Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aids in Drogenmilieus ist Katastrophe

21.07.2010
Ohne mutige Lösungen keine Besserung in Sicht

Krasse Rückstände gibt es in der Behandlung und Vorbeugung von Aids bei Drogensüchtigen. Zu diesem Schluss kommt die Fachzeitschrift "The Lancet", die sich anlässlich der 18. internationalen Aids-Konferenz ganz dem Thema Drogensucht und HIV/Aids widmete. Drei von den 16 Mio. Menschen, die weltweit Drogen injizieren, sind Träger des HIV-Virus. Hepatitis, Tuberkulose und psychische Krankheiten sind in dieser Gruppe besonders häufig. Zudem wird sie besonders stark stigmatisiert und in ihren Menschenrechten beschnitten.

Märchen über die Süchtigen

Viele Mythen ranken sich um die Drogensucht und viele davon sind falsch, sagen Forscher aus San Diego. "Nachweisbar stimmt es nicht, dass Drogensüchtige nicht kooperieren, schlechter auf Antiretroviren-Behandlung reagieren oder kaum beforscht werden können", so Studienleiterin Steffanie Strathdee. Falsch sei die Annahme, dass sie nur durch Drogen mit HIV in Kontakt kommen, da sie ebenso ein Sexualleben führen. Nicht den Tatsachen entspricht auch die Vorstellung, dass eine HIV-Infektion logische Folge von Drogengebrauch ist oder dass Minderheiten in Industriestaaten mehr Drogen nehmen.

Weitere der enttarnten Fehlannahmen betreffen die Möglichkeiten, Drogennutzer vor HIV zu schützen. So haben Studien in Alaska gezeigt, dass der Rauschgiftkonsum nicht zunimmt, wenn saubere Nadeln bereitgestellt werden. Drogensüchtige leben zudem sehr wohl in Gemeinschaften, die man für Präventionsprogramme ansprechen kann. Methadonersatz ist laut den kalifornischen Forschern kein bloßer Ersatz einer Droge durch eine andere, zudem ist auch Angst keine zielführende Strategie gegen Drogengebrauch.

Frauen zweifach benachteiligt

Besonders drogenabhängige Frauen sind in Sachen HIV/Aids benachteiligt. "Süchtige Frauen haben ein doppelt so hohes Risiko einer HIV-Ansteckung", erklärt Nabila El-Bassel von der New Yorker Columbia School of Social Work. Erstens sind sie weniger dazu fähig, sicheren Sex auszuhandeln. Zweitens verwenden sie meist dieselbe Nadel wie ihr Partner und kommen erst als zweites an die Reihe. "Verweigern sie die gemeinsame Nutzung, endet das oft in körperlicher oder sexueller Gewalt gegen sie", schreiben die Experten.

In seiner Rolle für Aids unerkannt, jedoch besonders für Frauen gefährlich ist die Volksdroge Alkohol, schreiben Forscher aus Washington. Als Grund führen sie die Verhaltensänderungen an, die die Substanz bei Menschen auslöst. Betrunkene gehen viel eher ungeschützten Sex, Kontakt mit wechselnden Sexualpartner oder Prostitution ein, warnen die Experten.

Weg von schmutzigen Nadeln!

Eine Gesamtlösung zum Schutz vor HIV und dessen Behandlung in der Drogenszene gibt es nicht, so der Tenor der Autoren. Jedes Land hat seine eigenen Gegebenheiten, auf die man eingehen muss. Allgemein ist es jedoch wichtig, auch dieser Gruppe ihre Menschenrechte zuzugestehen, nicht vorschnell zu kriminalisieren und ihre allgemeine Situation zu verbessern. Wichtig sei die Kombination verschiedener Maßnahmen wie verbesserten Zugang zu HIV-Medikamenten, Ersatztherapien und Nadel-Austauschprogramme.

Schärfer hat dies bereits gestern Bill Gates in seiner Ansprache formuliert. Ihm zufolge ist es eine "Verschwendung von Leben und Geld, wenn man Angst davor hat, vorrangig bei Gruppen mit besonders hohem Risiko Präventionsprogramme einzuleiten." Unter diesen Gruppen nannte der Microsoft-Gründer explizit die Drogensüchtigen (siehe: http://pressetext.com/news/100719026/ ).

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.aids2010.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gravitationswellen: Sternenglanz für Jenaer Forscher

19.10.2017 | Physik Astronomie

Materie-Rätsel bleibt weiter spannend: Fundamentale Eigenschaft von Proton und Antiproton identisch

19.10.2017 | Physik Astronomie

Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie