Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antikörper erfolgreich bei Behandlung von hämolytisch urämischem Syndrom (HUS) durch EHEC

27.05.2011
Ärzteteam aus Heidelberg, Montreal und Paris berichten über geglückten Therapieversuch bei drei Kleinkindern / Online-Veröffentlichung im „New England Journal of Medicine“

Ärzte und Wissenschaftler in Heidelberg, Montreal und Paris haben in der Online-Version des „New England Journal of Medicine“ über die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern, die an einem schweren hämolytisch urämischen Syndrom (HUS) nach einer Infektion mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) litten, berichtet. Die Infektionen waren 2010 aufgetreten. EHEC sind die Erreger der Infektionswelle, die derzeit in Deutschland bereits drei Todesopfer gefordert hat. Die Zahl der Verdachts- und bestätigten EHEC-Fälle beläuft sich auf etwa 700.

Eculizumab ist seit 2007 zugelassen und wird zur Behandlung einer seltenen Blutkrankheit sowie einer seltenen angeborenen Form des HUS eingesetzt. Vor zwei Jahren hatten US-Mediziner über ähnliche Erfolge bei Kindern mit dieser Form des HUS berichtet (NEJM 2009; 360:544-546).

Die Kinder litten an Nierenversagen sowie an schweren neurologischen Störungen. „Nachdem ein mehrmaliger Austausch des Blutplasmas ohne Wirkung geblieben war, haben wir uns zu einem Behandlungsversuch mit Eculizumab entschlossen“, berichtet Professor Dr. Franz Schaefer, Leiter der Sektion Pädiatrische Nephrologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg.

Innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Infusion, die im Abstand von sieben Tagen ein- bis zweimal wiederholt wurde, verbesserte sich der klinische Zustand der Kinder dramatisch. Die Dialyse aufgrund des akuten Nierenversagens im Rahmen des HUS konnte beendet werden. Alle drei Kinder erholten sich und zeigten auch sechs Monate nach der Erkrankung keine Folgeschäden.

Die Wissenschaftler entschieden sich für den Einsatz des monoklonalen Antikörpers Eculizumab, da er in die zerstörerischen Immunreaktionen eingreift, die sich nach einer Infektion mit EHEC abspielen. Eculizumab bindet an das Protein C5, das die sogenannte Complement-Kaskade aktiviert und u. a. zur Zerstörung von Blutzellen führt. Auch bei Infektionen mit EHEC kann es zu einer Complement-Aktivierung kommen, ausgelöst durch den von den Bakterien gebildeten Giftstoff Shigatoxin.

„Wir hoffen nun, dass diese Ergebnisse den akut Erkrankten zu Gute kommen“, sagt Professor Schaefer. Er geht davon aus, dass auch erwachsene Patienten von einer Therapie mit dem Antikörper profitieren könnten. „Die Herausgeber des New England Journal haben aufgrund der Epidemie in Deutschland beschlossen, die bereits seit Februar vorliegende Publikation zu beschleunigen und sie nach Prüfung umgehend veröffentlicht“, so Schaefer. Außerdem wurde der Fachartikel an alle Nierenspezialisten in Deutschland versandt.

Weitere Informationen im Internet:

Artikel im „New England Journal of Medicine“:
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1100859
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Franz Schaefer
Leiter der Sektion Pädiatrische Nephrologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg

E-Mail: Franz.Schaefer@med.uni-heidelberg.de

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Sektion-Paediatrische-Nephrologie.825.0.html

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1100859

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie

Innovative High Power LED Light Engine für den UV Bereich

22.06.2017 | Physik Astronomie

Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen

22.06.2017 | Architektur Bauwesen