Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alzheimerprävention mit den Kräften der Natur

19.02.2009
Die Diagnose Alzheimer lässt die Welt auf einen engen Raum ohne logische Ordnung zusammenschrumpfen.

Sie macht eine Vollpflege durch Fachpersonal erforderlich - ein Kostenfaktor, der angesichts der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft das Gesundheitssystem an seine Grenzen bringt. Eine gesunde Ernährung kann langfristig einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten.

Eine besondere Rolle spielen dabei Nahrungsmittel mit neuroprotektiver Wirkung, zum Beispiel die schwarze Johannisbeere. Im Rahmen des EU-Projektes "Brainhealthfood" wollen sich Forscher vom ttz Bremerhaven zusammen mit acht Partnern dieser Aufgabe stellen.

Stoffe der schwarzen Johannisbeere gegen das Vergessen

Die Demenzerkrankung ist derzeit die häufigste altersbedingte neurodegenerative Störung - mehr als 10 Prozent der über 65-Jährigen sind betroffen. Die Diagnose bedeutet den Verlust der Selbstbestimmtheit. Eine 24-Stunden-Betreuung wird zwingend erforderlich und bürdet dem Gesundheitssystem immense Kosten auf. In den USA werden die Kosten für Pflege und medikamentöse Behandlung von Alzheimerpatienten auf mehr als 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts von 2006 leiden in Deutschland rund 700.000 Menschen an Alzheimer-Demenz. Angesichts der demographischen Entwicklung - besonders über 65-Jährige sind von der Krankheit betroffen - wird die Finanzierungsfrage zum gesellschaftlichen Zündstoff. Für das Jahr 2050 wird eine Zahl von 2,6 Millionen Alzheimerpatienten in Deutschland prognostiziert . Das entspricht einem mittleren Anstieg der Patientenzahlen um 35.000 pro Jahr (Quelle:Deutschen Alzheimergesellschaft, Informationsblatt "Selbsthilfe Demenz", 06/2008).

Obwohl die Wirkungsweisen der Demenzerkrankung noch nicht vollständig erforscht sind, sprechen viele Anzeichen für eine starke oxidative Belastung der Gehirnregion. Auslöser dafür sind lipide Peroxidationen, die Bildung freier Radikaler und amyloider Betaproteine. Aktuelle epidemiologische Ergebnisse legen nahe, dass eine vielseitige, phenolreiche Ernährung das Risiko einer Demenzerkrankung verringern kann. Der regelmäßige Genuss von Nahrungsmitteln mit neuroprotektiver Wirkung kann mittel- bis langfristig das Gesundheitssystem entlasten.

Derzeit gibt es kein Produkt auf Basis schwarzer Johannisbeeren im Functional Food-Sortiment. Um diese Lücke kostengünstig zu schließen, sollen Reststoffe der Saftproduktion als Rohstoff dienen. Diese sind bereits zu einem Tonnenpreis von 300 bis 500 Euro erhältlich - ein Siebtel des Preises für alternative Rohstoffquellen. Die Ermittlung wirtschaftlicher Methoden für die Rückgewinnung bioaktiver Wirkstoffe wird das ttz Bremerhaven leisten. "Jeder Rohstoff stellt spezifische Bedingungen an die Extraktion. Wir werden im Frühjahr Testreihen starten, um das beste Verfahren für die schwarze Johannisbeere zu ermitteln. Dafür sind sowohl die Qualität des Endproduktes und ihre Lagerstabilität, aber auch der Zeit- und Energieaufwand der Methode entscheidend, " erklärt Projektleiterin Marie Bildstein vom ttz Bremerhaven.

Neben der Untersuchung der Inhaltsstoffe, ihrer Qualität und der gesundheitsfördernden Wirkung leisten die Projektpartner Schützenhilfe bei der Produktentwicklung und Vermarktung. Dieses Know-how über die Verarbeitung bioaktiver Inhaltsstoffe der schwarzen Johannisbeere zu Lebensmitteln, Nahrungsergänzungs-mitteln und Non-Food-Produkten wird an kleine und mittelständische Unternehmen weitergegeben. Bei den glänzenden Wachstumsperspektiven des Marktes für diese "Nutriceuticals" (nutrient + pharmaceutical, ein Nährstoff mit pharmazeutischer Wirkung) können sie ihre Position im globalen Wettbewerb stärken.

Die Platzierung attraktiver Produkte wird die Nachfrage beleben. Das werden auch die Beerenproduzenten spüren. Erzeugnisse aus Europa werden gemäß der Zielsetzung von "Brainhealthfood" eine Nachfragesteigerung erfahren und Importprodukten vermehrt ersetzen. Diese Entwicklung stärkt ländliche Anbauregionen durch die Erschließung neuer Absatzmöglichkeiten. Durch die Verwertung von Reststoffen werden zudem Kosten für Abtransport und Abfallmanagement eingespart. Die Europäische Union fördert das Projekt "Brainhealthfood" mit 870.000 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Kontakt:
ttz Bremerhaven
Britta Rollert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-124, Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de

Britta Rollert | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen