Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aktuelle Aspekte der Geburt durch Kaiserschnitt

09.07.2009
Mittlerweile kommt in Deutschland fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. In den letzten 20 Jahren hat sich die Kaiserschnittrate mehr als verdoppelt.

Medizinische Gründe dafür gibt es einige. Aber offensichtlich entscheiden sich auch die Frauen immer häufiger ganz bewusst für eine Schnittentbindung. Rund 150 Experten diskutierten über diesen Trend im Spannungsfeld zwischen medizinischer Indikation und Selbstbestimmung am 9. Juli in Berlin auf einem von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) initiierten Symposium.

"Die Narbe spüre ich heute immer noch." "Der Kaiserschnitt war klasse - Kaum Schmerzen, keine Unsicherheit, kein Dammschnitt." "Als alles vorbei war, dachte ich: Können wir bitte noch mal von vorn anfangen, ich hab's nicht richtig mitbekommen." Sehr unterschiedlich berichten Frauen von ihrem Kaiserschnitt-Erlebnis. Tatsache ist, dass mittlerweile fast 30 Prozent aller Kinder in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt kommen.

Dafür gibt es medizinische Gründe: Neugeborene werden immer schwerer, der Anteil an Zwillingsgeburten wächst, Mütter leiden vermehrt an Schwangerschafts-Diabetes. Hinzu kommt, dass Ärzte und Patientinnen bei einer Geburt die Risiken minimieren wollen und schneller zu Kaiserschnitten tendieren. Allerdings ist der Anteil der Kaiserschnitte ohne eigentliche medizinische Indikation auch geringfügig gestiegen. Fakt ist: Der Kaiserschnitt hat seinen ganz großen Schrecken verloren. Offenbar entscheiden sich Frauen auch deswegen ganz bewusst für die Schnittentbindung.

Die Gesundheit der Frau in den Jahren nach der Geburt

"Die Geburt darf nicht als ein Geschehen betrachtet werden, das ein paar Stunden im Kreißsaal stattfindet und danach erledigt ist. Sie beginnt schon Monate vorher im Kopf der Patientin und kann großen Einfluss auf die Gesundheit der Frau in den kommenden Jahren haben", sagte DGGG-Generalsekretär Professor Klaus Vetter, Berlin. Urologische, proktologische und psychische Probleme können nach einer natürlichen Geburt noch Jahre später auftreten und Ärzte verschiedener Fachrichtungen beanspruchen. Deswegen sprachen auf dem Symposium nicht ausschließlich gynäkologische Referenten. Auch Proktologen, Urogynäkologen, Hebammen- und Patienten-Vertreter kamen zu Wort.

Die Hamburger Autorin Annette Bopp appellierte an die Frauen, sich wieder stärker auf die eigene Kraft zu besinnen. "Viele scheuen die normale Geburt vor allem aus Angst vor Schmerzen und Inkontinenz. Nur wenige jedoch wissen, dass der Beckenboden auch bei einem Kaiserschnitt leiden kann, auch sind Schmerzen unter der Geburt gut zu lindern - beides sollte kein Grund für einen Kaiserschnitt sein", sagte die Medizinjournalistin. Dies umso mehr, als die Sectio eher mit höheren Risiken für Mutter und Kind verbunden sei. Es sei höchste Zeit, dass die Geburtshelfer wieder stärker ihrer Aufgabe nachkommen, Frauen die Angst vor der Geburt zu nehmen.

Die Entwicklung nicht verteufeln

"Und dennoch dürfen wir diese Entwicklung in Bezug auf den Kaiserschnitt nicht verteufeln", sagte Professor Peter Husslein, Universität Wien. "Das Geburtserleben wird für Frauen immer wichtiger, die Autonomie der Frauen immer größer. Wir Ärzte müssen akzeptieren, dass es nicht nur einen indizierten Kaiserschnitt geben kann, sondern dass ein so wichtiger Vorgang wie die Geburt in Zukunft in jedem Fall zwischen Arzt und Schwangeren besprochen werden muss." Nicht delegieren, sondern Entscheidungshilfe leisten und das Selbstbestimmungsrecht der Frau berücksichtigen. So, das meinen die Experten, könnte die Geburt der Zukunft aussehen. "Wichtig ist in allen Fällen die ergebnisoffene, umfassende Aufklärung der Patientin durch den Arzt. Die vaginale Entbindung ist und bleibt aber das Primat in der Geburtshilfe", betonte DGGG-Präsident Professor Rolf Kreienberg, Ulm, in seinem Schlusswort.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dggg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Substanz blockiert krebsspezifische Mutation bei Leukämie und Hirntumoren
30.05.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Makula-Degeneration – Deutschlands häufigste Augenerkrankung braucht mehr Aufmerksamkeit
30.05.2017 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Graphen ohne das Anlegen störender elektrischer Kontakte zu charakterisieren. Damit lassen sich gleichzeitig der Widerstand und die Quantenkapazität von Graphen sowie von anderen zweidimensionalen Materialien untersuchen. Dies berichten Forscher vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel im Wissenschaftsjournal «Physical Review Applied».

Graphen besteht aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen. Es ist transparent, härter als Diamant, stärker als Stahl, dabei aber flexibel und ein deutlich...

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftsforum Chemie 2017

30.05.2017 | Veranstaltungen

Erfolgsfaktor Digitalisierung

30.05.2017 | Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

30.05.2017 | Physik Astronomie

Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Nano-U-Boot mit Selbstzerstörungs-Mechanismus

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie