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Altersbedingte Makuladegeneration tritt viel früher auf als bisher angenommen!

07.07.2014

Unbestritten ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) die häufigste Ursache für schlechtes Sehen und Erblindungen in den Industriestaaten. Fraglich ist jedoch, ob sie weiterhin als eine Alterskrankheit definiert werden kann, die frühestens nach dem 50. Lebensjahr auftritt.

Bei Forschungen zur Prävalenz der AMD im Rahmen der populationsbasierten Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin (GHS) haben Wissenschaftler der Mainzer Augenklinik jüngst festgestellt, dass bereits unter 50-Jährige von einer frühen Form der Augenkrankheit betroffen sind: knapp vier Prozent der 35- bis 44-Jährigen Teilnehmer der Studie wiesen bereits klinische Zeichen einer frühen AMD auf.

Um die alters- und geschlechtsspezifische Prävalenz der AMD zu bestimmen, wertete das Forschungsteam der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz um Dr. Christina Korb, PD Dr. Alireza Mirshahi und Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer die Fundusbilder von 4340 Teilnehmern der GHS im Alter zwischen 35-74 Jahren aus.

Erwartungsgemäß belegten die Untersuchungen, dass die Häufigkeit der AMD mit dem Alter zunimmt. Als besonders bemerkenswertes Forschungsergebnis stellten die Wissenschaftler fest, dass bereits unter 50-Jährige von einer frühen Form der AMD, d.h. Stadium 1-3 gemäß Rotterdam-Klassifikation, betroffen sein können:

In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen zeigte sich bei 3,8 Prozent der Teilnehmer der GHS bereits eine frühe AMD. Die bislang gültige Definition der AMD als eine Erkrankung, die nach dem 50. Lebensjahr auftritt, muss somit in Frage gestellt werden.

Die Ergebnisse der Untersuchungen geben zudem Einblick in die Prävalenz der Verlaufsformen der AMD: durchschnittlich rund 12 Prozent der untersuchten 35- bis 74-Jährigen hatten eine frühe AMD. Die späte, mit oft ausgeprägterer Sehbehinderung einhergehende AMD, wiesen hingegen lediglich 0,2 Prozent der Studienteilnehmer auf. „Unsere Forschungen zeigen, dass die altersbedingte Makuladegeneration bereits viel früher als bislang angenommen auftreten kann. Daraus ergeben sich eventuell auch Konsequenzen für die Vorsorgeuntersuchungen dieser Erkrankungen“, resümierte Dr. Korb.

Da die Gutenberg-Kohorte nach fünf Jahren erneut untersucht wurde, kann die Forschungsgruppe in naher Zukunft – und erstmals für die Bundesrepublik – auch Aussagen über die Inzidenz der AMD treffen. „Das prospektive Design der Studie in Kombination mit dem Vorliegen interdisziplinärer Untersuchungsergebnisse ermöglicht die Identifikation von Risikofaktoren für die Entwicklung von späten Formen der AMD in unserer Kohorte. Auf diese Ergebnisse sind wir sehr gespannt“, so die Forschungsgruppe.

Weitere Informationen:
Korb CA et al. Prevalence of age-related macular degeneration in a large European cohort: Results from the population-based Gutenberg Health Study. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2014 Feb 25. [Epub ahead of print]

Kontakt
Dr. med. Christina Korb,
Leitung Medical Retina, Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-5741, Fax 06131 17-6620, E-Mail: christina.korb@unimedizin-mainz.de

Pressekontakt
Barbara Reinke, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Über die Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz
Die Gutenberg Gesundheitsstudie (GHS) ist eine interdisziplinäre, populationsbasierte, prospektive, monozentrische Kohorten-Studie, die seit 2007 an der Universitätsmedizin Mainz durchgeführt wird. Im Rahmen der Studie werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen, Augenerkrankungen, metabolische Erkrankungen sowie Erkrankungen des Immunsystems und der Psyche untersucht. Ziel der Studie ist es, die Risikovorhersage für den Einzelnen für diese Erkrankungen zu verbessern. Hierzu werden Lebensstil, psychosoziale Faktoren, Umwelt, laborchemische Parameter sowie das Ausmaß der subklinischen Erkrankung berücksichtigt. Eine umfangreiche Biomaterialbank ermöglicht molekularbiologische Untersuchungen, unter anderem auch in einem systembiologischen Ansatz. Im Rahmen der Basisuntersuchung wurden 15.010 Individuen im Alter von 35 bis 74 Jahren zu einem fünfstündigen Untersuchungsprogramm in das Studienzentrum eingeladen. Nach 2,5 Jahren wird ein Computer-assistiertes Telefoninterview (CATI) mit einem standardisierten Interview sowie einer Erhebung von auftretenden Erkrankungen und Beschwerden durchgeführt. Alle Endpunkte werden einer eingehenden Validierung unterzogen. In April 2012 hat eine erneute ausführliche Follow-up-Untersuchung der Teilnehmer 5 Jahre nach Einschluss in die Studie im Studienzentrum ähnlich der Eingangsuntersuchung begonnen. Weitere Untersuchungen zur Nachverfolgung der Kohorte sind geplant.

Weitere Informationen im Internet unter www.gutenberg-gesundheitsstudie.de

Barbara Reinke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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