Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Apotheker des Dresdner Uniklinikums erschließen sich neue klinische Dimensionen

20.04.2011
Mit dem Einsatz von Apothekern auf den Stationen und der Ausgabe maschinell konfektionierter Medikamenten-Einzeldosen – das so genannte Unit-Dose-System – ist das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Vorreiter für eine effizientere und sicherere Arzneimittelversorgung stationärer Patienten.

Insgesamt unterstützen sechs Stationsapotheker die Mitarbeiter vor Ort, in dem sie Ärzte beraten und die verordnete Medikation über das Unit-Dose-System bestellen. Zwar werden einzelne Stationen bereits seit 1995 mit vorab konfektionierten Einzeldosen versorgt, doch zwischen 2006 und 2010 verdoppelte sich die Arzneimittelausgabe über das Unit-Dose-System auf 81.200 Tagesmedikationen.

Diese positive Bilanz zog die Klinik-Apotheke Mitte April anlässlich der Präsentation ihres Domizils im neuen Versorgungszentrum des Uniklinikums. Insgesamt 50 Mitarbeiter verantworten Logistik, Beratung und auch die Herstellung von Arzneimitteln in einem hochmodernen, 600 Quadratmeter großen Bereich. Hier wird nach den strengen GMP-Standards industrieller Medikamentenherstellung produziert.

„Mit der Einführung des Stationsapothekers haben wir den Anstoß für einen grundlegenden Wandel gegeben. Mit dieser neuen Rolle erweitern Krankenhausapotheker ihren bisherigen Aktionsradius: Sie stellen ihr Wissen genau dort zur Verfügung, wo über die Medikation entschieden wird und erschließen sich damit eine neue klinische Dimension“, sagt der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums, Prof. Michael Albrecht. Ein Grund für die stärkere Vor-Ort-Präsenz liegt in der steigenden Zahl älterer Patienten, die mit Vorerkrankungen zur stationären Behandlung kommen. Für die Ärzte ist dies mit einem Mehraufwand verbunden: Zum einen muss die laufende Medikation der Patienten fortgeführt und an die in der Klinik-Apotheke gelisteten Medikamente angepasst werden. Zum anderen sind die Wechselwirkungen bei der Gabe zusätzlicher Arzneimittel zu beachten. Bestimmte Medikamente beschleunigen beispielsweise den Abbau anderer Arzneimittel, was deren Wirksamkeit stark einschränken kann. Vor allem Ärzte in Kliniken mit chirurgischem Schwerpunkt werden in solchen Situationen mit Fragen konfrontiert, die keine unmittelbaren Bezüge zu ihrem Fach haben: „Mit der Präsenz von Apothekern auf der Station können behandelnde Ärzte diese Fragestellungen auf kurzem Weg klären und so Risiken möglicher Wechselwirkungen minimieren. Der Stationsapotheker trägt so zu einer höheren Patientensicherheit bei“, sagt Dr. Holger Knoth, Leiter der Klinik-Apotheke. Das bestätigt auch Prof. Klaus-Peter Günther, Direktor der Klinik für Orthopädie, die ihren auf beiden Stationen eine Apothekerin einsetzt: „Die ärztlichen Kollegen profitieren von den Diskussionen mit der Stationsapothekerin. Auch erhalten wird sehr positive Rückmeldungen von den Haus-ärzten, die sich darüber freuen, dass ihre Medikation im Rahmen des stationären Aufenthalts überprüft wird.“

Die auf den Stationen tätigen Apotheker sichten im Rahmen täglicher Kurvenvisiten die zu Behandlungsbeginn erhobene Arzneimittelanamnese sowie die angesetzte Dosierung. Sie achten in diesem Zusammenhang auf die Laborparameter der einzelnen Patienten – beispielsweise die Nierenfunktion –, um gegebenenfalls Ärzten zu empfehlen, die Dosis verschriebener Arzneimittel zu verändern. Auch legen sie besonderes Augenmerk auf Kontraindikationen, also die Unverträglichkeit eines Medikaments auf Nebenerkrankungen, sowie auf die Überwachung von Wirksamkeit und Toxizität. Daneben berät der Stationsapotheker die behandelnden Ärzte in Fragen von Therapiedauer und Auswahl von Arzneimitteln. Beispielsweise lassen sich durch die Umstellung von injizierten auf oral gegebene Medikamente erhebliche Kosten reduzieren. Schließlich sucht der Stationsapotheker auch den Kontakt zu Patienten, um sie bei der Um- oder Einstellung von Medikamenten oder deren korrekter Einnahme zu beraten.

Unit-Dose-System erhöht Effizienz in der Arzneimittelversorgung
Die Kombination Unit-Dose-System und Stationsapotheker minimiert neben dem Ausschluss von Wechselwirkungen weitere Risikofaktoren: Sie entlasten das Pflegepersonal, in dem sie das Stellen der Medikamente übernehmen: Der Apotheker gibt nach der ärztlichen Visite die in den Patientenkurven festgehaltene Medikation in ein computergestütztes System ein – der damit verbundene Kommissionierautomat verpackt die Medikamenten-Einzeldosen für jeden Patienten. Die Übernahme dieser Aufgabe entlastet die Mitarbeiter des Pflegedienstes, die häufig im Nacht¬dienst die Medikamente für den folgenden Tag stellen. Wie wissen¬schaftliche Untersuchungen belegen, geht diese nächtliche Tätigkeit jedoch mit einem höheren Risiko einher, das den Mitarbeitern dabei Fehler unterlaufen.

Insgesamt nutzen derzeit zwölf Stationen des Universitätsklinikums Dresden das Unit-Dose-System, so dass täglich rund 250 stationäre Patienten auf diese Weise mit Arzneimitteln versorgt werden. Zwei in der Klinik-Apotheke des Dresdner Universitätsklinikums aufgestellte Automaten übernehmen das zentralisierte Stellen der Medikamente. Mit ihnen werden bis zu 1.000 unterschiedliche Arzneimittel in Blisterverpackungen kommissioniert, die entsprechend der Dosierungen unterteilt und beschriftet sind. Damit reduziert die Apotheke den Arzneimittelverbrauch, da sich die Stationsvorräte auf ein Notfallsortiment beschränken lassen – Verluste durch angebrochene und danach nicht mehr verwendete Verpackungen sinken deutlich. Zudem können die Eingaben der Medikation in das computergestützte Unit-Dose-System für jeden einzelnen Patienten ausgewertet werden. Dank der so gewonnenen Transparenz lässt sich der Anteil oral gegebener Arzneimittel an den gesamten Therapiekosten präzise ermitteln. Auch die Patienten profitieren unmittelbar von dem System. Anders als bei herkömmlich gestellten Medikamenten informiert ihn die Verpackung, was er einnimmt.

GMP-Herstellungsbereich erfüllt Industrienormen
Das rund 4.000 Quadratmeter große Versorgungszentrum mit seinen 100 Arbeitsplätzen beherbergt neben der Klinik-Apotheke das zentrale Lager des Dresdner Uniklinikums und weitere Bereiche wie Einkauf und Medizintechnik. Um die jährlich rund 60.000 stationären und 240.000 ambulanten Patienten mit individuellen, hochwirksamen Medikamenten versorgen zu können, gehört zu dem Neubau ein moderner Herstellungsbereich. Insgesamt misst dieser nach den strengen Standards industrieller Medikamentenherstellung (Good Manufacturing Practice – GMP) gebaute und betriebene Bereich knapp 600 Quadratmeter. Insgesamt 18 Mitarbeiter – vor allem Pharmazeutisch-Technische Angestellte, Pharmazie-Ingenieure und Apotheker – stellen hier Infusionen für die Chemotherapie, Augentropfen oder parenterale Ernährung ebenso her, wie Tabletten, Salben oder Ansätze für Lösungen und Infusionen.
Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik-Apotheke
Leiter: Dr. rer. nat. Holger Knoth
Telefon: 0351 458 2330
E-Mail: holger.knoth@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://klinikapotheke.uniklinikum-dresden.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit