Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Akromegalie-Register zeigt Versorgungsmängel - Weiterwachsen für Erwachsene ist gefährlich

28.02.2013
Ein Überschuss an Wachstumshormon verändert bei Erwachsenen nicht nur das Aussehen mit vergrößerter Nase, prägnanten Wangenknochen, überdimensionierten Händen und Füßen.
Die Hormonstörung Akromegalie schädigt auch innere Organe und kann zu Diabetes und Herzerkrankungen führen. Dennoch erhalten in Deutschland viele Patienten keine ausreichende Behandlung, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Wie Patienten mit Akromegalie von Krankheitsregistern profitieren können, ist Thema auf der Pressekonferenz der DGE anlässlich ihres 56. Symposiums vom 13. bis 16. März 2013 in Düsseldorf.

Akromegalie ist eine seltene Erkrankung, die in Deutschland etwa 3000 bis 6000 Erwachsene betrifft. Ein gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse bildet bei ihnen zu viel Wachstumshormon aus. Das führt bei den Erkrankten zur Vergröberung der Gesichtszüge und zur Vergrößerung von Händen und Füßen. Neben diesen äußerlich sichtbaren Veränderungen wachsen aber auch innere Organe wie Herz oder Leber, was mit Störungen verschiedener Organ- und Stoffwechselfunktionen einhergeht. „Oft vergehen fünf bis zehn Jahre bis die Erkrankung erkannt wird“, berichtet Kongresspräsident Professor Dr. med. Peter E. Goretzki, Neuss. Dabei gebe es Frühzeichen. Wenn Ring-, Handschuh- und Schuhgröße zunehmen, Kopf-, Gelenk-, und Rückenschmerzen oder Zyklus- und Potenzstörungen auftreten, die Zunge sich vergrößert oder die Zahnabstände weiter werden, man vermehrt schwitzt oder schnarcht, kann dies auf Akromegalie hindeuten. Die Therapie der Wahl ist eine operative Entfernung des Tumors, eines sogenannten Hypophysenadenoms.

Das Akromegalie-Patientenregister wurde 2003 gegründet. „Damit wollen wir die Früherkennung fördern und den Patienten bessere Heilungschancen eröffnen“, erklärt der Sprecher des Registers, Professor Dr. med. Christof Schöfl vom Universitätsklinikum Erlangen. Bislang haben 56 Krankenhäuser und Schwerpunktpraxen 1920 Patienten angemeldet. „Das sind etwa 30 bis 40 Prozent aller Patienten“, schätzt Professor Schöfl, der nun zusammen mit Kollegen eine Auswertung der ersten 1344 Patienten veröffentlicht hat. Aus ihr geht hervor, dass 89 Prozent der Patienten an der Hirnanhangdrüse operiert wurden. Professor Schöfl: „Etwa 39 Prozent der Patienten hat die Operation geheilt.“ An größeren Zentren waren die Heilungsraten mit 50 Prozent besser als an kleineren. Professor Schöfl leitet daraus ab, dass die Operation an Kliniken erfolgen sollte, die auf diesem Gebiet eine besondere Erfahrung aufweisen.
Neben der Operation setzen Ärzte auch Medikamente und Strahlentherapie gegen Akromegalie ein. Dank der verschiedenen Therapien hat die Mehrzahl der Patienten aus dem Akromegalie-Register heute normale Hormonwerte, berichtet Professor Schöfl. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen werde das Therapieziel jedoch nicht erreicht. Schätzungsweise 25 Prozent aller Betroffenen befindet sich nicht oder in nicht-spezialisierter Behandlung, warnt der Experte. „Akromegalie-Patienten haben ein erhöhtes Sterberisiko. Ohne Behandlung ist ihre Lebenserwartung oft vermindert.“ Welche weiteren Diagnose- und Therapieempfehlungen aus der Auswertung des Akromegalie-Registers folgen, diskutieren die Experten auf der Pressekonferenz am 13. März. Weitere endokrinologische Register werden dort ebenfalls vorgestellt.

Literatur:
Schöfl C, Franz H, Grussendorf M, Honegger J, Jaursch-Hancke C, Mayr B, Schopohl J: The participants of the German Acromegaly Register. Long-term outcome in patients with acromegaly: analysis of 1344 patients from the German Acromegaly Register.
European Journal of Endocrinology (2013) 168 39–47
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23087126
Homepage des Akromegalie-Registers: http://www.akromegalie-register.de

Terminhinweise:
Vortrag von Professor Dr. med. Christof Schöfl „Akromegalie Register“
Termin: Donnerstag,14.03.2013, 10:10 bis 10:30 Uhr
Ort: CCD Congress Center Düsseldorf, Eingang Süd, Raum 15
Anschrift: Stockumer Kirchstr. 61, 40474 Düsseldorf

Pressekonferenz anlässlich des 56. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Termin: Mittwoch, 13. März 2013, 12:00 bis 13:00 Uhr
Ort: CCD Congress Center Düsseldorf, Eingang Süd, Raum 15
Anschrift: Stockumer Kirchstr. 61, 40474 Düsseldorf

Weitere Informationen zum 56. Symposium der DGE und dem Tagungsprogramm finden Sie unter http://www.dge2013.de

Kontakt für Journalisten:
DGE Pressestelle
Anna Voormann/Dagmar Arnold/Dr. Adelheid Liebendörfer
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380, Telefax: 0711 8931-984
arnold@medizinkommunikation.org
http://www.dge2013.de http://www.endokrinologie.net

Anna Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften