutlich reduziert oder vermieden werden können, und zum anderen in der Minimierung der systemischen Risiken, die VEGF-Hemmer für das Herz-Kreislauf-System darstellen“, beschreibt PD Dr. Stoffelns. Daraus resultiert letztlich auch ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität für den Patienten.“ Die bisher vorliegenden Ergebnisse klinischer Studien zur Anwendung der epimakulären Brachytherapie sind sehr vielversprechend, es wurden bis dato keinerlei strahlenassoziierte Nebenwirkungen beobachtet.

In Mainz wird der Eingriff im Rahmen eines stationären Aufenthaltes von 3 bis 5 Tagen durchgeführt. Die Kostenübernahme für die epimakuläre Brachytherapie muss bei der Krankenkasse beantragt werden.

Weitere Informationen
http://www.unimedizin-mainz.de/augenklinik/patienten/retinologie.html
http://www.strahlenstift.de
Kontakt
PD Dr. med. Bernhard Stoffelns, Oberarzt und Leiter des Funktionsbereichs Retinologie
Augenklinik und Poliklinik, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
E-Mail: bernhard.stoffelns@unimedizin-mainz.de
Homepage: www.unimedizin-mainz.de/augenklinik/patienten/retinologie.html
Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,

Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung – die Apotheke und die Transfusionszentrale – gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet.

Caroline Bahnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.unimedizin-mainz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten