Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aderhautmelanom – eine Vorhersage zur langfristigen Heilung ist frühzeitig möglich

31.03.2016

Das Aderhautmelanom ist die häufigste Krebserkrankung des Auges. Tumorzellen, die sich vor einer Behandlung aus dem Auge in andere Körperregionen abgesetzt haben, können noch viele Jahre nach der Behandlung zu Metastasen heranwachsen. Fast jeder zweite Patient mit Aderhautmelanom verstirbt an den Folgen der frühen Streuung von Krebszellen in andere Organe.

Dr. M. Zeschnigk hat mit Forschern der Institute für Humangenetik/Neuropathologie verschiedene in der Routine zulässige Untersuchungen entwickelt, mit deren Hilfe schon früh mit erstaunlich hoher Genauigkeit vorhergesagt werden kann, ob ein Patient mit Aderhautmelanom langfristig geheilt ist.


Linkes Bild zeigt eine sehr starke Färbung der Tumorzellen.

Arbeitsgruppe Dr. M. Zeschnigk


Im rechten Bild ist keine Färbung der Zellen zu erkennen. Nur von den Tumorzellen im rechten Bild geht ein sehr hohes Risiko aus, dass sich die Zellen im Körper ausbreiten.

Der Tumor kann meist erfolgreich aus dem Auge entfernt werden. Nicht selten haben sich bereits vor der Behandlung Krebszellen an anderen Stellen des Körpers angesiedelt. Dort können diese Zellen zu Metastasen heranwachsen, nicht selten auch viele Jahre nach der Therapie des Tumors im Auge. Insgesamt verstirbt jeder zweite Patient mit Aderhautmelanom im Laufe der folgenden Jahre an einer Metastasierung.

Mit herkömmlichen Methoden, z.B. mit dem Mikroskop, sind Aderhautmelanome, die zu einer metastasierenden Erkrankung führen können, nicht von nicht-metastasierenden Aderhautmelanomen zu unterscheiden. Erst mit aufwändigen Untersuchungen der Erbsubstanz der Tumorzellen konnten die entscheidenden Erkennungsmerkmale für das Metastasierungsrisiko entdeckt werden (2,3).

Die genetischen Untersuchungen ermöglichen die Erkennung von Untergruppen des Aderhautmelanoms, die sich bezüglich ihres Metastasierungsrisikos unterscheiden (2). Eine vollständige genetische Untersuchung der Erbsubstanz von Tumorzellen ist für den klinischen Alltag jedoch zu aufwändig und daher haben wir alternative Verfahren entwickelt.

In Körperzellen werden Gene in Eiweißmoleküle umgeschrieben. Ist nun ein Gen in einer Tumorzelle defekt, kann das entsprechende Eiweiß im Tumor oft nicht mehr korrekt gebildet werden. Es war das Ziel der Studie ein Eiweißmolekül zu finden dessen Nachweis zwischen metastasierenden und nicht metastasierenden Tumorzellen unterscheidet und somit die genetische Untersuchung ersetzen oder ergänzen kann.

Solche Eiweißmoleküle werden heute meist mit der Methode der Immunhistochemie im Gewebe angefärbt. Ein guter Kandidat für ein solches Eiweißmolekül war das BAP1-Genprodukt, da das entsprechende Gen in den Tumoren defekt ist, die bei den Patienten zu einer Streuung der Tumorzellen geführt haben.

Um diese Annahmen zu prüfen, wurde das BAP1-Mutationsspektrum in einer Gruppe von 65 Aderhautmelanomen sehr umfangreich ermittelt und die BAP1-Färbung mit der Immunhistochemie durchgeführt. Außerdem wurde der Krankheitsverlauf der Patienten über mehrere Jahre genauestens verfolgt und sowohl das Todesdatum als auch die Todesursache dokumentiert.

Es zeigt sich, dass die Färbung mittels Immunhistochemie es ermöglicht eindeutig zwischen zwei unterschiedlichen Aderhautmelanomen zu unterscheiden (Abbildung 1). Während sich die Tumore ohne BAP1 Mutation sehr deutlich anfärben ließen (Abbildung 1, linkes Bild), werden die Tumore die ein defektes BAP1-Gen besitzen durch BAP1-Immunhistochemie nicht angefärbt (Abbildung 1, rechtes Bild).

Der Vergleich mit den Überlebensdaten der Patienten zeigte, dass die BAP1-Färbung sehr gut geeignet ist um Tumore mit einem sehr hohen oder sehr niedrigen Risiko zur Metastasierung unterscheiden zu könne. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist, dass der Nachweis dieses Eiweißmoleküls im Rahmen der Routineuntersuchung des Tumormaterials in der Pathologie mit relativ wenig zusätzlichem Aufwand durchgeführt werden kann.

Zurzeit gibt es keine effektive Therapie für das bereits metastasierte Aderhautmelanom. Sollte in Zukunft eine sogenannt adjuvante Therapie verfügbar sein, also eine Behandlung der Metastasen noch bevor sie erkennbar sind, können mit Hilfe des hier etablierten Tests die Patienten identifiziert werden, die von dieser Therapie profitieren können. Patienten die kein oder ein sehr geringes Risiko tragen Metastasen zu entwickeln kann im Gegenzug die Behandlung und somit gegebenenfalls auftretende Nebenwirkungen erspart werden.

Kontakt:
Michael Zeschnigk
Institut für Humagnenetik
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45122 Essen

Johannes van de Nes
Institut für Neuropathologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45122 Essen

Literaturhinweis

1. Comparing the prognostic value of BAP1 mutation pattern, chromosome 3 status and BAP1 immunohistochemistry in uveal melanoma. Johannes A.P. van de Nes, Jasmin Nelles, Stefan Kreis, Claudia H.D. Metz, Thomas Hager, Dietmar R. Lohmann, Michael Zeschnigk. American Journal of Surgical Pathology. Akzeptiert, 2016.

2. Exome sequencing identifies recurrent somatic mutations in EIF1AX and SF3B1 in uveal melanoma with disomy 3. Marcel Martin, Lars Maßhöfer, Petra Temming, Sven Rahmann, Claudia Metz, Norbert Bornfeld, Johannes van de Nes, Ludger Klein-Hitpass, Alan G Hinnebusch, Bernhard Horsthemke, Dietmar R Lohmann and Michael Zeschnigk. Nat Genet. 2013 August; 45(8): 933–936.

3. Prognostic implications of monosomy 3 in uveal melanoma. Prescher G, Bornfeld N, Hirche H, Horsthemke B, Jöckel KH, Becher R (1996) Lancet 347(9010): 1222-5.

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat dieses Forschungsprojekt mit rund 72.000 Euro unterstützt. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 220 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Bernhard Knappe | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Booth and panel discussion – The Lindau Nobel Laureate Meetings at the AAAS 2017 Annual Meeting

13.02.2017 | Event News

Complex Loading versus Hidden Reserves

10.02.2017 | Event News

International Conference on Crystal Growth in Freiburg

09.02.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie