Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Atherosklerose - Die Kraft der zwei Stränge

06.03.2014

LMU-Mediziner zeigen erstmals, wie micro-RNA Stränge vor Atherosklerose schützen können.

Bei der Atherosklerose bilden sich in den Arterien Ablagerungen in der Gefäßinnenwand, die zu chronischen Entzündungen führen und die Gefäße verengen. Das kann den Blutfluss behindern und schließlich ganz blockieren, was einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen kann.

Atherosklerose entwickelt sich vor allem an Stellen des arteriellen Gefäßsystems, an denen die Funktion der Endothelzellen, der innersten Wandschicht der Gefäße, gestört ist.

„Bei gestörten Blutflussverhältnissen und bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Hyperlipidämie, bei der die Cholesterinwerte erhöht sind, kommt es zu einer Stressreaktion des Gefäßendothels mit Zelltod, aber auch zu einem vermehrten Wachstum von Endothelzellen“, erklärt LMU-Mediziner Professor Christian Weber, Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten am Klinikum der LMU.

Welche Relevanz dieser erhöhte Umsatz für die Regeneration des Endothels und die Entstehung von Atherosklerose hat, war jedoch bislang ungeklärt.

Nun konnte ein Team um Professor Andreas Schober unter der Leitung von Christian Weber erstmals zeigen, welche Rolle dabei die beiden micro-RNA Stränge miR-126-3p und miR-126-5p spielen. Darüber berichten die Wissenschaftler aktuell in der Zeitschrift Nature Medicine.

MicroRNAs sind sehr kurze Abschnitte aus RNA, einer Nukleinsäure, die nah verwandt ist mit dem Erbmolekül DNA. microRNAs tragen wesentlich dazu bei, die Genaktivität zu regulieren.

„Wir konnten erstmals zeigen, dass die Reparatur des Enthothels nach Verletzung und auch die regenerative Vermehrung von Endothelzellen durch den begleitenden Strang miR-126-5p vermittelt wird, indem dieser das Protein delta-like 1 homologue (Dlk1) unterdrückt“, sagt Andreas Schober. Fehlt miR-126-5p, bilden sich auch an anderen Stellen des Gefäßsystems Ablagerungen, an denen es sonst eine Wachstumsreserve an Endothelzellen gibt, um schädliche Effekte zu kompensieren. Im Mausmodell konnten die Forscher zeigen, dass die Gabe von miR-126-5p das Fortschreiten der Atherosklerose mindert. „Sobald wir den miR-126-5p-Spiegel erhöhen, ist der Schutz vor Atherosklerose wieder hergestellt", sagt Schober.

Verabreichung mittels Nanopartikeln

Die Ergebnisse sind daher für die Therapie von Atherosklerose interessant. Es gibt synthetische Hemmstoffe wie auch Mimetika für micro-RNAs, die therapeutisch verbreicht werden können. „Unsere Daten legen nahe, dass eine therapeutische Anwendung von miR-126-5p-Mimetika für Patienten sehr vielversprechend sein könnte“, sagt Christian Weber. Die Wissenschaftler haben im Mausmodell bereits eine neue Methode angewendet, wie miR-126-5p durch eine Nanopartikel-Verpackung verabreicht werden kann.

„Wegen der schützenden Effekte von miR-126-3p könnte sich sogar eine duale Kombination beider Stränge als sinnvoll erweisen“, sagt Weber, der diese Kombination zurzeit testet. Die Entwicklung der therapeutischen Anwendung ist bereits zum Patent angemeldet und soll im Rahmen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung und in Zusammenarbeit mit Biotechnologieunternehmen weiterverfolgt werden. 

Publikation:
MicroRNA-126-5p promotes endothelial proliferation and limits atherosclerosis by suppressing delta-like 1
A. Schober, M. Nazari-Jahantigh, Y. Wei, K. Bidzhekov, F. Gremse, J. Grommes, R.T. Megens, K. Heyll, H. Noels, M. Hristov, S. Wang, F. Kiessling, E.N. Olson, C. Weber
In: Nature Medicine (2014)
DOI: 10.1038/nm.3487

Ansprechpartner:
Prof. Christian Weber
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
Tel.: 089-5160-4351
E-Mail: Kreislaufinstitut@med.uni-muenchen.de

Prof. Andreas Schober
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten
Tel.: 089/5160-5151
E-Mail: Andreas.Schober@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE