Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nicht allein mit der Depression - vor und nach der Geburt

03.11.2008
In der neuen Peripartal-Station des Universitätsklinikums Heidelberg werden Frauen mit Ängsten und Depressionen und ihre Kinder betreut

Nach der Geburt nur Angst und Trauer statt Mutterliebe: Damit betroffene Frauen vor und nach der Geburt möglichst schnell professionelle Hilfe finden, arbeitet die Mutter-Kind-Einheit an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg nun eng mit der Universitäts-Frauenklinik zusammen.

Seit August 2008 gibt es eine Peripartal-Station, die an die Mutter-Kind-Einheit der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie angegliedert wurde. Dort werden Frauen gemeinsam von Frauenärzten, Psychiatern und Psychologen betreut. Die Heidelberger Peripartal-Station, die bei einer Pressekonferenz am 30. Oktober 2008 vorgestellt wurde, ist die erste Einrichtung ihrer Art in Deutschland.

Elf Prozent der Mütter leiden in den ersten drei Monaten nach der Geburt unter Angststörungen, sechs Prozent unter Depressionen. Im Gegensatz zu den häufigen Stimmungstiefs innerhalb der ersten Woche nach der Geburt ("Baby-Blues") können Angststörungen oder Depressionen unbehandelt über Monate oder Jahre anhalten. "Psychische Probleme vor und nach der Geburt sind noch immer ein Tabu-Thema", erklärte Dr. Corinna Reck, Leiterin der Mutter-Kind-Einheit in Heidelberg. "Von Müttern wird nach der Geburt erwartet, glücklich zu sein. Betroffene Frauen wollen sich daher häufig niemandem anvertrauen, dadurch verlängert sich ihr Leidensweg."

Anzeichen schon während der Schwangerschaft erkennen

Besonders gefährdet sind Frauen, die bereits vor der Geburt unter psychischen Problemen litten. "Es ist wichtig, dass Gynäkologen und Hebammen Warnsignale bei Schwangeren erkennen und auch ernst nehmen", sagte Privatdozent Dr. Holger Maul, Leiter der Perinatalmedizin an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Die Ärzte der Geburtshilfe-Abteilung an der Universitäts-Frauenklinik sprechen ihre Patientinnen auch bei leichten Auffälligkeiten, wie Niedergeschlagenheit oder geäußerter Besorgnis, gezielt an und stellen bei Bedarf den Kontakt zur Mutter-Kind-Einheit her.

Die Heidelberger Mutter-Kind-Einheit ist Anlaufstelle für alle schwangeren Frauen und Mütter, die sich bei psychischen Problemen und bei Schwierigkeiten mit ihrem Kind Unterstützung wünschen. Auf der Peripartal-Station stehen für Schwangere zwölf stationäre Betten sowie zwei teil-stationäre Plätze und für Mütter mit ihren Kindern sechs Plätze zur Verfügung. "Der Bedarf geht aber weit über unsere Kapazitäten hinaus", erklärte Dr. Reck.

Besonders bei Risikoschwangerschaften greift die Rundum-Versorgung auf der Peripartal-Station: Solange es der Gesundheitszustand erlaubt, wird die schwangere Patientin in der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie untergebracht und von den Gynäkologen der Frauenklinik weiter betreut. Später besuchen sie die Psychologinnen und Ärztinnen der Mutter-Kind-Einheit auf der Schwangeren- und der Wöchnerinnenstation. Anschließend kann sie gemeinsam mit ihrem Kind in die Peripartal-Station der Mutter-Kind-Einheit zurückkehren. So entstehen keine Unterbrechungen in der psychologischen Betreuung.

Heidelberger Therapiemodell fördert Mutter-Kind-Beziehung

Das Heidelberger Therapiemodell konzentriert sich neben der seelischen Gesundheit der Mutter auch auf die gesunde Entwicklung des Kindes. Das eingespielte Team aus Psychologen, Ärzten, Fachpflegekräften für Psychiatrie und Kinderheilkunde, Sozialarbeitern, Musik-, Ergo-, Gestaltungs- und Bewegungstherapeuten unter der Leitung von Corinna Reck gewährleistet eine umfangreiche Betreuung von Mutter und Kind sowie auf die Bedürfnisse der Frauen abgestimmte Behandlungsangebote. Für Schwangere gibt es spezielle Angebote, wie die Körpertherapie, die ihnen helfen eine positive Einstellung zu sich und ihrem ungeborenen Kind zu gewinnen.

"Wir wollen die Frauen in ihrem Mutter-Sein bekräftigen. Viele haben ein sehr negatives Selbstbild und glauben, eine schlechte Mutter zu sein", so Dr. Corinna Reck. Neben den Psychotherapien gibt es Mutter-Kind-Therapien, wie verhaltens- und musiktherapeutische Müttergruppen, Interaktionstherapie, Anleitung zur Baby-Massage und eine Spielgruppe für ältere Kinder. Die Beteiligung der Väter oder anderer Familienmitglieder an der Therapie ist erwünscht.

"Besonders wichtig war für mich, dass immer ein Ansprechpartner da war und dass ich mich mit anderen betroffenen Frauen austauschen konnte. Das hat mir Kraft und Sicherheit für die Zeit nach der Behandlung gegeben", beschrieb die ehemalige Patientin Katja Merly. Die 29-Jährige aus dem hessischen Bürstadt litt nach der Geburt ihrer Tochter unter Depressionen und Panikattacken, kam mit der Situation schließlich nicht mehr zurecht. "Die Therapie hat mir sehr geholfen, ich bin bei mir angekommen."

Mobile Bezugspersonen geben Zuhause Sicherheit

Nach dem Klinikaufenthalt helfen die Mitarbeiterinnen der Mutter-Kind-Einheit im Rahmen des Mobilen Bezugspersonensystems (MBS) den Müttern und Familien dabei, den Alltag mit Kind zu meistern: Eine Bezugsperson aus der stationären Therapie, z.B. eine Krankenschwester, besucht die Patientin bei Bedarf regelmäßig zu Hause. Die Patientin kann nach ihrer Entlassung an Gruppen- und Einzelangeboten des MBS teilnehmen oder die "Mama Care Weekends" besuchen, Wochenendworkshops mit Entspannungstechniken, Selbsterfahrung, und Kreativangeboten, die zweimal im Jahr stattfinden. Seit 2007 können sich betroffene Schwangere und Mütter auch an die Selbsthilfegruppe "Zwickmühle" wenden.

Im Gegensatz zur Wochenbettdepression gibt es nur wenige Untersuchungen zu den Folgen einer Angsterkrankungen nach der Geburt eines Kindes: Daher untersucht das Team der Mutter-Kind-Einheit der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg derzeit in einer Studie, wie die kindliche Entwicklung und frühkindliche Stressreaktionen durch die Angsterkrankung der Mütter beeinflusst werden.

Informationen zur Mutter-Kind-Therapie:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/zpm/psychatrie/pdf/broschuere_jaspers.pdf
Schwangere und Mütter, die an der Studie "Postpartale Angststörungen" teilnehmen möchten, wenden sich bitte an:
Britta Zipser, Ärztin
Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 564420
E-Mail: Britta.Zipser@med.uni-heidelberg.de
Ansprechpartner für Journalisten:
Dr. Corinna Reck, Leitende Psychologin
Mutter-Kind-Therapie und Forschung
Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 44 65
E-Mail: Corinna.Reck@med.uni-heidelberg.de
Mutter-Kind-Telefon:
Tel.: 06221 / 56 34 416
Montag bis Donnerstag von 14 bis 15 Uhr
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Pressekonferenz-30-10-2008.111687.0.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie