Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Atherosklerose - Schützende Signalwege identifiziert

05.05.2017

LMU-Forscher um Christian Weber zeigen erstmals, welche Rolle der Chemokinrezeptor CXCR4 für die Widerstandsfähigkeit der Gefäßwände hat. Zudem weisen sie einen Mechanismus nach, der wichtig für den Cholesterinabbau ist.

Bei Atherosklerose bilden sich Ablagerungen in der Gefäßinnenwand, die zu chronischen Entzündungen führen und die Gefäße verengen. Professor Christian Weber, Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK) am Klinikum der LMU, untersucht mit seinem Team die molekularen Zusammenhänge bei der Entstehung und dem Verlauf der Krankheit.


Atherosklerotische Läsion in der Maus.

Aufnahme: AG Döring

Quelle: LMU

Nun konnten die LMU-Mediziner an seinem Institut in Studien zwei verschiedene Mechanismen nachweisen, die eine schützende Funktion bei Atherosklerose haben. Ihre Ergebnisse sind aktuell in zwei Artikeln in der Fachzeitschrift Circulation veröffentlicht.

Die Signalachse CXCL12/CXCR4

Christian Weber untersucht unter anderem im Rahmen seines aktuellen ERC-Projekts die Rolle des Proteins CXCR4, das an der Zelloberfläche sitzt. Es spielt in Verbindung mit dem Botenstoff CXCL12 eine wesentliche Rolle bei der Wanderung von Zellen und bei entzündlichen Prozessen.

In der aktuellen Studie ist es seinem Team gelungen, das Protein als protektiven Faktor bei Atherosklerose zu identifizieren. „Wir konnten zum ersten Mal nachweisen, dass der Chemokinrezeptor CXCR4 in Gefäßzellen das Fortschreiten von Atherosklerose begrenzt“, sagt Christian Weber.

In der Studie wurde die Auswirkung einer unterschiedlich starken Aktivierung des Rezeptors auf zwei Zelltypen untersucht, die für den Aufbau der Gefäßwand wichtig sind. Im Mausmodell verstärkten sich die atherosklerotischen Ablagerungen, sobald das Protein gezielt ausgeschaltet wurde.

„Je weniger stark der Rezeptor aktiviert war, desto durchlässiger waren die Gefäßwände“, erklärt Dr. Yvonne Döring, Erstautorin der Publikation. CXCR 4 scheint also entscheidend zu sein, um die Integrität von Gefäßwänden zu sichern. Zudem analysierten die Forscher, inwieweit genetische Veränderungen im Menschen Rückschlüsse auf die Expression des Chemokinrezeptors zulassen.
(Circulation 2017:
http://circ.ahajournals.org/content/early/2017/04/26/CIRCULATIONAHA.117.027646)

Signalweg bei Cholesterintransfer identifiziert

In einer weiteren Studie des IPEK haben Forscher um Sabine Steffens, Professorin am IPEK, und Petteri Rinne (PhD, derzeit Universität Turku in Finnland) einen bislang unbekannten Signalweg des Rezeptors MC1-R identifiziert, der unter anderem auf der Oberfläche von Pigmentzellen die Produktion von Melanin anregt, das die Haut vor UV-Strahlung schützt. Der Rezeptor hat jedoch verschiedene Funktionen, so gab es bereits Hinweise, dass er auch bei Entzündungen eine Rolle spielt.

„MC1-R ist auch auf Makrophagen zu finden. Wir konnten zeigen, dass er den reversen Cholesterin-Transport reguliert“, sagt Sabine Steffens. Makrophagen zählen zu den sogenannten Fresszellen des Immunsystems. Der neu identifizierte Signalweg sorgt dafür, dass Makrophagen im Körper überschüssiges Cholesterin, das sie über das Blut aufnehmen, wieder abgeben können.

Damit hat der Rezeptor MC1-R ebenfalls eine protektive Rolle bei Atherosklerose. Denn Ablagerungen von Cholesterin in der Gefäßwand verstärken die Entzündung in atherosklerotischen Plaques und erhöhen die Gefahr, dass diese reißen. Das kann zu einem Verschluss von Gefäßen und dadurch zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.
(Circulation 2017:
http://circ.ahajournals.org/content/early/2017/04/20/CIRCULATIONAHA.116.025889)

Kontakte:
Prof. Christian Weber
Direktor Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
Klinikum der LMU
Tel.: +49 (0) 89/ 4400-54351
E-Mail: Kreislaufinstitut@med.uni-muenchen.de
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Institut-fuer-Prophylaxe-und-Epidemiologie-d...

Prof. Sabine Steffens
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
Klinikum der LMU
Tel.: +49 (0) 89/ 4400-54674
E-Mail: Sabine.Steffens@med.uni-muenchen.de
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Institut-fuer-Prophylaxe-und-Epidemiologie-d...

Dr. Yvonne Döring
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
Klinikum der LMU
Tel.: +49 (0) 89/ 4400-54610
E-Mail: yvonne.doering@med.uni-muenchen.de
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Institut-fuer-Prophylaxe-und-Epidemiologie-d...

Luise Dirscherl | Ludwig-Maximilians-Universität München
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften