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Aortenklappenersatz ohne Herzlungenmaschine möglich

03.09.2008
Diagnose Aortenklappenstenose: Gertrud K. bekam nicht mehr richtig Luft. Ihre Aortenklappe war enorm verengt und öffnete sich kaum noch. Doch eine Herzoperation unter Einsatz der Herzlungenmaschine war für die 84-Jährige zu risikoreich.

Hilfe fand Gertrud K. an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn. Mit einem schonenden Eingriff mittels Katheter implantierten die Ärzte eine Aortenklappenprothese an ihrem schlagenden Herzen. Bereits am nächsten Tag konnte die Patientin schon wieder viel besser atmen.

Die Bonner Universitätsherzchirurgie führte dieses neue Verfahren nun innerhalb der Bonner Region ein und behandelte bisher drei Patienten mit großartigem Erfolg.

Die Aortenklappenstenose ist der häufigste Herzklappenfehler älterer Menschen - Ursache meist zunehmende Verkalkung. Die Elastizität der Klappe nimmt fortschreitend ab und diese öffnet sich dadurch schlechter. Die linke Herzkammer muss dann stärker arbeiten, um trotz der Engstelle ausreichend Blut in die Hauptschlagader pumpen zu können.

Zur Behandlung ist ein chirurgischer Klappenersatz unter Einsatz der Herzlungenmaschine üblich. "Dieser Eingriff verläuft normalerweise ohne Komplikationen und ist Goldstandard", sagt Professor Dr. Armin Welz, Direktor der Bonner Universitätsklinik für Herzchirurgie. Doch für Betroffene in hohem Alter mit Zusatzerkrankungen und am Herzen bereits operierte Patienten ist diese große Operation zu belastend.

Mit einem neuen Verfahren kann jedoch neuerdings die Aortenklappenprothese mittels Katheter unter Röntgenkontrolle ohne Einsatz der Herz-Lungenmaschine implantiert werden. Der Eingriff ist für den Patient schonender und dieser erholt sich schneller. "Wir freuen uns, dass wir jetzt Hochrisiko-Patienten, die bisher als nicht operabel galten, diese neue Option anbieten können", sagt Professor Welz.

Ziel genauer Einsatz der künstlichen Herzklappe

Die Bonner Ärzte öffnen den Brustkorb mit einem kleinen Schnitt und schieben über die Herzspitze der linken Herzkammer einen Katheter bis zur Aortenklappe. Alternativ kann der Katheter auch über die Beinarterie in der Leistengegend zum Herzen geführt werden. Um den nötigen Platz für die Klappenprothese zu schaffen, dehnt das Team aus Herzchirurgen, Kinderkardiologen und Anästhesisten die verengte Aortenklappe mit einem Ballon. Dann bringt das Bonner Team ein zusammengefaltetes Metallgeflecht, in das eine künstliche Herzklappe eingenäht ist, in die optimale Position "Das ist der kritische Punkt. Denn wir haben nur einen Versuch, die Herzklappenprothese genau an der richtigen Stelle in der verengten Aortenklappe zu platzieren", sagt Dr. Fritz Mellert, Oberarzt an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn. "Dort entfaltet sich die künstliche Aortenklappe, drängt dabei die alte Klappe zur Seite und nimmt sofort seine Arbeit im schlagenden Herz auf" erläutert sein Kollege Oberarzt Dr. Wolfgang Schiller.

Die Bonner Universitätsherzchirurgie behandelte bisher drei Patienten mit diesem Verfahren - mit großem Erfolg. Bereits einen Tag nach dem Eingriff konnten sie mit dem Aufbautraining beginnen. Insgesamt erholten sich alle drei sehr schnell. "Es ist wie ein Wunder. Es geht mir viel besser, und ich bekomme endlich wieder genug Luft", sagt Gertrud K., die sich auf die Pflege ihres heimatlichen Gartens freut.

Kontakt für die Medien:
Oberarzt Dr. Fritz Mellert
Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-14092
E-Mail: fritz.mellert@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

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