Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anschauliche Lustbremsen

14.04.2010
Das Bild einer brennenden Zigarette weckt bei Rauchern die Lust auf Nikotin. "Nicht unbedingt", sagen Psychologen der Universität Würzburg. Wie sie herausfanden, schaffen es manche Bilder sogar, im Gehirn Prozesse anzustoßen, die das Verlangen nach der Droge wahrscheinlich hemmen.

Es gibt Bilder, die sind in der Lage, bei einem Raucher das Verlangen nach der nächsten Zigarette anzustacheln. Bilder, die den Anfang des Rauchrituals darstellen, können dies besonders gut -beispielswiese eine frisch angezündete Zigarette.

Damit einher geht eine Aktivierung der sogenannten Belohnungszentren im Gehirn. Doch die Macht der Bilder wirkt auch in die andere Richtung: "Wir haben erstmals festgestellt, dass Bilder, die das Ende des Rauchrituals darstellen, das Suchtnetzwerk im Gehirn nicht nur nicht aktivieren, sondern sogar hemmen", erklärt Professor Paul Pauli.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie I der Universität Würzburg forscht seit Langem über die Abhängigkeit vom Nikotin. Das Ergebnis seiner neuesten Untersuchung, die er im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe "Emotion und Verhalten" gemeinsam mit Psychologen der Universität Gießen durchgeführt hat, wurde vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Neuropsychopharmacology veröffentlicht. Darauf aufbauend wollen die Forscher nun prüfen, ob diese Bilder auch zur Reduzierung des Rauchverlangens, zum Beispiel im Rahmen einer Raucherentwöhnungsbehandlung, eingesetzt werden können.

Der Ablauf der Studie

In dieser Studie haben die Psychologen Rauchern sowie Nichtrauchern Bilder gezeigt, die den Beginn oder das Ende des Rauchrituals darstellen. "Da waren zum einen Zigaretten zu sehen, die gerade frisch angezündet wurden, andere waren schon fast vollständig heruntergebrannt, wiederum andere lagen ausgedrückt im Aschenbecher", sagt Pauli. Die Tatsache, dass eine gerade angezündete Zigarette bei einem Raucher viel mehr Verlangen auslöst als eine ausgedrückte, war den Wissenschaftlern schon aus früheren Studien bekannt. "Nicht bekannt war hingegen, ob es Reize gibt, die die Belohnungszentren im Gehirn sogar hemmen", so Pauli.

Um diese Frage zu klären, haben die Wissenschaftler ihren Versuchspersonen nicht nur unterschiedliche Bilder präsentiert. Gleichzeitig erfassten sie die von den Bildern ausgelösten Reaktionen im Gehirn mit einem Magnetresonanztomografen.

Das Studienergebnis

Das Ergebnis: Bilder einer frisch angezündeten Zigarette aktivieren das Suchtnetzwerk im Gehirn, insbesondere Zentren, die die Erwartung einer Belohnung beeinflussen. Diese Aktivierungen sind nach Ansicht der Psychologen für das Verlangen nach der Droge verantwortlich. Ganz anders die Aufnahmen von ausgedrückten Kippen im Aschenbecher: Sie sorgen dafür, dass in diesen Teilen des Gehirns sogar Deaktivierungen zu verzeichnen waren, jeweils im Vergleich zu Kontrollbedingungen. "Diese Reize, die das Ende des Rauchens markieren, sind also auf der einen Seite sehr klar mit dem Rauchen assoziiert, scheinen aber auf der anderen Seite das Suchtnetzwerk im Gehirn zu hemmen", sagt Pauli.

Weiterführende Untersuchungen nötig

Der Befund, dass die Aktivität des Suchtnetzwerks im Gehirn durch spezifische Reize gehemmt werden kann, ist nach Ansicht der Psychologen ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das Rauchen in bestimmten Situationen einzudämmen. Möglicherweise können solche Reize auch als Hilfe benutzt werden für Raucher, die von der Zigarette und ihrem Verlangen danach los kommen wollen.

Dafür sind aber noch weitere Untersuchungen nötig, die nach Paulis Worten in Würzburg und Gießen bereits angelaufen sind. In ihnen kommen die gleichen Bilder zum Einsatz. Diesmal wird jedoch deren Wirkung auf Menschen untersucht, die sich vor unterschiedlich langer Zeit das Rauchen abgewöhnt haben.

Neural Responses to BEGIN- and END-Stimuli of the Smoking Ritual in Nonsmokers, Nondeprived Smokers, and Deprived Smokers, Bastian Stippekohl, Markus Winkler, Ronald F Mucha, Paul Pauli, Bertram Walter, Dieter Vaitl and Rudolf Stark: Neuropsychopharmacology (2010) 35, 1209-1225; doi:10.1038/npp.2009.227

Kontakt: Prof. Dr. Paul Pauli, T: (0931) 312842;
E-Mail: pauli@psychologie.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik