Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alzheimer: Bonner Forscher identifizieren möglichen neuen Faktor für die Krankheitsentstehung

03.02.2011
Bonner Forscher haben einen neuen Faktor gefunden, der möglicherweise bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit mitwirkt: Liegen in Nervenzellen bestimmte Lipide in zu hoher Konzentration vor, häuft sich ein Eiweiß an, das bei der Ausbildung der Krankheit eine entscheidende Rolle spielt. Die Publikation ist am 2. Februar in der Zeitschrift The Journal of Neuroscience (doi: 10.1523/jneurosci.2954-10.2011) erschienen.

Das potenziell schädliche Eiweiß nennt sich C-terminales Peptid und ist eine Vorstufe von Beta-Amyloid. Diese Substanz kann sich im Gehirn zu Plaques ablagern und gilt derzeit als wesentliche Ursache für Alzheimer.

Forscher der Universität Bonn haben jetzt einen neuen Weg entdeckt, in dem das C-terminale Peptid in gesunden Zellen abgebaut wird, so dass Beta-Amyloid erst gar nicht entsteht: über Autophagozytose, einen kontrollierten Selbstverdau der Zelle. Dabei baut die Zelle eigene Bestandteile ab, um deren Bausteine später für andere Strukturen zu verwenden.

Bestandteile der Zellmembran hemmen den Eiweißabbau

Sphingolipide, wichtige Bestandteile der Zellmembran, blockieren diesen Abbauweg jedoch, hat das Team um Professor Dr. Jochen Walter an der Universität Bonn herausgefunden: „Die Zelle scheint zunächst zu versuchen, die Autophagozytose zu erhöhen, wenn zu viele Sphingolipide in der Zelle vorliegen“, erklärt Mitarbeiter Dr. Irfan Tamboli. „Aber die Zelle ist offensichtlich nicht in der Lage, den Prozess zu Ende zu bringen. Daher häufen sich bestimmte Eiweiße in der Zelle an – auch das C-terminale Peptid.“ Als Konsequenz fanden die Forscher erhöhte Konzentrationen von Beta-Amyloid in den Zellen. Über welchen Mechanismus die Sphingolipide den Eiweißverdau hemmen, ist noch nicht bekannt.

Die Forscher arbeiteten mit Nervenzellen, zu denen sie in einer Kulturschale Sphingolipide gaben. Die Lipide lagerten sich in die Membranen der Zellen ein und reicherten sich dort an. „Wir haben auch Hautzellen von Patienten untersucht, die aufgrund eines genetischen Defekts Lipide nicht abbauen können und diese einlagern“, fügt Professor Walter hinzu. „Auch dort war der Selbstverdau der Zelle gestört, und das C-terminale Peptid häufte sich an.“ Menschen mit einer solchen Lipidspeicherkrankheit zeigen Symptome, die für Alzheimer-Patienten typisch sind.

Die Erkenntnisse könnten neue Wege aufzeigen, um Alzheimer vorzubeugen oder zumindest den Ausbruch der Krankheit zu verzögern. Daher wollen die Forscher als nächstes ausprobieren, ob in Nervenzellen weniger plaquebildendes Beta-Amyloid entsteht, wenn man den Selbstverdau der Zellen mit bestimmten chemischen Substanzen ankurbelt.

An der Studie haben außerdem das Zentrum für Demenzforschung im US-amerikanischen Orangeburg und die Christian-Alberts-Universität in Kiel mitgewirkt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG und das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF unterstützte die Studie finanziell.

I.Y. Tamboli, H. Hampel, N.T. Tien, K. Tolksdorf, B. Breiden, P.M. Mathews, P. Saftig, K. Sandhoff, J. Walter: Sphingolipid Storage Affects Autophagic Metabolism of the Amyloid Precursor Protein and Promotes A-Beta Generation, The Journal of Neuroscience, 31 (5), 1837, 2011.

Kontakt:
Prof. Dr. Jochen Walter
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-19782
E-Mail: Jochen.Walter@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise