Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augenklinik des UKSH bringt mit Netzhaut-Chip Licht ins Dunkel

17.12.2014

Mikrochip ersetzt natürliche Fotorezeptoren auf der Netzhaut eines blinden Patienten

An der Klinik für Ophthalmologie (Direktor: Prof. Dr. Johann Baptist Roider) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, wurde erstmalig ein seit zwölf Jahren durch eine genetische Erkrankung erblindeter Patient mit einem Netzhaut-Chip versorgt. Durch die Operation ist es ihm jetzt möglich, Lichtquellen zu lokalisieren und bestimmte Objekte zu erkennen. Die in Kiel durchgeführte Operation ist die erste dieser Art in Norddeutschland. Weltweit wurden mit diesem Netzhaut-Chip bisher rund 30 Patienten versorgt, u.a. in Tübingen, Dresden, Oxford, London, Singapur und Hongkong.


Netzhaut-Chip unter der Netzhaut des Patienten


Das Erkennen verschiedener Objekte wurde mit dem Patienten getestet.

In einer aufwändigen und komplizierten chirurgischen Operation der Netzhaut und des Glaskörpers wurde dem Patienten vor rund vier Wochen ein Mikrochip (Retina Implantat Alpha IMS) über die Aderhaut unter die Netzhaut eingesetzt. Er ersetzt bei Blinden die Funktion degenerierter Fotorezeptoren durch elektronische Lichtempfänger (Fotodiode). Der Mikrochip ist nur 17 Mikrometer dünn (0,017 mm) und mit drei mal drei Millimeter ungefähr so klein wie ein Stecknadelkopf. „Durch die Platzierung unter der Netzhaut können erstmals die natürlichen Blickzielbewegungen und Blickrichtungen des Auges genutzt werden, um ein Bild zu erzeugen. So können Gegenstände ohne Kopfbewegungen erfasst werden“, erklärt Prof. Roider.

Da der durch die Fotodioden des Mikrochips erzeugte Strom, der an die Netzhaut weitergleitet wird, nur sehr gering ist, muss dieser Strom zusätzlich verstärkt werden. Die dazu notwendige Energie wird durch eine hinter dem Ohr lokalisierte Induktionsspule und eine externe Stromversorgung geliefert. Dieser Teil der Operation wurde in Kooperation mit der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Campus Kiel, durchgeführt.

Die Auflösung des Chips beträgt 40 x 40 Pixel. Einzelne Patienten können dadurch eine Sehschärfe von 3,7 % erreichen. Das Sehen selbst ist auf Grautöne beschränkt, da der Chip in gleicher Weise empfindlich für alle Farben des Lichtes ist. Der in Kiel operierte Patient war seit zwölf Jahren aufgrund einer erblichen Erkrankung (Retinitis pigmentosa) erblindet. „Durch die durchgeführte Operation ist es ihm jetzt möglich, Licht zu sehen und die Lichtquelle zu lokalisieren“, sagt Prof. Roider. „Darüber hinaus kann er Objekte erkennen, wie zum Beispiel in einer Alltagssituation ein Messer neben einem Teller, und dies schon vier Wochen nach der Operation.“

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Ophthalmologie, Sekretariat Prof. Dr. Roider,
Tel.: 0431 597-4834, E-Mail: office@auge.uni-kiel.de

Oliver Grieve | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Weitere Informationen:
http://www.uksh.de/141217_pi_netzhautchip_augenklinik_kiel.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften