Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aortenklappenersatz ohne Vollnarkose im HDZ NRW

27.08.2009
Bei Patienten mit einem hohen operativen Risiko werden seit Anfang 2009 defekte Herzklappen im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ), Bad Oeynhausen, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, mit künstlichen Klappen ersetzt, die über einen Katheter eingeführt werden.

Nur wenige Kliniken bundesweit führen die schonenden, minimal-invasiven Verfahren sowohl als transapikale als auch als transfemorale Eingriffe bisher durch.

An dem innovativen Interventionsverfahren für Patienten mit Aortenklappenerkrankungen ist ein fachübergreifendes Spezialistenteam im Herz- und Diabeteszentrum beteiligt, das sich aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten unter Leitung der Direktoren Prof. Dr. Dieter Horstkotte, Prof. Dr. Jan Gummert und Prof. Dr. Uwe Schirmer zusammensetzt.

Die erfahrenen Oberärzte Dr. Werner Scholtz und Dr. Marcus Wiemer aus der Kardiologie sowie Dr. Jochen Börgermann und Privatdozent Dr. Georg Kleikamp aus der Herzchirurgie führen die Eingriffe gemeinsam durch. Bereits 2010 werden voraussichtlich über 100 Patienten mit der neuen Methode in Bad Oeynhausen behandelt werden.

Bisher bedeutete ein Aortenklappenersatz für den Patienten immer eine Herzoperation mit Herz-Lungen-Maschine. Mit dem neuen Verfahren kann die defekte Klappe über zwei Wege mit dem Katheter erreicht werden: Einerseits wie beim herkömmlichen Herzkathetereingriff über die Oberschenkelarterie in der Leiste (transfemoraler Zugang). Andererseits über einen nur wenige Zentimeter langen Schnitt zwischen dem vierten und fünften Rippenbogen durch die Herzspitze (transapikaler Zugang). Beim transfemoralen Zugang wird der Katheter über die Körperschlagader bis in die linke Herzkammer geführt, beim transapikalen Zugang wird er durch die linke Herzklappe bis in die Aorta vorgeschoben.

Mit einem Ballon an der Katheterspitze wird die defekte Herzklappe zunächst so geweitet (Ballondilatation), dass die in einen Stent integrierte biologische Herzklappe an die Stelle der defekten Aortenklappe vorgebracht werden kann. Anschließend wird die Klappenprothese entweder aufgedehnt oder in einem selbstexpandierendem Drahtkäfig vorgebracht und ersetzt dann die alte Klappe. Der gesamte Eingriff dauert etwa eine Stunde und wird präzise durch Ultraschall und Röntgen überwacht. Der transfemorale Klappenersatz erfordert in der Regel keine Narkose, sondern lediglich eine örtliche Betäubung der Leistenregion. Die Patienten können nach wenigen Tagen entlassen werden.

"Vor allem für Patienten in hohem Lebensalter mit schweren Begleiterkrankungen bietet das Verfahren eine schonende Alternative zur normalen Herzoperation", erläutert Prof. Dr. Dieter Horstkotte, Direktor der Kardiologischen Klinik des HDZ. Der Eingriff wird in einem Hybrid-Operationssaal durchgeführt, in dem alle beteiligten Spezialisten zusammenarbeiten.

"Der kathetergestützte Einsatz von Klappenprothesen in Zusammenarbeit von Herzchirurgen und Kardiologen verspricht unseren Patienten eine hohe Behandlungssicherheit und -qualität, da wir für jeden Patienten das am besten geeignete Verfahren anbieten können," bestätigt Prof. Dr. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie. Im Rahmen von wissenschaftlichen Studien würden im Herz- und Diabeteszentrum NRW laufend neue OP- und Therapie-Methoden entwickelt und verbessert, die in anderen Herzzentren noch nicht zur Verfügung stehen. "Damit profitieren unsere Patienten als erste vom medizinischen Fortschritt", fasst Prof. Dr. Uwe Schirmer, Direktor des Instituts für Anästhesiologie im Herz- und Diabeteszentrum, die einhellige Meinung aller Beteiligten zusammen.

Hintergrundinformation:

Im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, werden rund 1.200 Herzklappeneingriffe pro Jahr durchgeführt, 65 Prozent davon betreffen Eingriffe an der Aortenklappe., Diese werden zunehmend mit minimal-invasiven Operationsmethoden durchgeführt. 2009 werden die Kardiologen und Kardiochirurgen des HDZ voraussichtlich 50 Aortenklappeneingriffe mit der neuen katheter-gestützten Methode am schlagenden Herzen ohne Herz-Lungen-Maschine durchführen. Ob der Eingriff hierbei über den transfemoralen oder transapikalen Zugang erfolgt, wird auf die individuellen Erfordernisse des Patienten abgestimmt. Am HDZ wurden bisher jeweils 50 Prozent der Patienten über einen der beiden Zugänge versorgt. Im Hybrid-Operationssaal sind dabei Herzchirurgen und Kardiologen sowie ein Anästhesist ständig zugegen, um ohne jede Zeitverzögerung simultan zu diagnostizieren und therapieren. Zusätzlich erlaubt der Hybrid-OP eine sofortige Therapiekontrolle nach dem Eingriff, die über die Ultraschalluntersuchung des Herzens hinaus geht. Biologische Herzklappen haben den wesentlichen Vorzug, dass nach Ablauf weniger Monate keine gerinnungshemmenden Medikamente mehr erforderlich sind. Sie sind etwa zehn bis 20 Jahre haltbar.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anna Reiss
Georgstr. 11
Tel. 05731 / 97 1955
Fax 05731 / 97 2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

Anna Reiss | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise