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Wenn die Angst nicht mehr loslässt

15.08.2008
Würzburger Psychologen suchen Teilnehmer für Studie über Panikstörungen

Plötzlich war die Panik da. Auf einer Wanderung in den Alpen hatte Herr V. kurz unterhalb des Gipfels gespürt, wie sein Herz raste; wenig später war ihm schwindelig geworden.

"Ein Herzinfarkt!", war sein erster Gedanke. Und dass er, fernab jeder ärztlichen Hilfe, jetzt wohl sterben müsse. Nein, gestorben ist V. damals nicht. Er ist sogar aus eigener Kraft und ohne weitere Beschwerden ins Tal zurückgelaufen. Dennoch hat er danach ähnliche Situationen vermieden, aus Angst, die Attacke könne sich wiederholen. Und hat gar nicht gemerkt, wie er sich immer mehr aus dem Leben zurückzog, bis ihm am Ende nicht einmal mehr der Gang zum Bäcker um die Ecke möglich war.

Ein wichtiger Schritt aus seiner Isolierung war ein Besuch in der Hochschulambulanz der Universität Würzburg. Koordiniert von der Psychologin Julia Dürner und betreut von dem Privatdozenten Dr. Georg W. Alpers läuft dort zurzeit eine bundesweite Studie, in deren Mittelpunkt die Entstehung und Therapie von Panikstörungen steht. Die Würzburger Psychologen sind dafür noch auf der Suche nach weiteren Teilnehmern. Wer sich bei ihnen meldet und die notwendigen Kriterien erfüllt, kann mit professioneller Hilfe seine Panik bekämpfen - und trägt möglicherweise dazu bei, dass Therapeuten in Zukunft differenzierter und somit besser arbeiten können.

"Panikstörungen sind nicht die häufigsten psychischen Erkrankungen, aber sie sind in der Regel mit einem immens hohen Druck für die Betroffenen verbunden", sagt Alpers. Aus Angst vor dem scheinbar unerklärlichen Herzrasen, dem Schwindel, der Atemnot würden viele Patienten nach und nach alle potenziell gefährlichen Situationen strikt vermeiden. "Das kann soweit gehen, dass sie am Ende keinen Sport mehr treiben, keinen Sex haben und nur noch zu Hause sitzen", sagt der Psychologe. Sich aus den Klammern einer Panikstörung zu befreien, ist nicht einfach. Mit psychotherapeutischer Unterstützung sind die Erfolgsaussichten allerdings sehr gut.

"Am Anfang einer Therapie bei uns steht eine ausführliche psychologische Diagnostik", erklärt Julia Dürner. Um mögliche organische Ursachen auszuschließen, wie beispielsweise Herzkrankheiten oder eine Überfunktion der Schilddrüse, die ähnliche Symptome verursachen können, wird auch Kontakt zu behandelnden Ärzten hergestellt. Steht fest, dass der Betroffene tatsächlich unter einer Panikstörung leidet, kann er in die Studie aufgenommen werden - und dann heißt das Motto: "Intensiv arbeiten, viel üben, das eigene Leben ändern", so Alpers. Zwölf Therapiesitzungen zu jeweils rund 100 Minuten sollen den Grundstock liefern für die Rückkehr in den Alltag. Die Termine liegen dicht beieinander; in einem Zeitraum von zwei Monaten sollen die Patienten lernen, wie sie ihr Verhalten ändern und neue Erfahrungen mit angstbesetzten Situationen machen können. "In einem zeitlich größeren Abstand folgen noch zwei weitere Sitzungen, bei denen die Patienten schildern können, wie es ihnen weiter ergangen ist, und in denen sie auch möglicherweise aufgetretene Probleme besprechen können", sagt Julia Dürner. Ganz am Ende steht nach sechs Monaten eine Erfolgskontrolle.

"Weil die bisherigen Methoden zwar schon recht gut sind, sich aber immer noch weiter verbessern lassen", wie Alpers sagt, hat das Bundesforschungsministerium die bundesweite Studie ins Leben gerufen. Dabei finden am Anfang, im Verlauf und am Ende der Therapie umfangreiche Tests statt. "Wir beobachten die jeweiligen Aspekte der Panikstörung und des Therapieverlaufs mit einem sehr hohen Auflösungsgrad", sagt Julia Dürner. Der detaillierte Blick soll es den Therapeuten später ermöglichen, ihr Angebot individuell zu differenzieren. Mindestens 40 Patienten wollen die Würzburger Psychologen für ihren Part der Studie untersuchen und behandeln; noch bis Ende dieses Jahres besteht die Möglichkeit, sich dafür zu melden. Wer glaubt, dass er unter einer Panikstörung leidet, sollten den Griff zum Telefon wagen - und damit den ersten Schritt tun in ein Leben, in dem Angst und Katastrophengedanken nicht mehr die dominante Rolle spielen.

Zur Info: Interessierte können die Psychologen der Hochschulambulanz unter der Telefonnummer (0931) 31-2839 kontaktieren (montags von 9 bis 10 Uhr, sonst ist ein Anrufbeantworter angeschaltet) oder per E-Mail:

duerner@psychologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de/fuer/studierende/

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