Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alles andere als süß: Zuckerkrankheit in der Kindheit

14.05.2013
Kinder-Diabetes-Biobank an der Universität Ulm leistet wertvolle Dienste für Forschung

„Diabetes bei Kindern ist eine heimtückische Krankheit, die anfangs oft unentdeckt bleibt“, erklärt Professor Reinhard Holl vom Institut für Epidemiologie und medizinische Biometrie der Universität Ulm. Der Koordinator der in Ulm eingerichteten Kinder-Diabetes-Biobank lenkt das Augenmerk auf eine Krankheit mit gefährlich diffuser Symptomatik:

„Wenn ein Kind häufig durstig ist und ständig Wasser lassen muss, wenn es an Gewicht verliert und ständig müde ist oder häufig an Pilzerkrankungen leidet, kann sich dahinter eine Diabetes-Erkrankung verstecken“, erklärt der Kinderdiabetologe. Diabetes vom Typ 1 ist mittlerweile die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Gut 30 000 Heranwachsende unter 20 Jahren leiden daran.

Anders als Diabetes vom Typ II, der häufig mit starkem Übergewicht verbunden ist und meist im Erwachsenenalter auftritt, ist Typ I-Diabetes eine Autoimmunerkrankung, die in der Regel im Kindesalter ausbricht und die insulinproduzierenden Zellen im Körper vollständig zerstört. Die Erforschung Immunologischer und genetischer Faktoren, die in beiden Varianten ganz unterschiedliche Rollen spielen, ist aufwändig und kostenintensiv ist. Um den Umgang mit kostbaren Ressourcen in der pädiatrischen Diabetes-Forschung zu optimieren, wurde an der Universität Ulm eine Kinder-Diabetes-Biobank (paedBMB) eingerichtet, in der neben Patientendaten auch Bioproben eingelagert werden. So konnten – unter strengsten Datenschutzstandards und mit Einwilligung der Patienten – Blut- und Serumproben von über 2000 jungen zuckerkranken Patienten aus über 150 pädiatrischen Diabetes-Einrichtungen in Deutschland zusammengeführt werden.

„Die in der Kinder-Diabetes-Biobank erfassten individuell charakterisierten – aber anonymisierten – Patientenkohorten erlauben die Bearbeitung von grundlegenden Forschungsfragen zu Krankheitsentstehung, Verlauf und Therapie“, so der Diabetes-Forscher. Und auch in Bezug auf die Früherkennung sind die Erwartungen hoch: Möglicherweise lassen sich bald bessere Biomarker auffinden, die das Erkrankungsrisiko frühzeitig vor Ausbruch anzeigen. Denn Langzeitstudien zeigen: Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto geringer sind die Spätschäden.

Als Leiter der Kinder-Diabetes-Studiengruppe koordiniert Professor Holl die so genannte Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV), die mit Hilfe klinischer Langzeitstudien den Krankheitsverlauf und Behandlungserfolg verschiedener Diabetes-Typen wissenschaftlich erfasst. „Der eigentliche Diabetes lässt sich bei kontrollierter Lebensführung und gegebenenfalls mit Insulin gut behandeln. Das Problem sind allerdings die schwerwiegenden Komplikationen wie lebensgefährliche Blutübersäuerung oder diabetisches Koma und langfristige Folgeerkrankungsrisiken für Nervenschäden, Atherosklerose und Schlaganfall“, sagt Holl.

Die Ulmer Kinder-Diabetes-Biobank (paedBMB) gehört - zusammen mit fünf weiteren Biobanken - zu den „Pionieren“, die jetzt zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) das Projektportal im Deutschen Biobanken-Register aufgebaut haben. Das Projektportal wird das Auffinden besserer Biomarker ganz entscheidend beschleunigen: Es erlaubt den Beteiligten, einerseits auf einen größeren Proben- und Daten-Pool online zuzugreifen – und zwar fall- und probengenau -, andererseits die eigenen wertvollen Ressourcen für externe Kooperationspartner besser sichtbar zu machen.

Das Projektportal wurde vom IBMT gemeinsam mit der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF) e.V. eingerichtet und vom BMBF gefördert. Neben der Ulmer Kinder-Diabetes-Biobank umfasst es Biobanken zu Neuropsychiatrischen Erkrankungen, Darmkrebs, HIV/AIDS und zur Populationsgenetik und steht für weitere Biobankpartner offen. Über die bereits jetzt erfassten Patientenkenndaten wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI) hinaus wird es ständig um weitere Parameter wie z.B. spezielle Autoantikörper oder immunologisch relevante Genotypen ergänzt werden.

Verantwortlich: Andrea Weber-Tuckermann

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise