Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Adipositas, Neue Wege in Forschung und Therapie

21.06.2010
Forschungsnetz bietet neue Möglichkeiten für Forschung und praktische Anwendung

In Deutschland leiden rund 16 Millionen Menschen an krankhaftem Übergewicht. Ernährungsbedingte Erkrankungen verursachen jährlich etwa 70 Milliarden € (im Jahr 2004) an Kosten für das Gesundheitswesen. Die WHO hat bereits vor vielen Jahren festgestellt: „Adipositas ist eine chronische Erkrankung“, doch diese Auffassung hat nicht überall Konsequenzen gefunden.

In Deutschland wurde Adipositas von Behörden und Krankenkassen bislang nicht als Krankheit anerkannt, sondern allenfalls als Risikofaktor für die Entstehung von Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus und Leberverfettung. „Dies hat nicht nur Nachteile für die Betroffenen erbracht, sondern auch für die Forschung, denn bislang wurde Adipositas nicht explizit im Rahmen klinischer Forschung unterstützt,“ sagte Prof. Dr. Stephan C. Bischoff, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin Universität Hohenheim in Stuttgart, anlässlich der „Ernährung 2010“ in Leipzig. Dies habe sich mit dem Klinischen Kompetenznetzwerk Adipositas zum Positiven hin geändert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit 2008 acht ausgewählte Forschungsverbände in Deutschland, die gezielt Adipositasforschung betreiben. Daraus ist ein neues Kompetenznetz Adipositas in Deutschland entstanden. Das Forschungsprojekt ist auf zwölf Jahre angelegt und wird in der Anschubphase mit zehn Millionen Euro gefördert.

Dazu gehört unter anderem der Forschungsverbund „Obesity and the Gastrointestinal Tract“ (OGIT). „Das Essverhalten wird über das Gehirn und durch Hormone gesteuert und beeinflusst dadurch den Aufbau von Fettgewebe. Es gibt jedoch Hinweise, dass auch der Magen-Darm-Trakt an der Steuerung der Gewichtszunahme beteiligt ist“, sagt Prof. Bischoff, der Sprecher des OGIT ist. Neben Appetitzüglern, die das Essverhalten über das Gehirn bremsen sollen, könne eine zukünftige Generation von Medikamenten auch über den Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt) wirken. Dies ist jedoch noch in der Erforschung und bis zu praktischen Anwendung ist es noch ein weiter Weg. In dem Projekt werden neben der Grundlagenforschung auch Therapieverbesserungen entwickelt und Patienten direkt mit einbezogen. Ziel des Forschungsverbundes ist, die Rolle des Magen-Darm-Traktes für die Entstehung und Behandlung von Adipositas durch in-vitro- und in-vivo-Ansätze mit geeigneten Tiermodellen zu untersuchen. Ebenso sollen die gewonnenen Erkenntnisse auf den adipösen Menschen übertragen werden, indem definierte Interventionen zur Gewichtsreduktion („Very-low-Calorie-Diet“ basierende Programme beziehungsweise bariatrische Chirurgie – Eingriffe zur Erleichterung einer Gewichtsreduktion) beim Menschen eingesetzt werden. Insbesondere soll geklärt werden, ob der Magen-Darm-Trakt ein neues Zielorgan für zukünftige Interventionen sein könnte, ob pathophysiologische (krankhaft veränderte Körperfunktionen) Veränderungen im Gastrointestinaltrakt bisherige diätetische Ansätze oder chirurgische Strategien modifizieren könnten. Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Adipositas und Gastrointestinaltrakt könnten somit sehr nützlich für zukünftige Management-Strategien zur Prävention oder Behandlung von Adipositas sein.

Operative Verfahren sorgen für Gewichtsverlust

Insbesondere die chirurgischen Verfahren bei krankhaftem Übergewicht haben sich wesentlich weiterentwickelt und konnten ihre Effektivität auf hohem Niveau belegen. Eine neuere Entwicklung ist der „Gastric Sleeve“, bei dem die Darmanatomie unverändert bleibt, aber der Magen zu einem Schlauch verkleinert wird, so dass er weniger resorbiert und insbesondere weniger appetitfördernde Hormone freisetzt.

Mit dem sogenannten „Gastric Bypass“ können stark übergewichtige Menschen zum Beispiel bis zu 50 Prozent ihres Gewichtes verlieren. Bei dieser Methode wird operativ eine Umleitung des Darmes umgesetzt. Es entsteht zunächst ein kleiner Restmagen, der keine Verbindung mehr zum ursprünglichen Magenausgang besitzt und an die Dünndarmwand angeschlossen wird. Der Zwölffingerdarm wird somit umgangen. Die Nahrung passiert nach der Speiseröhre den kleinen neugebildeten Magen und fließt direkt in den Dünndarm. Diese Veränderung der Anatomie führt dann zu dem gewollten Gewichtsverlust.

Bei konservativen Therapieverfahren ist zum Beispiel das Optifast-Programm eine sinnvolle Hilfe für Menschen mit krankhaftem Übergewicht. Das Programm ist ein einjähriges, medizinisch und psychologisch begleitetes Programm zur Gewichtsreduktion und zum dauerhaften Halten des Gewichts. In der so genannten Fastenphase besteht die Nahrung aus einer Formula-Diät (Fertigprodukte). Das ambulante Therapieprogramm wird in rund 40 Zentren in Deutschland und Österreich angeboten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stephan C. Bischoff
Institut für Ernährungsmedizin
Universität Hohenheim
Tel.: 0711 459-24100
E-Mail: Bischoff.stephan@uni-hohenheim.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte